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Stormarn Das sind die Sorgen der Bauern in Stormarn
Lokales Stormarn Das sind die Sorgen der Bauern in Stormarn
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13:57 29.03.2019
Gülleausbringung auf dem Feld, hier in Rondeshagen im Lauenburgischen: Vorne am Schlepper ist eine Rolle angebracht, auf die der leere und dann gefaltete Schlauch aufgerollt und transportiert wird. Quelle: Joachim Strunk
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Bad Oldesloe

 Hauptredner wird der Grünen-Landesminister Jan Philipp Albrecht sein. „Ich erwarte von ihm klare Aussagen zu den genannten Themenkomplexen“, sagt Friedrich Klose aus Trittau, im zweiten Jahr Vorsitzender des Stormarner Bauernverbandes. Nur ungern denkt er an die jüngsten beiden Jahre zurück mit zuerst viele Regen und dann extremer Trockenheit. Bis zu 30 Prozent Eintragseinbußen hätten die Landwirte dadurch hinnehmen müssen.

Weniger Dünger: Verschwinden die Rapsfelder?

Die novellierte Düngeverordnung ist gerade umgesetzt, da wird sie noch einmal verschärft. Für die Landwirte bedeutet dies, dass sie noch mal 20 Prozent weniger Gülle auf die Felder bringen und zudem im Herbst nur noch sehr eingeschränkt düngen dürfen. „Einige Betriebe trifft das extrem, vor allem die mit Tierhaltung“, erklärt Geschäftsführer Peter Koll. Der Anbau von Raps und Gerste werde zudem erschwert, da beide Nutzpflanzen auf die Düngung im Herbst angewiesen seien. „Anderenfalls sinkt die Ertragslage.“ Was zur Folge haben könnte, dass es im Frühling weniger gelbe Rapsfelder zu bestaunen gibt. „Wir haben schon in den vergangenen Jahren einen Rückgang um 30 Prozent beim Rapsanbau verzeichnet“, erklärt Vorsitzender Klose.

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Hintergrund der überarbeiteten Düngeverordnung sind auch hohe Nitrat-Werte im Grundwasser, für die unter anderem die Landwirtschaft verantwortlich gemacht wird. Im Kreis Stormarn wurden etwa an sechs von 30 Messstellen Grenzwerte überschritten, vor allem im Bereich Bargteheide. „Unser Grundwasser ist aber immer noch verhältnismäßig gut, wir sehen da keine Gefahr“, sagt Peter Koll. In der Düngeverordnung wird künftig nach drei Zonen unterschieden: Wasserschutzgebiete mit strengen Vorgaben, sensible Bereiche mit erhöhten Nitrat-Werten und Areale ohne besondere Auflagen. Die Landwirte müssen dann genau gucken, in welcher Zone ihre Felder liegen.

Billiger Bacon? Was bringt der Brexit?

Schleswig-Holstein ist ein Hochertragsstandort mit entsprechender Nachfrage und günstigen Exportbedingungen durch die Seehäfen“, sagt Geschäftsführer Koll. Dementsprechend gucken auch Stormarner Landwirte auf die Entwicklungen in Großbritannien. Schon unter dem Russland-Embargo hätten hiesige Bauern gelitten, Milch- und Schweinepreise rauschten in den Keller. Ähnlich könnte es nun bei einem ungeregelten Brexit werden. Schließlich trinken die meisten Engländer ihren Tee mit Milch. „Und sie essen gerne Bacon, was nichts anderes ist als Schweinebauch“, erklärt Koll. Auch Gemüse als leicht verderbliche Ware könne günstiger werden, sollte es tatsächlich zu langen Lkw-Schlangen an den Grenzen kommen. Aber richtig vorhersehbar seien die Folgen des Brexits noch nicht.

Zuchtrinder wieder in Drittländer?

Unsicherheit herrscht auch beim Umgang mit den Rindertransporten in Nicht-EU-Länder. Nach dem Auslaufen des Landeserlasses obliegt es nun wieder den Kreisveterinären, Verbote auszusprechen. „De facto existiert das Verbot weiter, allerdings nur in Schleswig-Holstein und Bayern“, sagt Peter Koll. Etwa zehn Betriebe in Stormarn seien davon betroffen, ergänzt Friedrich Klose. Rund 1000 Zuchtrinder würden pro Jahr aus Stormarn über die Genossenschaft Rinderzucht Schleswig-Holstein exportiert. „Die Transporte an sich sind nie beanstandet worden, sondern die Behandlung der Tiere in den Drittländern“, stellt Klose klar. Vor allem die Türkei war bislang ein großer Abnehmer. Während die dortigen Interessenten nun woanders die Rinder kaufen, versuchen die Stormarner Halter, ihre Tiere an andere Abnehmer zu veräußern.

Der Roboter im Kuhstall

„Für schnelle digitale Prozesse in der Landwirtschaft brauchen wir 5G eben doch an jeder Milchkanne“, stellt Peter Koll klar. Er nimmt dabei Bezug auf eine Aussage von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU), die genau dies verneinte. Für die digitale Entwicklung in der Landwirtschaft ist die neue Mobilfunkfrequenz laut Koll unerlässlich. Schon jetzt hat die Digitalisierung auch bei den Bauern Einzug gehalten. Es geht um automatisiertes Fahren, das präzise Ausbringen von Dünger, Drohnen-Einsatz zum Beispiel bei der Wildrettung bis hin zum Melken durch einen Roboter.

Ausbreitung des Wolfs verhindern

Zum Umgang mit dem Wolf hat Friedrich Klose eine klare Meinung: „Der Minister sollte ihn ins Jagdrecht aufnehmen.“ Was nicht gleichbedeutend ist mit einem willkürlichen Abschuss der Tiere. Es ließe sich so jedoch der Bestand regulieren. „Wir sehen die Ausbreitung des Wolfs sehr kritisch“, sagt auch Peter Koll. Schafe, Rinder und auch Pferde ließen sich nicht durch Zäune komplett schützen. „Was passiert, wenn ein Wolf eine Kuh oder ein Pferd auf eine Bundesstraße hetzt? Wer haftet bei einem Unfall?“, fragt Koll, der im waldreichen Stormarn günstige Voraussetzungen für die Ansiedlung eines Rudels sieht. „Gesichtet wurden Wölfe hier schon häufiger.“

Markus Carstens

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