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Stormarn Gift-Tod in Lütjensee: Die letzten Worte des Frank M.
Lokales Stormarn Gift-Tod in Lütjensee: Die letzten Worte des Frank M.
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11:17 20.09.2019
Auch am zweiten Verhandlungstag senkte der Hauptangeklagte immer wieder seinen Kopf. Quelle: Carstens
Lübeck/Lütjensee

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Gift-Tod von Lütjensee ging es vor dem Lübecker Landgericht unter anderem um das Verhältnis von Opfer und mutmaßlichem Täter. Diesem wird vorgeworfen, den 56-jährigen Lütjenseer mit dem Pflanzengift E 605 getötet zu haben. Zu Prozessbeginn hatte der junge Mann gestanden, das Gift in eine Portwein-Flasche gemischt zu haben, er bestritt jedoch eine Mordabsicht. Mitangeklagt sind auch zwei 19-Jährige, die laut Staatsanwaltschaft die Tat hätten verhindern können.

Der Hauptangeklagte Philipp D. (Namen der Angeklagten alle geändert) fühlte sich von seinem Vermieter Frank M. drangsaliert, es kam häufig zu lautstarken Auseinandersetzungen. Auf der anderen Seite soll der 23-Jährige das spätere Opfer öfter bestohlen haben. Schokolade, Zigaretten, ja sogar von 1000 Euro Bargeld berichtete am Donnerstag der beste Kumpel von Frank M.

Angeklagter „freundlich und fleißig“

Der Angeklagte also ein hinterhältiger und jähzorniger Mann mit einem perfiden Plan? Sein Arbeitgeber, bei dem er rund drei Monate vorher über eine Zeitarbeitsfirma eine Beschäftigung gefunden hatte, zeichnete ein ganz anderes Bild. Philipp D. sei freundlich, zuverlässig und fleißig gewesen, erzählte der Parkettlegermeister vor Gericht. Er wollte ihm sogar einen Ausbildungsvertrag anbieten.

Dazu kam es nicht mehr, weil Philipp D. am Morgen des 19. Februar dieses Jahres festgenommen wurde und seit dem 20. Februar in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Lübeck sitzt. Er war gegen 10.30 auf das Grundstück gekommen und gleich von einer Polizeibeamtin abgefangen worden.

„Mein Untermieter hat mir was in die Flasche getan“

Frank M. war da bereits tot. Vor Gericht wurden am Donnerstag – vor rund 15 Freunden und Bekannten des Lütjenseers auf den Zuschauerplätzen – Mitschnitte des Notrufs und von Gesprächen mit dem Rettungsdienst vorgespielt.

Um 7.09 Uhr wählte der alkoholkranke Mann den Notruf, nachdem er von der Nachtschicht gekommen war und einen Schluck aus besagter Portwein-Flasche genommen hatte.

„Ich brauche einen Notarzt. Mir wurde etwas in die Flasche gefüllt, es riecht nach Benzin“, sagte der 56-Jährige mit klarer, aber sehr aufgeregter und angsterfüllter Stimme. Im Gerichtssaal senkte der Hauptangeklagte seinen Kopf und hörte weitere Worte. „Ich bekomme noch gut Luft, aber der Magen rebelliert. Es war nur ein kleiner Schluck, in der Flasche war nicht mehr viel drin.“

Um 8.20 Uhr war Frank M. tot

Die geringe Dosis reichte jedoch schon aus, dass Frank M. gegen 8.20 Uhr im Rettungswagen starb. Einer seiner letzten Sätze war: „Mein Untermieter hat mir was in die Flasche getan.“ Es sei nur ein Tropfen gewesen, beteuert der Hauptangeklagte immer wieder.

Das Gift E 605

E 605 war früher weit verbreitet als Pflanzengift – bis es 2001 verboten wurde. Alte Bestände lagern jedoch immer noch in vielen Haushalten, und es wird weiter illegal eingesetzt.

Das hochgiftige Pestizid – auch als Parathion bekannt – löst Krämpfe aus und kann zum Atem- oder Herzstillstand führen.

Ein Zeuge berichtete von einem großen Streit einige Tage vorher, infolgedessen Philipp D. die Hausschlüssel abgenommen wurden, er jedoch über eine Leiter in seine Wohnung kletterte. Zusammen mit den beiden 19-Jährigen, die auch dort wohnten, war er am späten Abend des 18. Februar in die Wohnung von Frank M. im Erdgeschoss gegangen, um nach eigenen Angaben den Mietvertrag zu suchen. Ein eigenes Exemplar besaß der 23-Jährige zu der Zeit nicht. Tatmotiv könnten Mietschulden sein. Das klang auch am Donnerstag in der Verhandlung erneut an.

Statt des Vertrages entdeckte Philipp D. in einem Schrank die braune Flasche mit E 605, gekennzeichnet als Gift und mit einem Totenkopf versehen. Er füllte es in den Portwein, und alle drei gingen zu Bett.

Von Markus Carstens

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