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Stormarn Kurzschluss: Haushalte ohne Strom
Lokales Stormarn Kurzschluss: Haushalte ohne Strom
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20:10 19.05.2017
Abendhimmel nach dem kurzen Unwetter in Stormarn: Diese imposante Aufnahme gelang LN-Leser Arno Krohn am Donnerstagabend in Altfresenburg an der Landstraße Richtung Bad Segeberg, nachdem der Regen und das Gewitter nachgelassen hatten. Quelle: Foto: Arno Krohn
Schürensöhlen/Reinfeld

Eine Notstromversorgung hat möglicherweise im Bereich des Digitalfunks der Feuerwehren versagt. Zumindest für kurze Zeit soll in einigen Bereichen in Reinfeld kein Netz vorhanden und somit keine Funkgespräche mit der Leitstelle möglich gewesen sein. Bei der Integrierten Regionalleitstelle Süd in Bad Oldesloe wusste man dazu am Morgen auf LN-Anfrage nichts.

In Reinfeld und Umgebung gab es einen Ausfall nach einem Defekt in einem Mast.

Die Leitstelle aber hatte gegen 20.40 Uhr der Freiwilligen Feuerwehr Schürensöhlen den ersten Einsatz in diesem Jahr beschert und sie zu einem Mast in der Dorfstraße der Gemeinde an der Grenze zu Stormarn geschickt und auch gleich noch die Feuerwehr Schiphorst mitalarmiert. Als die Schiphorster an der Einsatzstelle ankamen, war bereits alles erledigt. Die Flammen, die am Mast deutlich zu sehen waren, waren bereits von selbst ausgegangen. Die Schürensöhlener hatten eine Wasserversorgung aufgebaut und vorsichtshalber die Straße gesperrt.

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Im Ort leistete die Wehr noch Hilfe beim ältesten männlichen Einwohner, der auf Sauerstoff angewiesen ist, mit einem benzingetriebenen Generator. Die Schiphorster Wehr fuhr noch zu einem Schweinemastbetrieb am Ortsrand, um mit dem Überdruckbelüfter den Stall mit 1500 Mastschweinen zu belüften. Dort liefen während des Stromausfalls keine Lüfter.

Noch während des Einsatzes, zu dem auch ein Mitarbeiter des Stromversorgers gerufen wurde, hieß es zunächst von dem Techniker, dass sehr wahrscheinlich ein Blitz im Mast mit der Mittelspannungsleitung (11000 Volt) eingeschlagen war. Am Morgen danach sagte Unternehmenssprecher Volker Mielisch jedoch: „Durch den Überschlag eines Fremdkörpers hat es einen Kurzschluss gegeben. Wir haben schnell erkannt, in welchem Bereich der Fehler zu finden ist und haben mit Schaltungen aus unserer Leitstelle in Rendsburg in den meisten Haushalten innerhalb von 30 Minuten wieder Strom gehabt.“ Bei etwa einem Drittel der betroffenen Haushalte habe das etwas länger gedauert und die letzten Betroffenen seien gegen 22 Uhr – nach eineinhalb Stunden – wieder am Netz gewesen.

Am Nachmittag wollte ein Trupp den Mast wieder instand setzen. „Wir können den Mast nicht abschalten, weil da mehrere Stichleitungen mit Trafostationen dranhängen, die sonst während der Arbeiten komplett ohne Strom wären“, sagte Mielisch. Der Stromversorger hält einen Trupp vor, der auch unter Last, also ohne Abschaltung des Stroms, arbeiten kann. Das Team bestätigte am Nachmittag, dass ein undefinierbares Knäuel aus Kordel und Stoff im Mast gelandet war und so den Vorfall ausgelöst haben muss.

Während des Unwetters waren nur wenige Passanten im Reinfelder Stadtzentrum unterwegs. Die Geschäfte waren bereits geschlossen und einige Reinfelder wollten den Abend bei einem guten Essen und und gemütlicher Atmosphäre genießen. „Da ging der Strom weg und damit war auch Schluss bei uns“, sagte Casalinga-Chefin Andrea Stintat. Gestern hatten sich die Gastronomin, ihre Mitarbeiter und auch die Gäste von dem Schrecken erholt – und der Betrieb lief wieder ungestört.

„In der Küche konnten wir während des Stromausfalls nichts mehr zubereiten. Unser Herd heizt mit Erdgas. Doch der kann nur laufen, wenn gleichzeitig eine Lüftung geöffnet wird. Die wiederum braucht Strom für ihren Betrieb“, sagte die Chefin des Restaurants an der Paul-von-Schoenaich-Straße. Damit endete das A-la-Carte-Geschäft, zumindest für den Abend: „Leider konnten wir auch keinen Kaffee kochen.“

Probleme gab es auch mit den Rechnungen. „Unser Kassencomputer versagte seinen Dienst“, so Andrea Stintat. Deshalb mussten alle Speise wieder auf einem Zettel notiert und die Preise dann addiert werden – Kopfrechnen war gefragt. Kassieren war auch nur mit Bargeld möglich, denn Scheckkarten konnten von den Geräten nicht ausgewertet werden. Wer kein Bares dabei hatte, konnte sich auch nichts von der nahen Sparkasse besorgen, denn deren Automaten blieben abgeschaltet.

 Jens Burmester und Michael Thormählen