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Stormarn Lasbek: Anwohner kämpfen gegen neue Windmühlen
Lokales Stormarn Lasbek: Anwohner kämpfen gegen neue Windmühlen
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06:44 07.10.2019
Das Fundament für eine Windanlage steht bereits, im Hintergrund die Altanlagen. Quelle: hfr
Lasbek

Eigentlich herrscht aufgrund des politisch verhängten Moratoriums gerade Stillstand beim Ausbau der Windenergie in Schleswig-Holstein. Nicht so jedoch im Lasbeker Ortsteil Barkhorst im östlichen Stormarn. Dort sind Bauarbeiter derzeit schwer damit beschäftigt, die Fundamente für drei weitere Windkraftanlagen zu legen.

Sechs stehen dort bereits seit fast 20 Jahren. Und offenbar bläst der Wind dort so gut, dass das Land für dieses Gebiet eine Ausnahmegenehmigung für das Aufstellen weiterer Anlagen erteilt hat. Zugleich hat es aber auch den Protest einiger Anwohner hervorgerufen, unter anderem von Okka Janssen aus dem benachbarten Stubben im Kreis Herzogtum Lauenburg.

„Genehmigung ist rechtswidrig“

„Wir sind nicht gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien“, stellt sie klar, übt aber harsche Kritik an dem eingeschlagenen politischen Weg in Schleswig-Holstein. „Da werden Anlagen genehmigt und betrieben, die ihren produzierten Strom nicht loswerden können, weil die Leitungen fehlen.“ Und in der Rahmenplanung werden laut Janssen Kriterien einfach so verändert, dass das gesetzte Ziel – zwei Prozent der Landesfläche – erreicht werden kann.

Bezogen auf den Windpark in Barkhorst sagt Okka Janssen: „Hier werden Anlagen genehmigt, die den politisch beschlossenen Voraussetzungen gar nicht entsprechen.“ Das Schallgutachten sei fehlerhaft und die Genehmigung für eine der drei Windmühlen sogar eindeutig rechtswidrig. „Der Bau dieser eigentlich nicht genehmigungsfähigen Anlage führt dazu, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird“, sagt Okka Janssen und befürchtet, dass künftig wie in Barkhorst Windenergieanlagen auch anderenorts „im freien Feld“ errichtet werden.

Neue Messung gefordert

Okka Janssen hat einen Rechtsanwalt aus Kiel eingeschaltet und Widerspruch gegen die Ausnahmegenehmigung aller dreier Windanlagen eingereicht. Sie fordert unter anderem eine neue Untersuchung der Schallimmissionen, da hier bei verschiedenen Messungen unterschiedliche Werte ermittelt wurden.

Zum vermeintlichen Präzedenzfall meint Okka Janssen: „Eine der genehmigten Anlagen steht weit außerhalb der Vorranggebiete des jüngsten Regionalplanentwurfes vom August 2018. Die Begründung der Landesplanung, diese Anlage stände im Eignungsgebiet von 2012, ist wirkungslos. Alle Eignungsgebiete von 2012 wurden durch das Oberverwaltungsgericht 2015 für nicht existent und damit unwirksam erklärt.“

Abstand zu gering

Zu guter Letzt liege die zweite Windkraftanlage nur 800 Meter von Lasbek-Dorf entfernt. Der Abstand müsse aber 1000 Meter betragen. Okka Janssen spricht von drei eklatanten Fehlbewertungen durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sowie das schleswig-holsteinische Innenministerium.

Dort wolle man nun den Sachverhalt bezüglich der drei genannten Punkte prüfen und die Beteiligten dazu anhören. „Inhaltlich können wir dazu noch nichts sagen“, erklärt LLUR-Sprecher Martin Schmidt.

Umzingelung droht

Okka Janssen will dabei nicht verhehlen, dass sie auch ein persönliches Interesse verfolge, schließlich drohe ihrem Ortsteil Radeland die Umzingelung mit Windkraftanlagen von bald drei Seiten. „Das macht natürlich Angst“, sagt Okka Janssen. „Wer freut sich schon über Schattenwurf auf dem eigenen Grundstück, über den stark wachsenden Lärm oder über den schwer zu bewertenden Infraschall.“

Aber das steh für sie an zweiter Stelle. „Wenn die Genehmigungen okay wären und wenn der potenziell produzierte Strom sinnvoll Verwendung fände, wäre ich immer noch nicht begeistert über die mit dem Bau entstehende wachsende Belastung für unser Zuhause. Aber ich könnte dies dem Ziel der Reduzierung der Folgen einer Klimakrise unterordnen“, so Janssen.

Von Markus Carstens