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Stormarn Mobile Mosterei: Abwässer landeten in der Natur
Lokales Stormarn Mobile Mosterei: Abwässer landeten in der Natur
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08:00 09.11.2019
Die Abfälle aus einer mobilen Mosterei wurden in die Natur entsorgt. Am Freitag wurde der Fall vor dem Amtsgericht Ratzeburg verhandelt. Quelle: Lutz Roessler
Ratzeburg/Bad Oldesloe

Wegen des unerlaubten Umgangs mit Abfällen musste sich am Freitag der Betreiber einer mobilen Mosterei aus dem Lauenburgischen vor dem Amtsgericht Ratzeburg verantworten. Nach über fünfstündiger Verhandlung und den Aussagen von sechs Zeugen sowie einem Sachverständigen stand das Urteil fest: Der Mann muss eine Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro zahlen.

Der 46-jährige Unternehmer war angeklagt, zweimal in Sandesneben und zweimal in Bad Oldesloe unerlaubt Abfälle entsorgt und dabei Gewässer verunreinigt zu haben. Der Mann ist auch heute noch mit einer mobilen Mostanlage unterwegs, verwendet mittlerweile zur Entsorgung von Ab- und Spülwasser aber einen Container. Der Inhaber eines Getränkehandels ist seit 2012 jeweils im Herbst an verschiedenen Stationen unterwegs, um direkt vor Ort aus Äpfeln von Kunden Saft zu machen. Ein Liter kostet einen Euro.

Gutes Apfeljahr 2018

Eine Menge zu tun gab es im vergangenen Jahr, denn 2018 war ein sehr gutes Apfeljahr. Ende September wurde der 46-Jährige nach einem Hinweis erstmals in Sandesneben kontrolliert, weil er Abfälle aus seinem Spülwasser und Apfelreste einfach in den nächsten Gully einleitete. „Wer mit Lebensmitteln arbeitet, sollte die organischen Zersetzungsprozesse kennen“, sagte Richter Martin Mrozek. Diese wirkten wie Gülle und entzögen den Gewässern Sauerstoff.

Ordnungsamt und Polizei kamen und wollten den weiteren Betrieb untersagen. Der Inhaber der Mostanlage weigerte sich jedoch mit Begründung des starken Andrangs. Die Behörden ließen ihn zunächst gewähren, nahmen dafür Proben sowohl direkt an der Anlage als auch am Ende des Regenwasserkanals, der in Sandesneben in den Amtsgraben mündet und in Bad Oldesloe in ein Regenrückhaltebecken. „Das Wasser war trüb und hatte eine bräunliche Schaumbildung“, sagte ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Trotz Untersagung nach dem ersten Vorfall unternahm der 46-Jährige erstmal nichts und wurde noch drei weitere Male von den Kontrollbehörden ertappt.

CSB-Wert um ein Vielfaches erhöht

Die Auswertung ergab später eine extrem hohe Konzentration des sogenannten CSB-Wertes. Dieser steht für chemischen Sauerstoffbedarf im Abwasser. Während in einem Haushalt nach Auskunft eines Sachverständigen 300 bis 600 Milligramm pro Liter normal sind, wurden unmittelbar an der Mosterei mehr als 20 000 Milligramm gemessen; und beim Einfluss am Amtsgraben immer noch rund 4000.

Das ist ein Wert, der der örtlichen Kläranlage ein paar Kilometer weiter in Steinhorst Probleme bereiten würde, wie ein Mitarbeiter in der Verhandlung berichtete. Er war als Zeuge geladen, weil er die Proben untersucht hatte.

Bis zum Schluss uneinsichtig

Ein Mitarbeiter des Amtes Sandesneben-Nusse machte dem Geschäftsmann damals sogar das Angebot, einen entsprechenden Container für die Entsorgung bereitzustellen. Mittlerweile handhabt der 46-Jährige das auch so, damals winkte er ab und zeigte sich auch vor Gericht bis zum Ende uneinsichtig.

In der Verhandlung befragte er selbst die Zeugen, machte sich eifrig Notizen und erhob im Zwiegespräch mit Richter Martin Mrozek sogar die Stimme. Was diesem naturgemäß gar nicht gefiel. „Sie werden mir gegenüber nicht laut, ohne dass das Konsequenzen für Sie hat. Das können Sie zu Hause machen“, sagte Mrozek.

Der Angeklagte lebt in Scheidung und muss seinen Kinder Unterhalt zahlen. Nach eigenen Angaben verfügt der Getränkehändler über weniger Einkommen als seine zwölf Angestellten. Seine Eltern unterstützten ihn mit einem monatlichen Betrag. Außerdem habe er Schulden. Diese Angaben wurden bei der Ermittlung des Strafmaßes wichtig.

Einspruch gegen Strafbefehl

Zur Verhandlung war es jetzt überhaupt erst gekommen, weil der 46-Jährige einen ersten Strafbefehl nicht akzeptierte und Einspruch eingelegt hatte. Auch am Freitag kündigte er an, in die nächste Instanz zu gehen. Ein Angebot des Gerichts, den Einspruch zurückzunehmen, hatte er am Morgen abgelehnt. Der Strafbefehl sah eine Geldstrafe von 1500 Euro vor. Im Urteil folgte Richter Mrozek dann dem Antrag der Staatsanwaltschaft, eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à 50 Euro, 4500 Euro zu verhängen. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert.

„Die mobile Mosterei ist eine feine Sache“, sagte Mrozek zum Schluss, „aber Sie als selbstständiger Gewerbetreibender haben die Verantwortung, ihren Abfall ordnungsgemäß zu entsorgen.“

Von Markus Carstens

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