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Stormarn Mit Atemschutz den Hauch der Geschichte aufspüren
Lokales Stormarn Mit Atemschutz den Hauch der Geschichte aufspüren
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20:23 05.06.2014
Archivarin Gerlinde Rieck hat in diesem Glaskasten mit Mundschutz und Absaugung 7000 Blätter alter Urkunden vom Schimmel gereinigt. Amtsleiter Bernd Gundlach freut sich über Landesmittel zur Restaurierung. Quelle: Foto:s Bettina Albrod
Bargteheide

Als Archivarin Gerlinde Rieck vor zehn Jahren ihre Arbeit im Amt Bargteheide-Land aufnahm, erbte sie von ihrem Vorgänger einen Keller voller alter Akten. Allerdings waren die nach einem Wasserschaden kaum noch lesbar. Bauzeichnungen, alte Karten, Urkunden; sie alle waren verschimmelt und drohten zu zerfallen. Das kann kein Archivar mit ansehen, und so begann Gerlinde Rieck, die Urkunden behutsam zu reinigen und wiederherzustellen. 7000 Blatt hat sie in mühsamer Handarbeit wieder verfügbar gemacht. Jetzt gibt es ein Landesprogramm, das die Restaurierung weiterer 12 000 Blätter im Archiv Bargteheide-Land mit 17 400 Euro finanziert. Ziel ist, das historische Gedächtnis im Land zu erhalten.

„Das schriftliche Kulturgut ist vom Zerfall bedroht“, erklärt die Archivarin. „Wenn man nicht anfängt, die Akten zu konservieren, verschwinden die Sachen für immer. Es geht hier um unsere Geschichte.“ Genauer gesagt um die Regionalgeschichte der Gemeinden im Amt Bargteheide-Land, und hier zunächst um die historischen Baupläne. Historie ist auch das, was erst 30 Jahre alt ist, denn schriftliche Zeugnisse zum Mauerfall wiegen in den Augen der Historiker ebenso viel wie Erweiterungspläne für ein Gewächshaus in Schloss Tremsbüttel von 1899.

„Was alte Papiere angeht, ist das Bewusstsein für ihre Bedeutung gering“, erklärt Gerlinde Rieck. Dabei sei Papier nach wie vor das sicherste Speichermedium: „Früher hatten wir Mikrofilme, dann die ersten Computer. Aber mit dem Wechsel der Betriebssysteme wird der Zugriff auf digitale Archive wieder verhindert. CDs sind nur begrenzt haltbar. Papier kann sich viele hundert Jahre halten, Bleistift ist auch nach Jahrhunderten noch lesbar.“

Allerdings nur, wenn der Schimmel entfernt wird. Gerlinde Rieck hat dazu Kurse im Landesarchiv in Schleswig besucht, wo sie eine besondere Arbeitsbank vorfand. Reinraum-Werkbank ist der Fachbegriff dafür, und zurück in Bargteheide ließ sich die Archivarin den Arbeitstisch von einem Tischler nachbauen. Denn die Restaurierung ist nicht nur für das alte Papier gefährlich, sondern auch für die Restauratoren, die keine Schimmelsporen einatmen dürfen. „Die Werkbank besteht aus einem Tisch mit einem Plexiglasaufsatz“, demonstriert Gerlinde Rieck. „Vorne sind zwei Grifflöcher, dadurch kann ich wie in einem Labor die Hände in Handschuhe stecken und an dem Papier arbeiten. Hinten habe ich ein Loch drin und einen Staubsauger angeschlossen, der den Staub absaugt.“ Auch ein Mundschutz ist für die Arbeit erforderlich.

Neben der Werkbank steht ihr Arbeitskästchen. Darin sind Kittel, Radierschwämme, kleine Besen, Japanpapier, Atemschutzmaske, besonderer Kleber und Schutzhandschuhe. „Die Säure der Haut würde dem Papier schaden“, sagt sie. Mit dem Besen wird Schimmel abgefegt, mit dem Radierer werden hartnäckige Reste entfernt, Japanpapier flickt Löcher, und der Kleber hilft, Risse zu kitten.

„Da kann man nicht mit Tesafilm arbeiten“, so die Fachfrau. Jede Seite muss einzeln gesäubert werden, und Gerlinde Rieck hat in zehn Jahren viel Zeit im Keller verbracht. „Das ist eine Sisyphus-Arbeit.“ Dank des Förderprogramms macht nun eine Restauratorin weiter, die Werkbank kann weg. In den Akten lagern Bauzeichnungen zu Schloss Tremsbüttel, zum Jersbeker Kuhhaus, aber vor allem zu vielen kleinen Projekten, wo die alte Bausubstanz bis heute erhalten, aber hinter Dämmung und Umbauten unsichtbar geworden ist.

„Das Archiv ist das Gedächtnis des Amtes“, erklärt Gerlinde Rieck. Deshalb habe sie sich gefreut, als sie bei einem Berliner Antiquar das erste Gildebuch der Delingsdorfer Pferdegilde ersteigern konnten. „Was irgendwann zerstreut worden ist, tragen wir wieder zusammen.“

Als sie von dem Landesprogramm zur Restaurierung Schriftlichen Kulturguts erfuhren, hätten sie sich um Fördermittel beworben, erklärt Amtsvorsteher Bernd Gundlach. Angemeldet wurden zunächst Bauakten und Zeichnungen aus den Jahren 1881 bis 1948. „Diese Unterlagen können Besuchern wieder zugänglich gemacht werden, indem sie digitalisiert werden“, sagt Gundlach. Wenn dann das Betriebssystem wechselt, gibt es für die Ewigkeit gut restaurierte Akten im Archiv.

Wichtige Kulturgüter und Bestände erhalten
Das Land Schleswig-Holstein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erhaltung wertvoller Werke, Sammlungen und Bestände zu fördern. „Damit leistet das Land einen wichtigen Beitrag, um wertvolles und einzigartiges Kulturgut auch für künftige Generationen zu erhalten“, heißt es auf der Internetseite des Kulturportals Schleswig-Holstein. Für das kulturelle Gedächtnis des Landes seien schriftliche Zeugnisse ebenso bedeutend und unersetzlich wie Kunstwerke. „Zahlreiche dieser schriftlichen Kulturgüter sind von Schäden bedroht und es besteht die akute Gefahr, dass unersetzliche Originale für immer zerstört werden.“

Bettina Albrod

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