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Stormarn Kreis Stormarn will öffentlichen Nahverkehr aufwerten
Lokales Stormarn Kreis Stormarn will öffentlichen Nahverkehr aufwerten
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07:00 30.06.2019
Der Stadtverkehr in Bad Oldesloe, hier der Zob am Bahnhof, fährt ab dem Jahresende in den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt. Finanziert wird das durch die Stadt, langfristig könnte der Kreis die Kosten übernehmen. Quelle: mc
Bad Oldesloe

Als ob er es geahnt hätte: Nach einer ausufernden Klimaschutz-Debatte im Kreistag legte Björn Schönefeld, bei der Stormarner Kreisverwaltung Fachmann für den ÖPNV, nur wenige Tage später dem Verkehrsausschuss eine lange Liste mit Verbesserungen für den öffentlichen Nahverkehr vor. Die Kreispolitiker zeigten sich beeindruckt und nickten viele Vorhaben ab. Weil das alles aber viel Geld kosten wird, gab es aber noch keine endgültigen Entscheidungen. Schönefeld war tätig geworden aufgrund eines Antrags der Grünen.

Die Vorschläge im einzelnen:

Taktverdichtung der Buslinien sowohl im nördlichen als auch im südlichen Kreisgebiet:

Momentan fahren die sogenannten Nuller-Linien (8120, 8130, 8140, 8150, 8160, 8170, 8180) des Busnetzes Nordstormarn in den Ferien nur alle zwei Stunden. Ziel ist, zu den Hauptverkehrszeiten ganzjährig einen Stundentakt einzuführen. „Wir haben da immer wieder Anfragen von Kommunen, gerade erst wieder aus Lasbek“, sagte Schönefeld. Der ländliche Raum könne so besser an größere Kommunen wie Reinfeld, Bad Oldesloe, aber auch Lübeck angebunden werden – inklusive Anschluss an die Züge. Möglich wäre die Umstellung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020. Kosten: rund 50 000 Euro pro Jahr pro Linie.

Im Süden sollen Linien des Netzes Ahrensburg/Südstormarn ausgebaut werden, so die Linie 137 (GlindeBergedorf im 20-Minuten-Takt) zur besseren Anbindung innerhalb der Städte Glinde und Reinbek, die Linie 237 (Willinghusen–Wentorf) sowie die Linie 374 von Bargteheide bis Hamburg-Poppenbüttel. Mit einem Halbstundentakt könne diese Achse gestärkt werden und Bürger besser zu den Bahnhöfen Bargteheide, Hoisbüttel (U-Bahn) und Poppenbüttel (S-Bahn) bringen.

Die Kosten lägen bei 100 000 Euro pro Jahr bzw. 50 000 bis 80 000 Euro (Linie 374). „Vielleicht schaffen wir es so, mehr Leute vom Auto wegzubringen“, sagte Angela Batty von der SPD. Auch für die Touristen sei eine Verbesserung der Taktung attraktiv. Die Politiker votierten einstimmig für diese Verbesserungen.

Ausbau der Nachtbuslinien:

Im Nordkreis hat man möglicherweise von diesem Angebot noch nie etwas gehört, aber in Stormarn sind tatsächlich Nachtbusse unterwegs, allesamt am Hamburger Rand. Die Linie 619 zwischen Glinde und Oststeinbek fährt sogar täglich. Sie ist die einzige, die derzeit vom Kreis finanziert wird. Daneben gibt es sechs weitere Linien, die an den Wochenenden fahren und derzeit von den jeweiligen Kommunen bezahlt werden.

Vorschlag des Kreises: Er nimmt die Nachtbuslinien in seine Grundversorgung mit stündlicher Taktung auf, heißt er gibt das Geld dafür. „Es ist sehr gut, dass wir neue Grundsatzkonzepte erstellen“, sagte Otto Kiehl für die CDU. Martina Bornstein von den Linken regte an, die Linie 619 bis Trittau zum Fun-Parc fahren zu lassen. Das sei eine weite Strecke und koste viel Geld, sagte Joachim Germer (Grüne). „Vielleicht kann man den Betreiber der Diskothek mit ins Boot holen“, entgegnete Bornstein.

Finanzierung der Stadtverkehre:

Der wohl heikelste und teuerste Punkt, der gerade erst in Bad Oldesloe heiß diskutiert wurde. Dort beschloss man, für rund 100 000 Euro pro Jahr auf eigene Faust einen Halbstundentakt für die Linien des Stadtverkehrs einzuführen. Der Kreis hatte die Übernahme der Kosten da noch abgelehnt; die Kreisverwaltung schlägt nun jedoch vor, mittelfristig die Finanzierung des Halbstundentaktes zu den Hauptverkehrszeiten zu übernehmen. „Unsere Nachbarkreise machen das bereits“, erklärte Schönefeld.

Daneben gibt es einen Stadtverkehr in Ahrensburg und ganz neu auch in Bargteheide. Die Übernahme der Kosten für den 30-Minuten-Takt in Ahrensburg würde mit 250.000 pro Jahr zu Buche schlagen. Bargteheide will mittelfristig den innerstädtischen ÖPNV auf Ringlinien und Kleinbusse umstellen. In den Stadtverkehren sieht Björn Schönefeld erhebliches Potenzial durch Pendler und Gelegenheitsverkehr.

Heinrich Dierking vom Forum 21 regte an, entsprechend zu kontrollieren, inwieweit der Autoverkehr dann tatsächlich zurückgedrängt werde und sogar welche Kohlendioxid-Emissionen eingespart würden. Schönefeld dazu: „Ziel ist es, weg vom nachfrage- hin zum angebotsorientierten Nahverkehr zu kommen.“ Der Kreis könne sagen, „wir machen das jetzt“.

