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Stormarn Mehr Sicherheit durch „Gafferzäune“
Lokales Stormarn Mehr Sicherheit durch „Gafferzäune“
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07:42 25.07.2018
Zäune gegen Gaffer. Quelle: jeb
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Bad Oldesloe/Rethwisch

„Niemand darf aus purer Neugier Menschenleben gefährden“, machte Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs deutlich. Man wolle den Gaffern die Sicht nehmen. Und nicht nur das. Wo solche Sichtschutzzäune stehen, soll der Verkehr relativ normal rollen können. Damit wolle man auch das Unfallrisiko durch langsam fahrende Gaffer deutlich verringern, so Rohlfs.

Seit einigen Jahren ist dieser unschöne Trend, Fotos oder Videoaufnahmen von Unfällen im Vorbeifahren mit dem Smartphone zu machen, immer größer geworden. Dabei verlangsamen die Autofahrer extra noch ihr Tempo bis hin zum völligen Stillstand und bringen dabei nicht nur sich selbst, sondern auch andere Autofahrer in Gefahr. Das Risiko, dass dadurch weitere Unfälle in der Folge passieren und dass sogar Rettungskräfte behindert werden, ist enorm groß.

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„Diese Sichtschutzzäune sind eine wichtige Maßnahme, um den Verkehr in Gang zu halten“, erklärte auch der stellvertretende Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH), Frank Quirmbach, bei der Vorstellung der neuen Zäune. Beim LBV bezeichne man diese Zäune als „Gafferzäune“. Alle Appelle an die Vernunft der Autofahrer hätten nicht die Wirkung gezeigt, die man sich erhofft habe.

Bei der Feuerwehr sieht man die Anschaffung positiv, bleibt aber etwas zurückhaltender in der Bewertung: „Grundsätzlich begrüße ich alle Maßnahmen, die unnötige Behinderungen durch Gaffer vermeiden helfen“, sagt Stormarns oberster Brandschützer Gerd Riemann. „Das die Maßnahme durch Mitarbeiter des Landesbetriebs durchgeführt wird, ist gut. Den Feuerwehren fehlen dazu die personellen Ressourcen“, erklärte der Stormarner Kreiswehrführer.

Dennoch müsse sich die zeitliche Verfügbarkeit solcher Sichtschutzzäune bei größeren und zeitaufwändigen Ereignissen erst zeigen.

Zuerst die Straße sichern

Polizeibeamte des Autobahnreviers Bad Oldesloe sehen bei dem Einsatz auch mögliche Schwierigkeiten. „Wir sind stets bemüht, die Autobahn nach einem Unfall so schnell wie möglich wieder frei zu bekommen“, sagt ein Beamter.

Die Anforderung des Sichtschutzes müsse in jedem Fall über die Zentrale des Landesbetriebs Straßenbau in Neumünster erfolgen. Dann würden zwei Mitarbeiter alarmiert, die zur Meisterei in Rethwisch fahren, den Anhänger holten und die Wände dann an der Einsatzstelle errichten müssten. Doch ehe das geschehen könne, seien die beiden Mitarbeiter des LBV gefordert, die Unfallstelle mit Baken abzusichern. Und wenn man die Baken allein stehen lassen würde, würden Autofahrer sie genauso schnell beiseite schieben und daran vorbei fahren, wie sie zuvor aufgebaut wurden, mutmaßt ein Polizist.

Staatssekretär Rohlfs geht davon aus, dass ein Zaun in der hintersten Ecke des Zuständigkeitsbereiches des Landesbetriebs nach spätestens 90 Minuten aufgebaut wird. Bei der Autobahnpolizei in Bad Oldesloe weiß man aber aus bisheriger Erfahrung, dass es meist schon so lange dauere, bis die Mitarbeiter vom Hof führen. Diese Zeiten seien schwer zu halten.

Beim Landesbetrieb als auch im Kieler Ministerium geht man davon aus, dass das Projekt nur dann Sinn mache, wenn ein Einsatz länger dauere. „Nur dann kann man solche Maßnahmen ergreifen“, so Rohlfs.

Als Vorbild für dieses vom Bund angestoßene Projekt, das schon in Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen läuft, gelten Sichtschutzzäune in den Niederlanden. Die Holländer hatten als erstes Land in der EUuropäischen Union solche Sichtschutzzäune eingeführt.

Von Jens Burmester

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