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Stormarn Millionen für Projekte: So profitieren Segeberg und Stormarn von Europa
Lokales Stormarn Millionen für Projekte: So profitieren Segeberg und Stormarn von Europa
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16:31 25.04.2019
Frauen aus Segebergs Politik machen Werbung für die Europawahl: Susanne Will-Flatau, Silke Krause, Annelie Eick, Kirsten Tödt, Traute Prang, Ina Roth, Monika Saggau, Dorina Klaus und Mona Wagemann (v.l.) Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Die Schule am Seminarweg in Bad Segeberg erhielt Unterstützung, genauso wie das Gymnasium in Trittau. Auch das Mitnahmenetzwerk im Kreis Segeberg profitierte, der Nachbarschaftstreff Schanze in Bad Oldesloe, das Haus der Begegnung in der Gemeinde Pronstorf sowie der Wohnmobilstellplatz in Wahlstedt. Sie alle setzten Projekte um, die zu großen Teilen mit EU-Mitteln finanziert wurden.

Dutzende Millionen fließen nach Segeberg und Stormarn. Zum Beispiel über die Aktivregion Holsteins Herz, die große Flächen beider Kreise abdeckt. Knapp 50 Vorhaben zählt der Verein bisher im Zeitraum von 2014 bis 2020. Investiert wurde für 10,4 Millionen Euro – knapp vier Millionen davon wurden von der EU bezahlt (siehe Infobox).

Jüngste Projekte mit EU-Mitteln

Im Kreis Segeberg: Machbarkeitsstudie für inklusive Wohnanlage in der Südstadt (12000 Euro Fördermittel), Feuerwehrhaus Klein Gladebrügge (9000 Euro), Mitnahmenetzwerk Kreis Segeberg (100000 Euro), Haus der Begegnung in Pronstorf (100000 Euro), Schule am Seminarweg (100000 Euro), Kulturzentrum Weede (100000 Euro), Sportlerheim Tensfeld (25000 Euro), Wohnmobilstellplatz Wahlstedt (23000 Euro), Hofcafé Krems II (93000 Euro), Spielplatz Kirchengemeinde Wahlstedt (87000 Euro), Kultureller Treffpunkt Groß Niendorf (100000 Euro), Gemeinschaftshaus Tralau in Travenbrück (450000 Euro), Dorfentwicklungskonzept Travenbrück (10500 Euro), Dorfentwicklungskonzept Wittenborn (10600 Euro), Bildungszentrum Fahrenkrug (436000 Euro), Famlienzentrum Trappenkamp (145000 Euro), Brücke über die Schwale in Gönnebek (78000 Euro), Erneuerung der Mielsdorfer Straße zwischen Neuengörs und Mielsdorf (270000 Euro).

Im Kreis Stormarn: Abenteuerspielplatz Erle in Bad Oldesloe (100000 Euro Fördermittel), Nachbarschaftstreff Schanze in Bad Oldesloe (84000 Euro), Spielplatz „Bei den drei Eichen“ in Lütjensee (23000 Euro), Gymnasium Trittau (88000 Euro), Bürgerpark Bad Oldesloe (100000 Euro), Festplatz Ziegenweise in Lütjensee (100000 Euro), Hospiz Bad Oldesloe (100000 Euro), Ehrenfriedhof Klein Wesenberg (41000), Jugendcamp Lütjensee für 130 Kinder (rund 570000 Euro Förderung), Ortsentwicklungsplan für die Gemeinde Steinburg (15500 Euro).

Europa ist das Beste, was wir haben“

Gemeinsam mit weiteren Kommunalpolitikerinnen der Stadt möchte Bad Segebergs Bürgervorsteherin Monika Saggau am Sonnabend für die anstehende Europawahl die Werbetrommel rühren. Geplant ist ein Aktionstag auf dem Marktplatz. „Europa ist nicht perfekt, aber es ist das Beste, was wir haben“, sagt sie. Vor allem in Ballungszentren gebe es Aktionen zur Wahl. Im Regionalen eher weniger. „Andere singen die Europa-Hymne. Das kriegen wir auch hin“, trommeln sie auf ihrem Aktionsblatt.

„Es können Projekte umgesetzt werden, die es sonst nicht geben würde“, erklärt Silke Hammer, Regionalmanagerin der Aktivregion Holsteins Herz. „Das Schöne bei uns ist, dass Bürger sich direkt einbringen können.“ Welche Themen sind wichtig? Wohin soll das Geld fließen? Jeder könne die Strategie mitgestalten, sagt sie, sich einbringen und Einfluss nehmen.

Nicht alles wird umgesetzt

Die Aktivregion bekommt hauptsächlich Geld aus dem sogenannten Leader- oder Eler-Programm der EU. Sie wirbt aber auch Geld aus anderen Fonds ein, zum Beispiel für die Modernisierung ländlicher Wege, für die Ortskernentwicklung oder Jugendprojekte.

Nicht alle Vorhaben werden bewilligt, wie jüngst der Markttreff in Wittenborn. Manche Projekte laufen auch nur schleppend, wie das Mitnahmenetzwerk des Kreises. Dennoch: Seit 2002 kommen auf diesem Weg Gelder von Brüssel in die Region.

