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Stormarn Kein Zug mehr weit und breit
Lokales Stormarn Kein Zug mehr weit und breit
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10:27 08.09.2018
Ismet Suntic übernahm das Lokal im alten Trittauer Bahnhof im Jahr 2013. Er richtete hier unter anderem diese schicke bunte Bar ein.
Ismet Suntic übernahm das Lokal im alten Trittauer Bahnhof im Jahr 2013. Er richtete hier unter anderem diese schicke bunte Bar ein. Quelle: Norbert Dreessen
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Trittau

Per Bahn von Trittau nach Hamburg, nach Bad Oldesloe oder nach Schwarzenbek zu fahren – eine solche Möglichkeit wünschen sich heute viele Einwohner. Das funktioniert jedoch schon lange nicht mehr, die Gleise auf diesen ehemaligen Strecken sind längst abgebaut. Eines der beiden früheren Bahnhofsgebäude in Trittau gibt es aber immer noch, es weist die schöne Adresse „Am Bahnhof 1“ auf. Alles begann mit dem Bau der Strecke von Schwarzenbek nach Bad Oldesloe, die am 1. August 1887 von den Preußischen Staatsbahnen eröffnet wurde. Trittau war einer von 13 Haltepunkten dieser zunächst viel benutzten Verbindung. Der zu dieser Strecke gehörende Bahnhof wurde 1886 errichtet und steht noch.

Statt auf Reisen kann man jetzt in ein Lokal gehen

Ab Anfang des vergangenen Jahrhunderts war Trittau auch noch von Hamburg-Billbrook aus mit der Südstormarnschen Kreisbahn zu erreichen. Diese Strecke wurde am 17. Dezember 1907 eröffnet, die Bahn befand sich im Eigentum des Kreises. Die Züge fuhren über Glinde, Willighusen, Siek, Hoisdorf, Lütjensee und Grönwohld. Hierfür gab es in Trittau einen eigenen kleinen Bahnhof, der sich gegenüber dem noch existierenden Backsteinbau befand.

Züge fahren schon seit Jahrzehnten nicht mehr nach Trittau. Auf der Bahnlinie nach Hamburg wurde der Personenverkehr bereits 1952 komplett eingestellt, Güterzüge verkehrten noch gelegentlich zwischen Glinde und Hamburg. Zwischen Glinde und Trittau wurden die Gleisanlagen in den 50er Jahren aber abgebaut; auf der Trasse befindet sich heute ein Radwanderweg. Der Personenverkehr nach Bad Oldesloe und Schwarzenbek wurde dagegen noch bis 1976 mit kleinen Schienenbussen aufrecht erhalten, dann war auch hier Schluss. Acht Jahre später galt dies ebenso für den Güterverkehr. Statt Gleisen findet man auf der früheren Strecke nun auch einen Radweg.

Die Bahn verkaufte den Bahnhof, den sie nicht mehr benötigte, und seit der Stilllegung wird das Haus vor allem zu gastronomischen Zwecken genutzt – von verschiedenen Inhabern, mit verschiedenen Konzepten und auch mit unterschiedlichem Erfolg.

Seit 2013 ist Ismet Suntic hier der Wirt. Zunächst war er Pächter der Gaststätte, seit 2016 ist der Besitzer. Er nahm einige Umbauten und Modernisierungen vor und änderte auch den Namen des Lokals. Statt „Alter Bahnhof“ heißt es heute „Bahnhof 1“. Das sei ja auch die Adresse, erzählt Suntic, fügt aber gleich hinzu, dass vor allem seine jüngeren Gäste stets „B 1“ sagen.

Derzeit werden im „B 1“ nur Getränke serviert. Den Versuch, hier ein Restaurant mit internationaler Speisekarte zu schaffen, gab der Wirt nach einigen Monaten auf – die Nachfrage war zu gering. Im kommenden Jahr will er im Bahnhof aber „einen deutschen Imbiss“ einrichten. Am Konzept tüftelt er noch.

Die verschiedenen Räume des Lokals sind mal stylisch, mal gemütlich, mal zweckmäßig eingerichtet – je nachdem, wie sie genutzt werden. Hier trifft sich beispielsweise regelmäßig ein Poker-Club, hier trainiert eine Dart-Mannschaft, hier schauen sich Fußballfans Live-Übertragungen im TV an.

Neben der Gaststätte gibt es im ehemaligen Bahnhof noch eine Spielhalle, im Obergeschoss finden sich fünf Wohnungen. Welchem Zweck das Bauwerk einst diente, ist kaum mehr zu erkennen. Nur über dem Eingang entdeckt man noch eine Uhr, die nicht mehr geht – und auf der dem Wald zugewandten Seite des Hauses ist noch schwarz auf weiß der Stationsname „Trittau“ zu lesen.

„Es ist schade, dass von der Bahnhofseinrichtung gar nichts erhalten geblieben ist“, bedauert auch Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch. Er war bis 2014 Gemeindearchivar und hat von daher an der Geschichte seines Heimatortes ein ganz besonderes Interesse.

Immerhin ist das große Haus, nun schon 132 Jahre alt, in recht stabilem Zustand. „Es muss immer mal was gemacht werden, aber die Substanz ist ordentlich“, erklärt Suntic.

36 Kilometer Bahnstrecke

Die Bahnstrecke von Schwarzenbek nach Bad Oldesloe, an der der noch vorhandene Trittauer Bahnhof lag, war 36 Kilometer lang. Schwarzenbek lag mit 14 Kilometer Schienenstrang näher als Bad Oldesloe, das 22 Kilometer entfernt war. Hamburg-Billbrook war von Trittau aus mit der Südstormarnschen Kreisbahn zu erreichen. Diese Strecke war knapp 34 Kilometer lang. Die Endhaltestelle in Hamburg hieß Tiefstack. Hier befindet sich heute noch eine S-Bahn-Station. In Richtung Osten fahren die Züge von dort aber nicht mehr nach Trittau, sondern nach Aumühle.

Norbert Dreessen

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