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Stormarn Vermieter mit E 605 vergiftet: Angeklagter gesteht
Lokales Stormarn Vermieter mit E 605 vergiftet: Angeklagter gesteht
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16:54 13.09.2019
Drei Angeklagte, drei Verteidiger: Der mutmaßliche Haupttäter (hinten) gab gleich zu Beginn zu, das Pflanzengift in den Portwein gefüllt zu haben. Quelle: Carstens
Lübeck/Lütjensee

Er hatte häufig Ärger mit seinem Vermieter und wollte ihm offenbar einen Denkzettel verpassen – am Ende war der 56-Jährige Mann aus Lütjensee jedoch tot, gestorben am Pflanzengift E 605. Dieses hatte ihm sein 23-jähriger Mieter im Februar dieses Jahres in eine Flasche Portwein gemischt. Für Frank M. kam jede Hilfe zu spät.

Am Freitag begann nun der Prozess gegen den jungen Mann vor dem Lübecker Landgericht. Verantworten muss er sich wegen heimtückischen Mordes. „Ja, ich gestehe die Tat“, sagte Philipp D. (Namen der Angeklagten alle geändert) gleich zu Anfang. Mitangeklagt sind eine 19-jährige Frau sowie ein ebenfalls 19 Jahre alter Mann, weil sie von der Tat wussten, das Opfer aber nicht warnten oder die Polizei verständigten.

Auffällig blass, den Kopf gesenkt

Während der Hauptangeklagte seit dem 19. Februar in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt sitzt, sind die beiden Heranwachsenden auf freiem Fuß. Sie wohnten damals alle zusammen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Lütjensee. Lisa H. und ihr Freund Jannis S. leben mittlerweile in Reinfeld.

Zum Tatzeitpunkt teilten sich die beiden ein Zimmer im ersten Stock des Wohnhauses, das andere bewohnte Philipp D. Vor Gericht erschien er in der grünen Anstaltskleidung, der rötliche Vollbart länger als die Haare auf dem Kopf, auffällig blass im Gesicht. Während der Verhandlung senkte er immer wieder seinen Kopf nach unten und zog die Schultern hoch.

„Beleidigt und verspottet“

Der alkoholabhängige Frank M. habe ihn immer wieder beleidigt und verspottet, sagte der 23-Jährige vor Gericht. Vor allem wenn sein Vermieter betrunken war, sei es zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen. Am Abend des 18. Februar sei er mit seinen beiden Mitbewohnern nach unten gegangen, um in der Wohnung des 56-Jährigen den Mietvertrag zu suchen. Sein eigenes Exemplar lag zu der Zeit beim Jobcenter. Möglicherweise sind Mietschulden das Motiv für die Tat.

In der Wohnung im Erdgeschoss fanden die drei eine kleine Flasche mit der Aufschrift E 605 und dem Hinweis „Gift“. Das Pflanzenschutzmittel ist mittlerweile seit fast 20 Jahren verboten, Restbestände lagern aber immer noch in diversen Haushalten. Nach eigener Aussage träufelte Philipp D. nur einen einzigen Tropfen in eine Flasche Portwein, die am Wohnzimmertisch stand. Er habe auch nicht gewusst, was sich hinter E 605 verbirgt. „Es roch nach Brennspiritus.“ Das Landeskriminalamt kam in einem Gutachten zu dem Schluss, dass die Menge deutlich höher lag als nur ein Tropfen. Das hochgefährliche Pestizid kann schon in geringen Dosen beim Menschen zu Atem- oder Herzstillstand führen.

Mann starb im Rettungswagen

Da Frank M. immer nachts gearbeitet hat in einer Hoisdorfer Firma, kam er erst am Morgen nach Hause. Er nahm gegen 7.10 Uhr einen Schluck aus der Portweinflasche und merkte offenbar schnell, dass etwas nicht stimmte. Er rief umgehend den Notarzt, der ihn sofort behandelte. Um 8.21 Uhr starb der 56-jährige Vater zweier erwachsener Kinder jedoch im Rettungswagen.

„Ich wollte nicht, dass er stirbt“, sagte Philipp D. „Wir dachten, ihm wird übel und er bekommt maximal Bauchschmerzen oder Durchfall.“ Noch am Abend habe es wohl Überlegungen gegeben, den vergifteten Portwein wegzuschütten. Laut Polizeiprotokoll haben die drei auch befürchtet, dass der Mann sterben könne. Vor Gericht wollte das jedoch keiner betätigen. Der Hauptangeklagte gab zwar zu, im Falle des Ablebens von M. eine Hausparty feiern zu wollen, doch das sei nicht ernst gemeint gewesen.

Alle drei verstrickten sich immer wieder in Widersprüche oder konnten sich nicht erinnern, „weil es schon so lange her ist“. Auch ein Fingerabdruck von Jannis S. auf der Giftflasche spielt dabei eine Rolle. Die beiden 19-Jährigen sind wegen des Nichtanzeigen einer Straftat angeklagt.

Gift auch in den Haaren

Einen überraschenden Dreh nahm der Prozess, als die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz ein soeben erhaltenes Gutachten verlas. Darin geht es um die Analyse einer Haarprobe des Opfers, die ebenfalls den E-605-Stoff Parathion enthielt. Das heißt, Frank M. war möglicherweise schon vor der Tat weiteren Giftdosen ausgesetzt. Die Angeklagten hatten alle von Magenproblemen des 56-Jährigen berichtet.

Die Jugendkammer des Landgerichts hat bislang fünf Verhandlungstage anberaumt, neun Zeugen und drei Sachverständige geladen. Der Prozess wird am Donnerstag, 9 Uhr, im Landgericht an der Schwartauer Landstraße fortgesetzt.

Von Markus Carstens

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