Auch Unternehmen profitieren

Von der EU profitierte auch schon das Noctalis, der Radweg Mönchsweg und Unternehmen in Trappenkamp, Wahlstedt, Norderstedt oder Daldorf. Die diversen Fonds und Programme machten es inzwischen schwierig, eine Gesamtsumme zu benennen, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.

Aktuell sind allein aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für den Kreis Stormarn 2,37 Millionen Euro ausgezahlt worden. Für den Kreis Segeberg wurden bisher rund 1,37 Millionen Euro aus dem ESF gezahlt, teilt Sprecher Harald Haase mit.

Dutzende Unternehmen profitierten zudem in den vergangenen Jahren vom EU-Regionalfonds (Efre). 100 000 Euro gingen an Henning Vollert und seine Firma BioActive Food, 280000 Euro Förderung bekam die Wolfgang Gräber Feinwerktechnik GmbH in Trappenkamp und 300 000 Euro die Sea & Sun Technology GmbH, die ebenfalls in Trappenkamp ansässig ist. 9,1 Millionen gingen an Firmen im Kreis.

Betriebe siedelten sich in Stormarn an

In Stormarn wurde mit Hilfe von EU-Geldern zum Beispiel der Moorwanderweg im Naturerbe Tunneltal erneuert. 450000 Euro zahlte die Staatengemeinschaft dazu. In Trittau ließ der Kreis eine Fläche recyceln, mit einem Förderbeitrag von 490000 Euro. Die Schacht Papierverarbeitung GmbH in Ahrensburg bekam 143000 Euro von der EU.

Zudem wurden diverse Firmen bei ihrer Neuansiedlung unterstützt. Sechsstellige Beträge flossen beispielsweise an die Interspare GmbH in Reinbek, die Arctos Industriekälte AG in Braak oder die Jürgen Liebisch GmbH in Glinde. 4,8 Millionen gingen an Institutionen in Stormarn.

Flashmob am Sonnabend

Kommunalpolitikerinnen aus allen Fraktionen in der Stadtvertretung planen parteiübergreifend den Aktionstag am Sonnabend, 27. April. Von 11 bis 14 Uhr positionieren sie sich auf dem Markt mit einem Europa-Stand. Gegen 13.30 Uhr wird eine Menschenkette gebildet und mit musikalischer Unterstützung die Europa-Hymne singen. Texte werden verteilt.

Europa ist mehr als die Nähe seiner Staaten zueinander, mehr als politische und wirtschaftliche Netzwerke, mehr als eine Verordnung von oben. Europa – das sind die Menschen, die hier leben und sich als Europäer fühlen“, erklären sie auf einem Aktionsblatt. Sie wollen „nicht still stehen und still sein, sondern die Menschen um uns herum aufmerksam machen und wachrütteln. Unsere Lebensart in der EU mit all ihren Freiheiten ist zu wertvoll und steht auf dem Spiel.“

Die Initiatorinnen: Monika Saggau (CDU), Susanne Will-Flatau (Stiftungsrat Otto Flath), Annelie Eick (Grüne), Silke Krause, Melanie Büttner (CDU), Kirsten Tödt (SPD), Anna Patricia Thomsen (FDP), Ina Roth (CDU), Traute Prang (SPD), Mona Wagemann (Grüne), Ilona Münter (Grüne), Dorina Klaus (CDU), Ursel Homann (BBS), Genievieve Honeck, Angelika Sorgenfrey (FDP), Jutta Burchhard (CDU) und Marianne Böttcher (Behindertenbeauftragte).

„Es gibt Länder, die beneiden uns um diese europäische Gemeinschaft“, sagt Susanne Will-Flatau, Kulturschaffende aus Bad Segeberg. „Unsere Vormütter und Vorväter haben das mühsam erkämpft.“ Sie und weitere Frauen aus der städtischen Politik machen Bad Segebergs Markt am Sonnabend, 27. April, zur Europa-Meile.

Flashmob: Ode „An die Freude“

Gegen 13.30 Uhr bringen Sänger, Chöre und Musiker auf dem Markt ihre Stimmen und Instrumente zum Klingen. Gemeinsam wird eine Menschenkette gebildet und Beethovens Ode „An die Freude“ gesungen. Alle Bürger sind zum Mitsingen eingeladen, gern auch mit Instrument.

Das Ziel: Möglichst viele Menschen am Wahlsonntag, 26. Mai, an die Urne bitten. Der Countdown läuft. „Es gibt nichts Einfacheres, als von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen und dadurch eine Zersetzung durch populistische Gruppierungen zu verhindern“, sagt Susanne Will-Flatau. „So lange demokratische Parteien gewählt werden, kann jeder wählen, wen er will“, sagt Bürgervorsteherin Monika Saggau.

Über 70 Jahre kein Krieg

Darüber hinaus wollen die Frauen mit einem Aktionsstand mit Passanten ins Gespräch kommen und erläutern, wo genau die Region etwas von der EU hat. Es seien oft große Anteile, die aus Fördergeldern mitfinanziert würden. „Das hätten wir uns sonst nicht leisten können“, erinnert Monika Saggau. „Unabhängig davon hatten wir über 70 Jahre lang keinen Krieg, viele verlieren das aus dem Bewusstsein.“

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