Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Künstlerin Titia Ohlhaver eröffnet Galerie „Im Weddern“
Lokales Stormarn Künstlerin Titia Ohlhaver eröffnet Galerie „Im Weddern“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 13.03.2019
Titia Ohlhaver mit ihren großformatigen Porträts. In ihrer Ausstellung zeigt sie den amerikanischen Schauspieler James Franco, den sie in Acryl auf Leinwand verewigt hat. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Wie der Zufall manchmal so spielt. Eigentlich war Titia Ohlhavers Mann nur auf der Suche nach einem Trockenanzug. „Ich paddle so leidenschaftlich gern“, sagt Dr. Ralf Schiller, der in Bad Schwartau als Allgemeinmediziner tätig ist. Bei Sport Mohr in Reinfeld wurde Schiller gleich doppelt fündig. Hier entdeckte er nicht nur die passende sportliche Ausrüstung für sich, sondern gleich noch das perfekte Atelier für seine Frau. Im Gebäude von Mohr war gerade ein Büro zu vermieten – die ehemalige Segelmacherei im ersten Obergeschoss. Ein riesiger Raum, hohe Decken, unendlich viel Licht. Schiller war sofort begeistert. Er rief seine Frau an, die für ihre großformatigen Bilder schon lange nach einem Atelier Ausschau hielt. Als Titia Ohlhaver das Objekt sah, hat sie es vom Fleck weg gemietet.

Das Werkzeug der Malerin: ein umfangreiches Pinsel-Sammelsurium. Quelle: Britta Matzen

Mutter der Künstlerin: „Du musst Porträts machen“

Malerei, Zeichnungen, Siebdruck – das sind die Schwerpunkte der neuen Reinfelder Künstlerin. Die 56-Jährige wurde in Hamburg geboren. Das Talent wurde Titia Ohlhaver bereits in die Wiege gelegt, sie stammt aus einer künstlerischen Familie. „,Wie du zeichnest, musst du Porträts machen’, hat meine Mutter früher schon immer gesagt. Mittlerweile ist das auch so – bei mir dreht sich inzwischen alles um Porträts“, sagt die Künstlerin.

Tag der Druck-Kunst

Der Bundesverband bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) hat für Freitag, 15. März, bundesweit den „Tag der Druckkunst“ ausgerufen. An mehr als 200 Orten ist es möglich, die traditionellen künstlerischen Drucktechniken, die als lebendiges und immaterielles Kulturerbe der deutschen UNESCO-Kommission eingestuft wurden, vorgeführt zu bekommen oder selbst auszuprobieren.

Auch in Stormarn gibt es dazu Veranstaltungen: Atelier Titia Ohlhaver, Im Weddern 7, Reinfeld, Siebdruck – mit der Hand am Sieb, Freitag, 15. März, 16 bis 17.30 Uhr, Ausstellung im Atelier ohne Druckvorführung; Sonnabend, 16. März, 14 bis 17 Uhr, Ausstellung und Erläuterung des Druckverfahrens: Was, wann, wie, wofür und womit.

Siebdruckwerkstatt Thomas Klockmann, Künstlerhalle 38 b –Bornkampsweg 38 b, Ahrensburg, Siebdruck – Renaissance einer (gar nicht so) alten Technik oder Überlebensfreude in der Nische, Freitag 15. März, 11 bis 17 Uhr; 15 Uhr: Vortrag; 16 Uhr: Lesung (Bildgeschichten).

 

Doch bis sie ihre künstlerische Bestimmung verwirklichte, brachte ihr das Schicksal zunächst Umwege. Da war der Vater, der ihr den gut gemeinten Rat gab, sie sei Mittelmaß wie die anderen Kunstschüler, sie müsse ordentlich Gas geben und immer besser werden. „Menschen zu zeichnen, das fiel mir so leicht. Deshalb habe ich immer gedacht, ich muss mir etwas anderes suchen.“ Etwas, das sie sich mehr erkämpfen musste.

Mit dem Windjammer über den Atlantik

Nach dem Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg arbeitete Titia Ohlhaver zunächst als Illustratorin. „Der Delius Klasing Verlag hat meine Diplomarbeit gekauft. Ich habe damals die beiden Windjammer ,Thor Heyerdahl’ und ,Alexander von Humboldt’ von den Kanaren nach Hamburg mit überführt – einmal über den Atlantik. Das war ein Traumjob“, erinnert sich die Künstlerin. Sie sei in die Wanten geklettert, habe Seglerromantik pur erlebt und alle Eindrücke mit Bleistift und Kohle zu Papier gebracht.

Anschließend nahm Ohlhaver Aufträge von Agenturen an. Dort traf sie auf die Linden-Brüder der Rellinger Sportswear-Firma Jeantex. „Ich bin gar keine Modedesignerin, aber ich habe die Kollektionen gezeichnet und wurde Chefdesignerin von Jeantex.“ Ohlhaver entwarf Segelbekleidung, Radsport-Outfits und Teamwear für Fußballer. Und das, obwohl sie mit Nadel und Faden nichts am Hut hatte. „Ich kann gar nicht nähen, aber ich kann Schnitte machen.“ Ihren Job bei Jeantex liebte sie. „Das war eine so spannende Aufgabe, Sportbekleidung zu entwerfen.“

Crew-Bekleidung für den Agnelli-Clan

Doch Ende der 1990er Jahre kündigte Titia Ohlhaver schweren Herzens. „Ganz einfach aus dem Grund, weil ich Familie haben wollte.“ Mit dem Job und langen Arbeitstagen bis weit in die Nacht hinein wäre das unmöglich gewesen. Stattdessen machte sie sich selbstständig und entwarf Crew-Outfits für wohlhabende Schiffseigner wie den Agnelli-Clan von Fiat oder Hubertus Bahlsen. „Dann kam meine Familie.“ Ehemann, Sohn und irgendwann ein Umzug von Hamburg nach Scharbeutz.

