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Stormarn Mobile Zäune als Sichtschutz gegen die Unfall-Gaffer
Lokales Stormarn Mobile Zäune als Sichtschutz gegen die Unfall-Gaffer
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07:44 25.07.2018
Sichtschutz gegen Gaffer.  Quelle: Jens Burmester
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Bad Oldesloe

„Gaffer erhöhen das Unfallrisiko auf unseren Straßen und behindern die Arbeit der Rettungskräfte – dafür habe ich null Verständnis. Deshalb gehen wir jetzt wirksam dagegen vor“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs gestern bei der Präsentation der neuen Zäune in Bad Oldesloe. „Gerade die Kolleginnen und Kollegen der Autobahnmeistereien erleben immer häufiger, dass selbst Opfer mit Handys fotografiert und gefilmt werden“, ergänzte Frank Quirmbach, der stellvertretende Direktor des LBV.SH. „Diese Bilder tauchen schnell in sozialen Netzwerken auf. Das will niemand selbst erleiden.“ 

Die 100 Meter langen Zäune kosten 86 400 Euro und bestehen aus je 44 Elementen, die einzeln 2,25 Meter lang und 2,10 Meter hoch sind. Jedes wiegt 16 Kilo. Sie sollen bei größeren Unfällen aufgebaut werden, was 20 bis 30 Minuten dauert. Die Anfahrtzeit kommt hinzu.

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Positive Bilanz

In Nordrhein-Westfalen sind Sichtschutzzäune gegen Gaffer bereits seit 2015 im Einsatz. Seither wurden sie über 100 Mal eingesetzt. „Der Effekt ist positiv", zog eine Sprecherin von Straßen.NRW jetzt Bilanz. Sobald die Sichtbarrieren stünden, normalisiere sich der Verkehrsfluss in kurzer Zeit. „Auffahr- und Stauende-Unfälle nehmen ab." 

„Es gibt Einsätze, Unfälle mit Toten oder Verletzten, die mehrere Stunden dauern können“, bestätigt Gerd Riemann, stellvertretender Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes. In solchen Fällen seien Sichtschutzzäune angebracht, auch wenn sie erst nach einer Stunde kämen. Regelmäßig gebe es „Leute, die aussteigen und zwischen den Einsatzfahrzeugen rumlaufen“. Dies führe zu Behinderungen. „Das ist denen alles egal, die wollen gucken.“ Um Opfer zu schützen, hielten Feuerwehrleute oft Decken oder Planen hoch. „Das ist aber nicht unsere Aufgabe.“

Lob von Feuerwehr und Polizei

Für die Zeitspanne, bevor die Sichtschutzzäune des LBV künftig an der Unfallstelle eintreffen, wollen einige Wehren sich dennoch selbst um den Sichtschutz kümmern. Es gehe um die Würde der Opfer, sagt Dennis Puls, Gemeindewehrführer von Ratekau (Ostholstein). Insofern sei für seine Wehr die Anschaffung einer Sichtschutzplane vorgesehen, die dann von Kollegen festgehalten werde.

„Wir wollen in Ruhe arbeiten können“, erklärt der Sprecher der Landespolizei, Jürgen Börner. Insofern begrüße auch die Polizei die Anschaffung der neuen Sichtschutzzäune. Dadurch würden Persönlichkeitsrechte der Opfer geschützt. Zudem könnten sich Staus schneller auflösen, der Verkehrsfluss normalisiert und weitere Unfallgefahren verringert werden. Das Leid anderer zu filmen und ins Netz zu stellen, sei moralisch verwerflich, sagt Ulrich Klaus Becker, Vizepräsident für Verkehr des ADAC Schleswig-Holstein. Sichtschutzzäune seien insofern eine gute Sache. „Schlimm genug, dass wir so etwas brauchen.“

Von Marcus Stöcklin