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Stormarn Kreis Stormarn macht Busverkehr attraktiver
Lokales Stormarn Kreis Stormarn macht Busverkehr attraktiver
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17:22 21.05.2019
Der Zob in Bad Oldesloe. Ab kommendem Jahr soll es hier digitale Hinweistafeln mit den Abfahrtzeiten geben.
Der Zob in Bad Oldesloe. Ab kommendem Jahr soll es hier digitale Hinweistafeln mit den Abfahrtzeiten geben. Quelle: mc
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Bad Oldesloe

„Das ist wirklich eine bahnbrechende Neuerung“, sagte Björn Schönefeld, in der Kreisverwaltung der Experte für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV), jüngst auf einer Sitzung des Verkehrsausschusses. Denn der Kreis läutet zum neuen Schuljahr das Ende der Schülerfahrkarte aus Papier ein. Alle rund 7000 Fahrschüler im Kreis Stormarn erhalten dann die Scheckkarte des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV).

Der Kreis ist damit Vorreiter in Schleswig-Holstein, die anderen Hamburg-Randkreise folgen ein Jahr später. Die Anträge für die neue Dauerfahrkarte können online gestellt und dabei auch gleich ein Passfoto hochgeladen werden. „Das Verfahren zur Ausgabe der Tickets für die Schulbusse wird damit deutlich einfacher und schlanker“, erklärte Schönefeld den Ausschussmitgliedern.

Die Eltern werden per Schreiben informiert, die Ausgabe der Karten erfolgt dezentral über die rund 20 Schulträger. Diese werden auch künftig ein Drittel der Kosten für die Fahrkarten tragen, der Kreis zwei Drittel. Wie bisher ist das Ticket ab dem 1. August für ein Jahr gültig.

Im Nordkreis fährt nur noch die Autokraft

Eine weitere Neuerung betrifft die Vergabe des Busnetzes Nordstormarn von Lübeck bis Bargteheide. „Da sind jetzt die Verträge unterschrieben“, teilte Schönefeld mit. Gewinner ist die Autokraft, die den Zuschlag für beide sogenannte Lose bekommen hat: etwa 1,3 Millionen Fahrplankilometer zwischen Bad Oldesloe und Lübeck sowie etwa 500 000 Kilometer südlich der Kreisstadt inklusive Bargteheide. Beginn ist zum Fahrplanwechsel Ende 2019, die Verträge gelten für zehn Jahre. Bislang fährt auch noch Dahmetal auf Nordstormarns Straßen, das Unternehmen ging jedoch bei der Vergabe komplett leer aus.

Mit der Neuvergabe sind auch mehrere Verbesserungen für die Kunden verbunden. Für den Oldesloer Stadtverkehr wurde bereits eine vierte Linie eingerichtet, damit die Busse pünktlicher werden. Bargteheide wird erstmals einen echten Stadtverkehr erhalten, um unter anderem das Gewerbegebiet und einige Wohngebiete anzubinden. Auch das Anruf-Sammel-Taxi soll aufgewertet werden, unter anderem mit Verbindungen über die Dörfer.

Im Halbstundentakt von Bad Oldesloe nach Ahrensburg

Auf der Linie 8110 (Bad Oldesloe – Bargteheide – Ahrensburg) wird es zur Attraktivitätssteigerung montags bis freitags eine Verdichtung des Stundentaktes in den Hauptverkehrszeiten (etwa 6 bis 8 Uhr und 15.30 bis 19 Uhr) zum 30-Minuten-Takt geben. Diese Linie ist die nachfragestärkste im nördlichen Kreisgebiet. Sie soll daher vom nachfrageorientierten Angebot in einen zum Teil angebotsorientierten Verkehr umgestaltet werden. Die Verbesserungen auf dieser Linie sind mit Mehrkosten von etwa 160 000 Euro jährlich verbunden, zudem muss ein weiteres Fahrzeug eingesetzt werden.

WLan und Videokameras

Für die Vergabe des Netzes Nordstormarn machte der Kreis gewisse Qualitätsvorgaben und hat folgende Standards festgelegt, die auch den Gepflogenheiten des Hamburger Verkehrs-Verbundes (HVV) entsprechen:

Auf der Linie 8110 (Bad Oldesloe – Bargteheide – Ahrensburg) müssen die Busse über Klimaanlagen, Videokameras, Innenmonitore für die Fahrtzielanzeige sowie auch WLan verfügen. Die Linie will der Kreis nicht nur durch den 30-Minuten-Takt aufwerten, sondern auch qualitativ, weil sie aufgrund der starken Nachfrage einen gewissen Sonderstatus im Netz Nordstormarn hat.

Alle Grundnetzlinien (Linien 8120, 8130, 8140, 8150, 8160 und 8170) sowie die Linien 8101, 8102 und 8103 des Stadtverkehrs Bad Oldesloe, die ganzjährig betrieben werden, sollen mit klimatisierten Fahrzeugen ausgestattet werden. Klimaanlagen sind laut Kreisverwaltung mittlerweile im ÖPNV bei Neufahrzeugen und jüngeren Fahrzeugen Standard.

Alle Fahrzeuge im Netz sind zudem mit einer Videoüberwachung auszustatten. Dies ist seit Jahren in den einzelnen Verträgen im Kreis sukzessive zum Standard geworden und soll jetzt flächendeckend umgesetzt werden. Die Videoüberwachung dient laut Kreisverwaltung der Sicherheit und der eventuellen Beweissicherung bei entsprechenden Vorfällen.

Standard ist mittlerweile auch, dass alle Fahrzeuge Niederflurbusse für einen stufenlosen Einstieg sind.

Die Stadt Bad Oldesloe würde zudem gerne weitere Linien verdichten, also mit einem 30-Minuten-Takt attraktiver machen – mit dem Geld des Kreises. Unterstützung dafür bekam die Kreisstadt aber nur von den Linken, das Ansinnen fand keine Mehrheit im Verkehrsausschuss. Nun überlegt Bad Oldesloe, selbst die Finanzierung zu übernehmen. Diskutiert wird das unter anderem auf der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 27. Mai. Ergebnisse sollen bis zur Sommerpause vorliegen.

Digitale Displays an den Busbahnhöfen

Eine weitere Neuerung wird es in Bad Oldesloe sowie Reinbek, Ahrensburg und Glinde ab dem Jahr 2020 geben. Dort sollen am jeweils größten Busbahnhof der Stadt Haltestellenmasten mit sogenannter dynamischer Fahrgastinformation aufgestellt werden. Kosten: rund 300 000 Euro, wobei das Land eine großzügige Förderung in Höhe von 75 Prozent verspricht. Nicht zuletzt deshalb stimmte der Verkehrsausschuss dem Vorschlag der Verwaltung einstimmig zu.

In Bad Oldesloe sollen am Zob neben dem Hauptbahnhof etwa vier Masten aufgestellt werden, genauso wie am Bahnhof Ahrensburg, dem S-Bahnhof Reinbek und am Glinder Markt. Überall können die Passagiere dann in Echtzeit sehen, ob ihr Bus pünktlich kommt oder Verspätung hat.

Markus Carstens