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Stormarn Nach Räumung von Messie-Haus: Katzen kosten Gemeinde schon jetzt 100.000 Euro
Lokales Stormarn Nach Räumung von Messie-Haus: Katzen kosten Gemeinde schon jetzt 100.000 Euro
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20:02 20.01.2020
In einem Messie-Haus in Großhansdorf waren mehr als 100 Katzen gehalten worden. Quelle: Peter Wüst
Großhansdorf

Im Sommer 2019 kam es in Großhansdorf zu einem gravierenden Fall von Tierhortung, bei dem aus Gründen des Tierschutzes 110 Katzen in diversen Tierheimen in Schleswig-Holstein und Hamburg untergebracht werden mussten.

Bis heute konnten 60 Tiere an neue Besitzer vermittelt werden, 50 sind noch da. Die Gemeinde Großhansdorf und die Helfer in den Tierheimen appellieren nun noch einmal an weitere Tierfreunde, die Katzen aufzunehmen.

„Katzenhaus“ ist Thema im Ort

„Das so genannte Katzenhaus ist ein großes Thema für den Ort“, erklärt Janhinnerk Voß, Bürgermeister in Großhansdorf. Damals war die Gemeinde eingeschritten, nachdem Nachbarn 20 Katzen im Garten des Hauses gesichtet hatten. Tatsächlich waren es 110 Katzen, die in Haus und Garten mehr oder weniger wild lebten. Die Hauseigentümer erhielten ein Tierhaltungsverbot und dürfen in dem Haus nicht mehr wohnen.

Die verwilderten Tiere wurden von Tierheimen in Großhansdorf, Bad Oldesloe, Henstedt-Ulzburg, Mölln-Ratzeburg, Bad Segeberg, Wasbek und Hamburg aufgenommen. „Das ist eine einzigartige Zusammenarbeit der Tierheime“, lobt Voß. Teils hätten die Tierheime auch auf Geld für die Tiere verzichtet.

In einem Haus in Großhansdorf haben die Bewohnerinnen unter unhaltbaren Zuständen offenbar mehr als 100 Katzen gehalten. Am Mittwoch schritten die Ordnungskräfte ein.

Drei Klagen und acht Widersprüche

Denn schon bis jetzt muss die Gemeinde Großhansdorf 101.000 Euro für den Unterhalt der Katzen aus dem geräumten Haus zahlen. „Man rechnet zehn Euro pro Tag und Katze, die für Futter, Medikamente oder Tierarztkosten anfallen“, erklärt Voß. Das sei viel Geld für die Gemeinde und eine enorme Belastung. Zwar bestehe die Aussicht, dass zwei Drittel der Kosten erstattet würden, aber bis dahin werde noch viel Zeit vergehen. Denn zuvor kommt es zum Prozess.

„Die Eigentümer des Hauses haben acht Widersprüche, drei Klagen und zwei Eilentscheidungen zu dem Vorfall gegen die Gemeinde beantragt“, zählt Arne Müller vom Ordnungsamt Großhansdorf auf. Je nachdem, wer das Verfahren gewinnt, würden die Kosten erstattet. Das könne aber dauern, weil auch noch Widersprüche gegen die Urteile zu erwarten seien.

Viele Tierheime der Region haben mit der Gemeinde Großhansdorf bei der Versorgung der Katzen zusammengearbeitet. Quelle: Bettina Albrod

In den vier Monaten seit Einschreiten der Gemeinde ging es vor allem darum, die Katzen zu vermitteln. „Katzen werden in den ersten drei Monaten sozial geprägt“, erläutert Dr. Bernd Grundmann, Vorsitzender des Tierheims Großhansdorf. Das fehle hier, so dass viele Katzen nicht stubenrein und sehr scheu seien. Das erschwere eine Vermittlung.

Dennoch konnten von den 27 Katzen in Großhansdorf schon 21 vermittelt werden, so Monika Ehlers. „Eine Katze ist blind und schon 15 Jahre alt, die werden wir als Hauskatze behalten.“ Die anderen sollten im Zweierpack oder zu einem Haushalt mit Katze abgegeben werden.

„Katzenkuschler“ im Einsatz

In Mölln sollen „Katzenkuschler“ die wilden Katzen an Menschen gewöhnen. Dazu spielen und kuscheln sie mit den Tieren. „Wir haben 22 Katzen in schlechtem Zustand übernommen“, erläutert Patricia Picker, drei Tiere seien gestorben, zwei hätten vermittelt werden können. „17 Katzen sind noch da.“ Im Hamburger Tierheim konnten von 13 Katzen elf vermittelt werden.

Die Katzen warten auf neue Besitzer. Quelle: Tierheim Großhansdorf

Alle Tierheime klären die Interessenten über die Herkunft der Katzen auf. „Die Tiere sollten nur von erfahrenen Katzenhaltern angenommen werden“, sagt Patricia Picker, „das sind keine Samtpfoten.“ Monika Ehlers kann auch von Erfolgen erzählen: „Drei Katzen sind an einen Reitstall gegangen und haben sich inzwischen an die Halter gewöhnt.“

Sie betonte, dass es viele Spenden aus der Bevölkerung zur Unterstützung der Tierheime gegeben habe. „Das ist eine große Hilfe.“ Alle wünschen sich, dass auch die übrigen Tiere noch ein gutes Zuhause finden. „Am Haus wurden keine Katzen mehr gesichtet“, betont Gabriele Hettwer vom Ordnungsamt. Auch die Furcht vor Ratten sei unbegründet, da auf dem Grundstück kein essbarer Unrat mehr liege.

Kontakt-Daten

Wer eine Katzeaufnehmen möchte, kann sich an das Tierheim Großhansdorf wenden, das auch den Kontakt zu den anderen Heimen herstellt. Erreichbar ist es unter der Telefonnummer 041 02/624 77 oder per E-Mail an ehlers.monika@gmail.com.

„Fälle von Tierhortung gibt es öfter“, sagt Bürgermeister Voß, der ein Beispiel aus Schleswig mit 56 Hunden kennt. „Nachbarn sollten gut aufpassen“, rät Gaston Prüsmann vom Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Schleswig-Holstein. Bei Verdacht sollte man keine Scheu haben, zum Hörer zu greifen und beim Tierschutzverein anzurufen.

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Von Bettina Albrod