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Stormarn Mehr Sicherheit durch Schutzstreifen
Lokales Stormarn Mehr Sicherheit durch Schutzstreifen
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20:13 23.01.2015
Drei „Teststrecken Schutzstreifen außerorts“ liegen im Kreis Stormarn — hier die Kreisstraße 79 zwischen Eichede und Barkhorst. Durch die Schutzstreifen soll der überörtliche Radverkehr verbessert werden, so das Bundesministerium für Verkehr. *
Drei „Teststrecken Schutzstreifen außerorts“ liegen im Kreis Stormarn — hier die Kreisstraße 79 zwischen Eichede und Barkhorst. Durch die Schutzstreifen soll der überörtliche Radverkehr verbessert werden, so das Bundesministerium für Verkehr. * Quelle: von Dahlen
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Radfahrer fühlen sich sicherer, Autofahrer sind immer noch irritiert und fahren viel zu schnell: Das ist die Zwischenbilanz, die Ingenieur Stefan Luft vom Büro Urbanus jetzt zum Modellversuch „Schutzstreifen außerorts“ im Kreis-Verkehrsausschuss präsentierte. Gleich mit drei Teststrecken ist Stormarn bei dem bundesweiten Forschungsprojekt vertreten — auf der K 79 zwischen Eichede und Barkhorst, der K 97 zwischen Siek und Hoisdorf und der K 97 zwischen Lütjensee und Oetjendorf. Alles Straßen, bei denen das Verkehrsaufkommen bei weniger als 4000 Fahrzeugen am Tag liegt.

Das schreibt die Straßenverkehrsordnung vor

"Fahrzeugführer dürfen die Markierung nur bei Bedarf überfahren, wenn dabei Radfahrer nicht gefährdet werden. Das Parken auf dem Schutzstreifen ist verboten, das Halten ist dagegen erlaubt." (Quelle: Wikipedia.org)

„90 Prozent der Radler bewerten die Schutzstreifen positiv, sie fühlen sich sicherer auf der Straße“, erklärte Luft. Und das, obwohl die Tempobegrenzung für Autofahrer von 70 Stundenkilometern in allen drei Bereichen nicht eingehalten wird. „Tempo 70 wird nicht beachtet, 80 Prozent der Autofahrer ignorieren das“, berichtet Luft. Eine Feststellung, die von mehren Seiten bestätigt wird.

Ausschussmitglied Winfried Gerke (CDU) beispielsweise geht davon aus, dass es sogar 91 Prozent der Nutzer sind, die zu schnell fahren. Er hat das Verhalten der Autofahrer auf den drei Teststrecken, die 2013 eingerichtet wurden, beobachtet und „hält es tendenziell für gefährlich. Der Bürger ist immer noch verunsichert und hat anscheinend nicht gelernt, wie er damit umgehen soll“.

Gerke forderte mehr Aufklärung. Seine Parteikollegin Kirstin Krochmann hatte bereits im April vergangenen Jahres den Autofahrern, die die Strecke zwischen Eichede und Barkhorst nutzten, attestiert, dass sie die Fahrradstreifen nicht verstehen würden.

Gleichwohl, die von Stefan Luft und seinen Kollegen bei Urbanus befragten Autofahrer „beurteilten die Schutzstreifen überraschend positiv“. Zwei Drittel von ihnen — insgesamt wurden 200 Personen befragt — stimmten für die dauerhafte Einrichtung von Radfahrerschutzstreifen, wenn die Testphase vorbei ist. Nur ein Drittel der Autofahrer glaubt, dass Radler sicherer sind, wenn es keine Markierung auf den Straßen gebe.

Wahrnehmung und tatsächliches Verhalten der Autofahrer driften aber weit auseinander, wie die Erhebung zeigt. „Etwa 60 Prozent der Autofahrer geben an, ihr Verhalten geändert zu haben und aufmerksamer, langsamer und mittiger gefahren zu sein“, erklärt Luft. „Aber das stimmt mit den Erhebungen nur bedingt überein.“ Denn zu den häufig genannten Problemen gehört, dass der Auto-Gegenverkehr lange in der Mitte fahre und erst spät ausweiche. Und es gebe immer wieder Verunsicherung über das richtige Verhalten.

Aber die schreckt nicht ab: „Ist die Zahl der Radfahrer gestiegen“, wollte Jürgen Weingärtner (SPD) wissen. Luft konnte bestätigen, dass „sich die Häufigkeit der Nutzung erhöht hat. Allerdings nicht nur in Stormarn, das gilt bundesweit“. Grundsätzlich kämen die Radler mit der neuen Situation auf allen 18 bundesweiten Strecken besser klar. Das belegten auch Videodokumentationen. Und: „Es hat keine Unfälle gegeben, die auf ein Problem mit den Schutzstreifen zurückzuführen sind“, sagte Ingenieur Luft.

Ob die Streifen eine Alternative in den Bereichen sind, in denen ein Radweg nicht möglich oder finanziell nicht tragbar ist, wird sich zeigen, wenn das Teststreckenprojekt Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein wird. „In vielen Ländern ist der Schutzstreifen außerorts eine etablierte Lösung“, erklärte Luft. Allen voran in den Niederlanden aber auch in der Schweiz und in Frankreich. Er geht davon aus, dass die Markierungen auf den drei Kreisstraßen so lange bleiben, bis eine Entscheidung gefallen ist. Fällt sie positiv aus, wird es aber mehr Aufklärung geben müssen.

Politik gibt Startschuss für den Ausbau der Kreisstraße 32
Es geht los: Der Kampfmittelräumdienst ist im Bereich der Kreisstraße 32 zwischen Trittau und Grönwohld auf der Suche nach Blindgängern. Das ist der Startschuss für den Ausbau der Kreisstraße, der jetzt auch von den Mitgliedern des Kreisverkehrsausschusses bestätigt wurde. Einstimmig votierten sie für das Vorhaben, das zu einem erheblichen Teil vom Kreis Stormarn selbst finanziert werden muss.
3,9 Millionen Euro kostet der Ausbau, die sich bis ins Jahr 2016 hinziehen wird. Das Land beteiligt sich zwar an den Kosten der beiden Brücken und dem Bau des Radweges, aber der Fahrbahnausbau, der normalerweise unter die Förderung aus dem Topf des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz fallen würde, wird nicht unterstützt. Diese Mittel laufen 2019 aus. Das Land hat deshalb eine neue Prioritätenliste erarbeitet, auf der der Ausbau der K 32 nicht mehr steht.
„Das ist bemerkenswert, Wirtschaftsminister Meyer streicht knapp 900000 Euro“, ist Klaus-Dieter Bruns (CDU) sauer. Und unterstreicht, dass diese Entscheidung, die Straße zu sanieren, ohne dafür Mittel vom Land zu bekommen, „eine absolute Ausnahme bleiben muss“. kks


Am Montag beginnen die Arbeiten an der K 32. Eine Umleitung erfolgt über Großenseer Straße (L 93), Bürgermeister-Hergenhan-Straße und Lütjenseer Straße (K 30) in Richtung Lütjensee und dann weiter nach Grönwohld.

K. Kuhlmann-Schultz