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Stormarn Kult-Mopeds beim Reinfelder Simson-Club
Lokales Stormarn Kult-Mopeds beim Reinfelder Simson-Club
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07:00 28.07.2019
Ostalgie in Reinfeld: Henning (v.l.), Willi und Andreas fahren auf Mopeds der Marke Simson ab. Sie haben vor einem Jahr den Simson-Club Lassknattern gegründet. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Sie sind wahre Kultobjekte aus DDR-Zeiten und dazu auch noch richtig schick: Simson-Mopeds, die einst aus den Suhler Werken in Thüringen rollten. Henning Liese (38), Andreas Schlereth (33) und Willi Müller-Brandt (29) haben sich den Zweitaktern verschrieben. Alle Drei fahren die S51, die neben der Schwalbe, dem Spatz, Sperber oder Habicht zu den beliebtesten Flitzern der Simsons-Werke zählen. 1,6 Millionen mal wurde die S51 gefertigt.

Andreas war der Erste, der sich mit dem Simson-Virus infizierte. „Ich habe meine Maschine vor zwei Jahren von dem Bruder meiner Frau gekauft und irre viel Zeit und Geld reingesteckt. Ab und zu bin ich auch damit zur Arbeit nach Oldesloe gefahren, und dann kam Henning ins Spiel.“ „Lass knattern“ lautete der Betreff der Mail, die er von seinem Kollegen, der mit ihm bei Minimax arbeitet, erhielt. „Lass uns doch mal zusammen eine Ausfahrt machen“, schlug Henning vor. Der 38-jährige Reinfelder hatte seine S51 gerade von den Schwiegergroßeltern bekommen, die drei Ost-Mokicks im Schuppen stehen hatten. Einen davon durfte er sich aussuchen.

Mopeds der Marke Simson mobilisierten einst den Osten. Heute sind sie auch im Westen heiß begehrt. Mitglieder des Reinfelder Simson-Clubs Lassknattern widmen den DDR-Flitzern jede freie Minute.

 

Bierdosen im Auspuff

Die beiden Männer trafen sich und starteten mit gemeinsamen Ostalgie-Ausflügen. „Irgendwann kam die Idee auf, einen Club zu gründen“, so Henning. Der Name war schnell gefunden: Lassknattern. Bald stieß auch Willi dazu. „Als einziger Ossi“, sagt der 29-Jährige. „Ich bin noch in der ehemaligen DDR geboren, 90 Tage vor dem Mauerfall. Mein Vater hatte früher schon eine Simme. Durch seine Jugendgeschichten bin ich geprägt.“ Von einem DDR-Moped hat der Wakendorfer deshalb schon lange geträumt. Zu seinem Geburtstag vor einem Jahr erfüllte er sich den Wunsch. Beim Hamburger Fischmarkt wurde er fündig. „Für 650 Euro habe ich meine S51 geschossen.“ Sein Vater wurde ganz sentimental, als er davon hörte. „Er hat erzählt, was die früher damit gemacht haben. Bierdosen in den Auspuff gesteckt, damit es lauter wird, oder Mercedes-Sterne auf Schutzbleche geklebt, um das Ganze aufzupeppen.“

Willi hat sich inzwischen jede Menge Fachwissen angeeignet, um seinem Hobby zu frönen. Denn beim Reparieren legt der Simson-Fahrer selbst Hand an. Seine Freunde nennen ihn mittlerweile „Schraubergott“. „Die Simson ist wirklich das Anfälligste, was ich kenne. Meine läuft – toi toi toi – zwar einwandfrei. Aber im erweiterten Freundeskreis kommt schon täglich ein Anruf von Liegenbleibern, denen ich Tipps gebe.“ Seine Freundin fahre eine Schwalbe, „ein echtes Sorgenkind“. „Jeden Tag ist damit irgendwas.“ Dass trotzdem ihre Herzen für die alten Zweiräder schlagen, zeugt von echter Leidenschaft.

Die Simson ist wetterfühlig

„Das, was bei den Simsons am meisten Probleme macht, ist die Sechs-Volt-Unterbrecherzündung“, weiß Willi. Die sei extrem wetterfühlig. „Wenn es heiß, nass, kalt oder windig ist, braucht sie viel Pflege. Sie muss immer wieder neu eingestellt werden, damit das Moped auch wirklich läuft.“ Andreas hat bei seinem Moped eine Zwölf-Volt-Zündung eingebaut. „Die stellt man einmal ein, dann ist gut.“ Der Vorteil sei auch, dass sie mehr Lichtleistung habe. „Die Blinker werden gesehen.“

Der Hype um die Simson hat auch was mit Geschwindigkeit zu tun. Wenn bei anderen Mopeds bei 45 km/h Schluss ist, gibt die Simson noch mal richtig Gas. 60 km/h sind erlaubt. Schon zu DDR-Zeiten war sie so schnell. Dank des Einigungsvertrages ist ihr das auch heute noch erlaubt. „Aber nur bis Baujahr 1992“, ergänzen die Jungs von Lassknattern. Junge Modelle seien deshalb auch uninteressant.

Der Duft von Freiheit

Die Mitglieder des Reinfelder Simson-Clubs unternehmen regelmäßig Touren. „Wir cruisen zum Beispiel mit der Fuffi-Bande aus Lübeck, die Piaggios und Ciaos fahren, gerne nach Boltenhagen“, berichtet Henning, der am liebsten ganz weit hinten fährt, um den Geruch des Benzin-Öl-Gemischs in der Nase zu haben. „Das ist der Duft von Freiheit, wenn die Mopeds blökern“, meint er. Demnächst soll es sogar nach Dänemark gehen. Zehn Mitglieder sind sie inzwischen in ihrem Reinfelder Club, der 2018 gegründet wurde. „Alter, Geschlecht und Beruf spielen keine Rolle. Uns verbindet das Schrauben, das Fahren und die Liebe zu Zweitaktern.“ Andreas ergänzt grinsend: „Und jeder hat bei uns ’ne Schraube locker.“

In diesem Jahr hat der Reinfelder Club den 19. Juli erstmals zum Simson-Tag erklärt. „Es gibt sogar den ,Einfach-so-Tag’, aber wenige Tage, die sich dem Hobby und der alten Technologie widmen. Deshalb hatte ich die Idee dazu“, verrät Henning. Das war sogar den Neuesten Dresdner Nachrichten eine Berichterstattung wert. Der Simson-Tag soll von nun an die Szene überregional zusammenbringen und mehr Aufmerksamkeit auf das DDR-Moped lenken.

Britta Matzen

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