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Stormarn Stormarn und Hamburg von oben gesehen
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07:09 27.08.2018
Exer und Innenstadt von Bad Oldesloe. Quelle: Giese
Bargteheide

Als Manfred Giese 1958 als 15-Jähriger in Bad Oldesloe ein Foto vom Baubeginn der Klaus-Groth-Schule machte, ahnte er nicht, dass das 60 Jahre später zur Feier der Schule eine Aufnahme mit historischem Wert sein würde. „Ich hatte damals eine Agfa Clack, eine ganz einfache Einsteigerkamera“, erinnert er sich. Nach dem Abitur kaufte er sich seine erste gute Kamera und legte sie seitdem nicht mehr aus der Hand. So ist er zum Chronisten der Entwicklung im Kreis geworden und verfügt mittlerweile über ein umfangreiches Foto-Archiv, an dem das Kreisarchiv Stormarn bereits Interesse angemeldet hat.

Klicken Sie hier, um zahlreiche, herrliche Luftaufnahmen aus dem Tragschrauber über Stormarn und Hamburg zu sehen!

„Ich habe mit Schwarz-Weiß-Fotos angefangen, als ich damals ehrenamtlich die Pressearbeit für die Landjugend in Bargteheide übernommen habe“, erklärt Giese. Er berichtete über besondere Ereignisse, übernahm in den 70er Jahren auch die Pressearbeit des Kreisfeuerwehrverbandes und die des TSV in Bargteheide und erstellte Festschriften, zuletzt ein umfangreiches Fotobuch zum 150. Geburtstag des TSV. „Die Zeitungen haben die Sachen gedruckt, und irgendwann habe ich mir ein eigenes Fotolabor eingerichtet, um meine Filme selber zu entwickeln. Ich habe die Themen abgedeckt, wo die Zeitungen nicht waren“, sagt er. Rund 90000 Negative hat er im Archiv, dazu kommt ein Vielfaches an digitalen Aufnahmen. Gieses Bilder werden heute angefragt, wenn die Entwicklung von Bauprojekten, Schulen oder Wohngebieten dokumentiert werden soll.

Giese, der als Lehrer in Hamburg gearbeitet hat, hatte dafür Geografie studiert und im Rahmen des Studiums auch die Luftbildauswertung kennengelernt. Die Aufnahmen faszinierten ihn, und weil in Bargteheide von 1970 bis 1990 ein Luftsportverein existierte, ging er bald selber in der Luft. „Ein Kollege ist dort geflogen und hat mich mitgenommen.“

1974 machte Manfred Giese seine erste Luftaufnahme. „Danach bin ich immer wieder mitgeflogen, um Aufnahmen zu machen“, sagt er. „Fotografieren ging immer nur zu einer Seite, weil ich als Co-Pilot rechts saß“, so Giese weiter. „Wir haben damals regelmäßig Flugrallyes gemacht. Jede Aufnahme musste hinterher vom Verkehrsministerium freigegeben werden.“ Damit war 1991 Schluss, was die Luftbild-Aufnahmen für Giese sehr vereinfachte. 1990 war allerdings auch Schluss mit dem Bargteheider Flugzeug, und so suchte er einen neuen Piloten. 2011 fand Giese ihn mit Bernd Koop aus Berkenthin, der auch eine Flugschule betreibt. „Koop hat einen Tragschrauber, einen Gyrocopter, und mit dem kann ich mitfliegen.“

Das Flugerlebnis an sich war für Giese völlig neu. „Man sitzt dabei im Freien, kann zu beiden Seiten fotografieren, und bei 130 Stundenkilometern spürt man da oben den Wind. Ich fliege von Lübeck bis Hamburg, fotografiere die Landschaft, markante Punkte und halte schließlich die Entwicklung im Bild fest. Vorher überlege ich mir genau, was ich festhalten will.“ An Bord des Tragschraubers vergeht für den Fotografen die Zeit dann buchstäblich wie im Flug. Dabei gelingen Giese ungewöhnliche Aufnahmen mit Perspektiven, die man normalerweise eher weniger zu sehen bekommt. Gieses Fotos nehmen den Betrachter mit in die Höhe und zeigen ihm den Kreis von oben. „Meine großen Hobbys sind die drei F“, sagt der Bargteheider: „Fotos, Fliegen und die Feuerwehr.“

Von Bettina Albrod