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Stormarn Mysteriöse Brandserie: Schaden beträgt schon 3,5 Millionen Euro
Lokales Stormarn Mysteriöse Brandserie: Schaden beträgt schon 3,5 Millionen Euro
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22:38 24.11.2014
Bei dem Feuer in Hammoor wurden etwa 400 Strohballen vernichtet. Auch der Einsatz eines Baggers half nicht mehr viel. Fotos (2): Burmester
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Ahrensburg

Seit gut einem Jahr hält eine Serie von Brandstiftungen im Süden Stormarns Polizei und Feuerwehren in Atem. Zuletzt brannten am Wochenende zum wiederholten Male Strohballen in Hammoor (die LN berichteten), ein Auto in Barsbüttel, ein Carport in Oststeinbek sowie Container in Großhansdorf. Täter wurden erneut nicht gefasst. Die im September eigens dafür eingerichtete Ermittlungsgruppe bei der Kripo Ahrensburg schätzt den Schaden mittlerweile auf insgesamt mindestens 3,5 Millionen Euro.

Dass die Täter regelmäßig sowohl Autos vor allem in Ahrensburg — inzwischen sind 20 Fahrzeuge in Flammen aufgegangen — als auch Felder mit Hunderten von Strohballen anzünden, halten die Ermittler für unwahrscheinlich. „Da einige Brandstiftungen fast zur gleichen Zeit verübt wurden, müssen wir von mehreren Tätern oder sogar mehreren Gruppierungen ausgehen“, sagt Polizei-Sprecherin Sonja Kurz. Die Beamten haben seit Oktober 2013 etwa 150 Feuer in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg gezählt und gehen in mehr als 100 Fällen von Brandstiftung aus. An eine vergleichbare Serie kann sich bei der Polizei niemand erinnern. Eine neue Dimension habe diese noch bei dem Brand eines Carports mit zwei Autos neben einem Holzhaus in Ahrensburg am 11. Oktober erreicht, so die Polizei-Sprecherin. „In dem Haus schlief eine Familie mit zwei kleinen Kindern.“ Die Täter hätten es also billigend in Kauf genommen, Menschenleben in Gefahr zu bringen.

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„Die Ermittlungsgruppe arbeitet unter Hochdruck, die vier Beamten beschäftigen sich tagtäglich mit nichts anderem, arbeiten dabei eng mit Spezialisten zusammen“, erklärt Sonja Kurz weiter. „Aber Brandermittlung ist schwierig und erfordert viel Geduld, weil durch die Feuer eben auch Spuren vernichtet werden können.“ In Hammoor kam deshalb Spürhund „Antonia“ zum Einsatz.

Einen Erfolg hatte die Polizei im September verbuchen können. Ein 22-Jähriger aus Reinbek und ein 20-Jähriger aus Kröppelshagen (Herzogtum Lauenburg) wurden festgenommen und gestanden, knapp 15 Brände gelegt zu haben, zwei davon in Stormarn. Als Grund gaben sie Frustration und Langeweile an. Markus Carstens

Landwirte wollen etwas tun
Landwirt und Pferdezüchter Hans-Joachim Gerken aus Hammoor war bereits zum vierten Mal von einer Brandstiftung betroffen. Den Schaden bei dem jüngsten Feuer am Freitagabend, bei dem 400 Strohballen vernichtet wurden, schätzt er auf rund 10000 Euro. Und dafür muss er nun selbst aufkommen, denn nach dem dritten Brand war seine sogenannte Erntevorratsversicherung seitens des Anbieters gekündigt worden.
„Jetzt ist der Bogen überspannt“, sagt der 64-jährige Agrar- Ingenieur und kritisiert auch die Arbeit der Polizei. „Sie macht zu wenig und hat keinen Erfolg“, klagt Gerken. Er ist sogar schon so gefrustet, dass er überlegt, seinen Betrieb und die erfolgreiche Zucht von Holsteiner Pferden aufzugeben und wegzuziehen.
Doch bevor es soweit ist, will er aktiv etwas unternehmen. „Wir sind mehrere Landwirte, die nun eine Belohnung zur Ergreifung der Täter aussetzen wollen“, erklärt Gerken. Einige seien selbst geschädigt worden, anderen wollten sich aus Solidarität beteiligen und aus Angst, selbst zum Opfer zu werden. Die Polizei befürchtet indes, dass bei einer Belohnung auch viele falsche Hinweise eingehen.
Carports in Ahrensburg und Oststeinbek angezündet
Erheblichen Schaden hat am Samstagabend ein Feuer in einem Carport in Ahrensburg angerichtet. Die Hausbesitzerin selbst entdeckte gegen 18.30 Uhr einen Feuerschein und fuhr schnell ihr Auto weg, welches vor dem Carport stand. Drinnen brannten zwei Mülltonnen und diverse andere Gegenstände. Der Carport steht frei, hat keine Verbindung zum Haus.
Eine Stunde später stand ein Carport in Oststeinbek in der Kampstraße in Flammen. Auch hier war eine Mülltonne angezündet worden. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.