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Stormarn Mollhagener bauen Stormarns erstes Nahwärmenetz
Lokales Stormarn Mollhagener bauen Stormarns erstes Nahwärmenetz
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00:00 18.03.2017
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Mollhagen

Der Sand flog nur so durch die Luft. Regelrecht energiegeladen vollführten gestern die wesentlich am Projekt Beteiligten den ersten Spatenstich für den Bau einer 5,2 Kilometer langen Leitung von der örtlichen Biogasanlage nach Mollhagen. Bürgermeisterin Heidi Hack, Wolfgang Busche von der Energiegenossenschaft Steinburg, Bankkaufmann Stefan Lohmeier und der Amtsausschussvorsitzende Peter Lengfeld markierten damit den Beginn einer neuen Ära. Denn die Gemeinde Steinburg ist die erste in Stormarn, die ein genossenschaftlich geführtes Nahwärmenetz im Kreis aufbaut und so ein Stück Autarkie gewinnt.

Stormarns Klimamanagerin Isa Reher beglückwünschte das Team um Wolfgang Busche. „Sie können stolz sein, das Projekt auf den Weg gebracht zu haben und dies schneller als alle anderen“, lobte sie. Auch Peter Lengfeld zeigte sich beeindruckt. „Das wird eine Signalwirkung für viele andere Dörfer haben“, sagte er. Sich unabhängig zu machen von den großen Versorgern, sei der richtige Schritt. Und Stefan Lohmeier von der Raiffeisenbank hob die große Leistung hervor, mit der die rein ehrenamtlichen Initiatoren über Parteigrenzen hinweg ein solches Energieprojekt in Angriff genommen haben und zugleich den Genossenschaftsgedanken mit Leben zu erfüllen. „Ein Dr. Eon kriegt das nicht hin. Das geht nur von unten“, sagte er.

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Wolfgang Busche berichtete aber auch von den Anfangsschwierigkeiten. „Immer, wenn wir dachten, die Steine wären aus dem Weg geräumt, ergaben sich neue Problemfelder“, erzählte er. Als ein Heizcontainer mit Pumpe aufgestellt werden sollte, hätten die Anwohner heftig protestiert, als sei es um den Bau eines Atomkraftwerks gegangen. „Wir haben die Bürger aber ernst genommen und einen anderen Standort gesucht. Das hat uns im Zeitplan zurückgeworfen“, sagte Busche. Nicht so einfach sei auch die Suche nach einem Planungsbüro für die Machbarkeitsstudie gewesen. Die meisten Angebote hätten einfach nicht finanziert werden können. Zum Glück habe die Genossenschaft mit der Ingenieur Netzwerk Energie eG einen fairen Partner gefunden.

„Dann fiel mit einem Mal der Ölpreis ins Bodenlose und viele Interessenten sprangen plötzlich ab“, fuhr Busche fort. Doch da hätten alle fleißig Klinken geputzt, um die Mollhagener von den Vorzügen der Nahwärmeversorgung zu überzeugen, so dass die Genossenschaft nun 100 Mitglieder zähle. Ins Wanken geraten sei das Projekt aber auch beinahe wegen behördliche Auflagen. „Doch letztlich konnten wir alles klären. In vielerlei Hinsicht haben wir Pionierarbeit geleistet. Dörfer, die jetzt nachziehen wollen, werden es deshalb leichter haben“, schloss Busche seine Rede.

66 feste Abnehmer der Wärmeenergie gibt es derzeit in Mollhagen. Doch können sich auch noch Kurzentschlossene anschließen lassen, während die Wärmeleitungen verlegt werden. „Solange die Bautrupps nicht am Haus vorbei sind, kann man noch ans Netz, danach wird es merklich teurer“ erklärt Busche.

Bürgermeisterin Heidi Hack, zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Genossenschaft, wies auf den Plan hin, das Netz auch auf die Steinburger Ortsteile Eichede und Sprenge auszuweiten. Sie bat um Verständnis, dass es in Mollhagen künftig zu Verkehrsbehinderungen kommen wird, da viele Straßen aufgerissen werden müssen, um die Leitungen in den Boden zu bringen. „Aber dieser Nachteil währt ja nur für kurze Zeit“, sagte sie. Wenn alles glatt laufe, kündigte Busche an, würden die Genossenschaftler in Mollhagen schon zur nächsten Heizperiode im Oktober mit der Nahwärme versorgt.

In 20 Jahren Eigentum

Investiert werden für den Ausbau des Nahwärmenetzes zwei Millionen Euro. Diese Summe finanziert sich aus Eigenmitteln der Genossenschaftler, staatlichen Zuschüssen und einem Bankdarlehen. In 20 Jahren hat sich das Netz amortisiert und ist Eigentum der Genossenschaft.

Aus der Biogasanlage gelangt das bis zu 80 Grad warme Wasser zu einer Übergabestation, von der es in die Häuser gepumpt wird. Im Havariefall sorgt ein Ölbrenner für heißes Wasser.

Dorothea von Dahlen