Kreis bezahlt Busverkehr für neue Wohn- und Gewerbegebiete:

Die Verwaltung schlägt vor, dass der Kreis grundsätzlich die Finanzierung des Busverkehrs bei der Neuerschließung von Gewerbe- und Wohngebieten übernimmt. Die Kommunen beteiligen sich dann nur noch bei möglichen Taktverdichtungen. Als Beispiel wurde das Baugebiet Erlenhof in Ahrensburg genannt, das ganz neu entstanden ist. Aber auch das in der Entstehung befindliche Gewerbegebiet Beimoor-Süd wäre ein Kandidat. „Wir müssen attraktiv sein für Menschen und Betriebe, um die Nummer eins in Schleswig-Holstein zu bleiben“, sagt Otto Kiehl. Der Ausschuss folgte auch diesem Vorschlag einstimmig.

Aufwertung und Weiterentwicklung des Anruf-Sammel-Taxis:

In Reinfeld, Bad Oldesloe, Bargteheide und Trittau gibt es das Anruf-Sammel-Taxi (AST) für Fahrten innerorts und vor allem in die umliegenden Dörfer – als Ersatz für fehlenden Busverkehr. Die Verwaltung schlägt nun vor, dass Inhaber von Bus-Wochen- oder -Monatskarten – mit Ausnahme der Fahrschüler – das AST ohne zusätzliche Kosten nutzen können.

Bislang zahlen die Zeitkarten-Inhaber einen geringeren Fahrpreis. Eine Einführung wäre zum Jahr 2021 möglich und würde etwa 80 000 Euro pro Jahr kosten. „Das AST soll dadurch für Pendler im ländlichen Raum attraktiver werden“, sagt ÖPNV-Fachmann Schönefeld.

Eine Vision hat er für den südlichen Raum zwischen den Autobahnen 1 und 24 sowie der B 404 mit „Zentrum“ Brunsbek entwickelt. Dort könnte der Kreis Stormarn das Angebot „ioki“ testen. Hinter der Abkürzung steckt ein Unternehmen der Deutschen Bahn mit dem etwas sperrigen Titel „Input Output Künstliche Intelligenz“. In Hamburg haben die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) dieses neue öffentliche On-Demand-Angebot (auf Bestellung) vor einem Jahr in einigen Stadtteilen eingeführt und nun Interesse signalisiert, das System auch im ländlichen Raum zu testen.

Im Einsatz sind dabei Kleinbusse, Fahrten können rund um die Uhr per Smartphone-App gebucht werden. „Das wäre ein richtiger Schritt in die Zukunft“, sagt Schönefeld. Die Stormarner Kommunen in diesem Gebiet gehören alle zum VHH-Gebiet im Netz Südstormarn. Spezielle „ioki“-Haltepunkte würden etwa alle 200 Meter eingerichtet werden. Allerdings lassen sich die Kosten derzeit noch gar nicht kalkulieren.

Elektro- und Wasserstoff-Busse:

Im Netz Ahrensburg sollen ab Dezember 2022 auf zwei Buslinien testweise einige Fahrzeuge mit Elektroantrieb eingesetzt werden. Bei positiven Ergebnissen könne zur neuen Netzvergabe Ende 2024 das Ziel sein, das gesamte Netz auf Elektrobusse umzustellen. „Bei einem Stadtnetz lässt sich das besser umsetzen als auf dem Land“, erklärt Schönefeld. Hintergrund seines Vorschlags: Auch hier sind es die VHH, die bereits E-Busse und dazugehörige Infrastruktur wie Ladesäulen oder Werkstatt testen.

Die Mitglieder der Verkehrsausschusses begrüßten es ausdrücklich, dass in dem Zukunftskonzept auch der Wasserstoff-Antrieb eine Rolle spielen soll: nämlich in Bezug auf die bereits oben erwähnten Kleinbusse für die drei Ringlinien in Bargteheide. Der Haken an den alternativen Antrieben: Die Kosten sind momentan noch nicht darstellbar. Trotzdem votierten die Politiker für eine entsprechende Weiterentwicklung der Vorhaben.

Ausbau Radwegenetz:

Dieser Punkt gehört naturgemäß nicht zum ÖPNV-Programm der Kreisverwaltung. Vielmehr stammt er von der CDU-Fraktion, die die Landesregierung auffordert, eine große Strategie und Planung für die Mobilität auf zwei Rädern vorzulegen. Auch die Förderung von Radweg-Sanierungen solle wieder einfacher werden. Die anderen Fraktionen folgten dem Antrag.

Einige Beispiele wurden auf der Sitzung auch genannt. So bemängelte ein SPD-Vertreter den Zustand des Radweges an der Kreisstraße 61 zwischen Bad Oldesloe und Rümpel. Auch der Radweg zwischen Bargteheide und Ahrensburg sei in einem erbärmlichen Zustand. Angeregt wurde eine zentrale Stelle, an die sich Radfahrer mit Beschwerden wenden können.

Auch der viel genutzte Radwanderweg von Bad Oldesloe nach Trittau war Thema. So sei der Übergang an der B 75 bei Blumendorf sehr gefährlich, bemängelte ein Bürger in der Einwohnerfragestunde. Im weiteren Verlauf soll dagegen bei Sprenge endlich der Lückenschluss erfolgen. Dort hatte sich ein privater Grundstücksbesitzer bis zuletzt gegen die Baumaßnahme gewehrt. Wahrscheinlich kommt es hier zu einem Enteignungsverfahren.

Markus Carstens

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