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Stormarn Löst sich die Handballsparte des VfL Oldesloe auf? 
Lokales Stormarn Löst sich die Handballsparte des VfL Oldesloe auf? 
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16:13 25.03.2019
Wird es bald keine Minimix-Spielfeste in der VfL-Handballsparte mehr geben? Quelle: Sandra Freundt
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Bad Oldesloe

Ein Schreck in der Abendstunde war es für die 22 anwesenden Mitglieder, als es jetzt bei der Jahresversammlung der Handballsparte hieß: „Wenn es keinen neuen Leiter gibt, muss die Sparte eben abgewickelt werden.“ Vorausgegangen waren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Gesamtvorstand und dem zu diesem Zeitpunkt schon zurückgetretenen Kassenwart der Handballer.

Meinungsverschiedenheiten auf Führungsebene

Seit mehr als 15 Jahren hatte Holger Tunkel in der Handballabteilung des VfL Oldesloe das Amt des Kassenwartes inne – stets reibungslos. In den letzten Jahren, seit 2014, war es aber immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vorstand des Gesamtvereins und dem Kassenwart gekommen. „Ich habe bei meinen Buchungen immer die gleichen Kostenstellen verwandt. Nun hieß es plötzlich, das müsse über andere Kostenstellen laufen“, sagt sich Tunkel. In Gesprächen habe er versucht, dies zu klären und seinen Standpunkt zu verdeutlichen, letztlich aber die vorgegebenen Kostenstellen verwendet.

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Es kriselte jedoch weiter, denn Holger Tunkel fragte – wie eh und je – bestimmte Beträge zur Kostenübernahme beim Verein an. So ging es unter anderem um die Kosten für die Spielabsage einer Jugendmannschaft. Während Tunkel erklärte, diese gehörten zu den Kosten des Spielbetriebes und müssten durch den zugeteilten Haushalt des Gesamtvereins getragen werden, erklärte der Gesamtvorstand, dass das Abteilungssache sei.

Als Treffen zur Klärung des Sachverhalts keine Einigung erbrachten, legte man Tunkel schließlich nahe, sein Amt niederzulegen. Im folgenden Schriftverkehr wollte keine Seite nachgeben, sodass der Gesamtvorstand schließlich Konsequenzen zog und Holger Tunkel sowie der damaligen Vorsitzenden der Handballsparte, Anja Goerz, die Kontovollmacht entzog. „Ich habe den Eindruck, wir sind in Ausübung unserer Arbeit, stets das Beste für die Sparte herauszuholen, zu unbequem geworden“, so Tunkel, der sein Ehrenamt inzwischen niedergelegt und den Verein verlassen hat.

Die offizielle Stellungnahme des VfL-Vorstandes

In einer offiziellen Stellungnahme des VfL-Gesamtvorstands heißt es: „Wegen grundlegender Meinungsunterschiede hat der Vorstand des VfL Oldesloe dem Kassenwart der Abteilung Handball nahegelegt, sein Amt zur Verfügung zu stellen. In diesem Zusammenhang sind sowohl bei ihm als auch bei der Abteilungsleiterin Kompetenzbeschneidungen veranlasst worden. Zugleich wurde auf der Abteilungsversammlung Handball den anwesenden Mitgliedern vom Vorstand die Wahl einer neuen Leitung empfohlen. Es ist das primäre Anliegen des Vorstands, dass die Handballabteilung die Attraktivität des Sports weiterhin in den Vordergrund stellt.“ SF

Aufgrund der Erklärung zweier Vorstandsmitglieder auf der Abteilungsversammlung zu der Situation und dem Schlusssatz der drohenden Abwicklung der 178 Mitglieder starken Abteilung, reagierten die anwesenden Mitglieder, darunter die 1. Herren und viele Eltern der Spieler aus den acht Jugendteams, mit Entsetzen. Denn Anja Goerz hatte zuvor erklärt, dass sie zur Wiederwahl nicht bereit stehe. Und so fand sich bei der Wahl tatsächlich kein neuer Kandidat für die Führungsspitze.

Als bis dahin stellvertretendem Leiter hatte man auch Gerd Bolzmann nahegelegt, zurückzutreten. Um den Spielbetrieb am Laufen zu halten, hat er sich jedoch dazu entschlossen, bis zum Saisonende am 31. März den kommissarischen Abteilungsvorsitz zu übernehmen. „Danach werde ich entscheiden“, sagte Bolzmann. „Wenn es keine Leitung und damit keine Sparte mehr gibt, müssen wir den Verein ja verlassen, um weiterhin unseren Sport ausüben zu können“, erklärte eine Mutter.

Spielbetrieb läuft noch

Da ihre beiden Jungen nur Handball spielen, kämen bei einem Wechsel keine Zusatzkosten auf die Familie zu. „Wenn aber die Kinder bisher mehrere Sportarten im VfL betrieben haben, wird der Sport zur Doppelbelastung“, sagte sie. Auch könne sie nicht verstehen, dass ein so angesehener und seit über 150 Jahren bestehender Verein eine ganze Sparte ziehen lasse.

Noch läuft der Spielbetrieb, Trainer und Mannschaften sind noch aktiv. Die 178 Mitglieder schauen sich allerdings derweil schon nach anderen Vereinen um. Einige wollen nach Schwartau wechseln, andere zu Tills Löwen, der Großteil wird womöglich zum SC Union gehen. Und damit gingen dem VfL nach 2010, als die komplette 1. Herrenmannschaft nach Unstimmigkeiten geschlossen zu Union gewechselt war, erneut Mitglieder verloren.

Sandra Freundt

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