„Wenn man in der Provinz sitzt, ist es allerdings schwierig, beruflich am Ball zu bleiben“, musste Ohlhaver erfahren. Design, Textilindustrie – das gab es in ihrem neuen Umfeld nicht. „Dann musst du was anderes machen, habe ich mir gesagt.“ Ohlhaver besann sich zurück auf das, was sie konnte: Porträts. „Ich habe gegen diese Einstellung, dass das, was mir leicht fällt, keinen Wert hat, an gearbeitet. Ich mache es doch mit den Porträts, habe ich mir gesagt und eine Werkstatt eingerichtet.“ Erst in Bad Schwartau, dann in Lübeck auf der Altstadtinsel.

Die Bardot im Pop-Art-Style

Anfangs probierte die Künstlerin siebdruck-basierte Porträts im Pop-Art-Style aus. „Die kamen sehr gut an.“ Viele Kunden seien gekommen und hätten Bilder von ihren Kindern oder Partnern in Auftrag gegeben. Auch Prominente hat sie verewigt. So begegnet man in ihrer Reinfelder Ausstellung Steve McQueen, Brigitte Bardot, Ben Becker oder auch Heiner Geißler.

Frodo Beutlin lässt grüßen. Hier hat die Reinfelder Künstlerin den "Herr der Ringe"-Star Elija Wood porträtiert. Quelle: Britta Matzen

Siebdruck ist immer noch eine große Leidenschaft von Titia Ohlhaver. Seit einiger Zeit konzentriert sie sich allerdings mehr auf großformatige Porträts in Acryl auf Leinwand. Schwarz, Weiß, Grau sind die Farben, die sie dafür verwendet. Viele Werke zeigen die Künstlerin selbst. „Dafür gibt es einen Grund. In den letzten vier, fünf Jahren wurde es um mich herum ziemlich ernst. Ich habe viele Menschen verloren. Das hat mich innerhalb eines Jahres ziemlich verändert. Mir ging der Humor abhanden, plötzlich habe ich auch so vieles negativ gesehen. Auch mit dem Alter kam noch einiges dazu.“ Sie habe sich dann entschieden, die bittere Pille zu schlucken und sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen. „Festhalten kann man ja nichts.“

Projekt „Rough Landing“

Titia Ohlhaver kontaktierte Fotografen, unter anderem Karin Seggelke, bekannt von Fotobüchern wie „Schwestern“ und „Freundinnen“. Von Seggelke ließ sie sich ablichten. Nackt. „Aber man sieht nichts, es ist ein moderater Akt. Ich wollte von dem, was noch ganz gut aussieht, zu meinem ernsten Gesicht kommen und zeigen, was ich hinter mir gelassen habe.“ Die Fotos nahm Ohlhaver als Vorlage – zuerst entstanden daraus Zeichnungen, schließlich großformatige Selbstporträts. Ihrem jüngsten Projekt hat Ohlhaver auch einen Namen gegeben: „Rough Landing“ – Harte Landung.

Viele Selbstporträts und Aktbilder zieren die Wände im Atelier von Titia Ohlhaver. Quelle: Britta Matzen

Erst vor kurzem hat Titia Ohlhaver ihr Atelier Im Weddern eingerichtet. „Mit den Brüdern Mohr, die hier Inhaber sind, und allen, die zur Firma dazu gehören, ist es ein sehr angenehmes Miteinander.“ Hier herrscht eine freundliche und entspannte Atmosphäre, sodass sich die Künstlerin in Reinfeld schon richtig zu Hause fühlt. Mit ihren Räumlichkeiten hat Titia Ohlhaver noch viel vor. Sie will Workshops anbieten oder auch mal andere Künstler ausstellen. Wer weiß, vielleicht wird in ihrer Galerie Im Weddern der neue Reinfelder Künstlertreff entstehen.

Britta Matzen

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vögel in Not: Das Insektensterben raubt Meisen, Fink und Co. eine wichtige Nahrungsquelle. In Bad Oldesloe bauen Schüler der Grundschule West Futterhäuser für die Vögel auf dem Friedhof.

13.03.2019

Eine etwa drei Meter hohe Säule in Bad Oldesloe gibt den Anwohnern seit zwei Wochen Rätsel auf. Der Filialleiter der Sparkasse hat das Geheimnis um den gigantischen Schlauch jetzt gelüftet.

13.03.2019

Einsatz für die Feuerwehr: Sturmtief „Franz“ hat eine Tanne in Stormarn umgestürzt und in Bäume an der Hamburger Straße gedrückt. Während der Arbeiten an der viel befahrenen Straße wurde der Verkehr umgeleitet.

13.03.2019