Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Nachfolger für Zarpener Landarzt gesucht
Lokales Stormarn Nachfolger für Zarpener Landarzt gesucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 21.11.2019
Dr. Jens Sander ist seit 35 Jahren als praktischer Arzt in Zarpen tätig. In naher Zukunft geht er in Rente. Jetzt sucht er einen Nachfolger, der nach Zarpen zieht und die Praxis übernimmt. Quelle: Britta Matzen
Zarpen

In Zarpen macht man sich Sorgen um die medizinische Versorgung. Der praktische Arzt Dr. med. Jens Sander möchte aufhören, ein Nachfolger wird gesucht. Die Gemeinde hat dafür eigens einen Ausschuss gegründet mit Vertretern aller Fraktionen. Mit dabei: Bernhard Genendsch (FKW), Christina Herbst (CDU) und Tim Raab (SPD). „Wenn sich keiner finden würde, wäre das schon eine mittlere Katastrophe“, sagt Genendsch.

Telemedizin statt Landarzt?

Auch im Amt Nordstormarnüberlegen Amtsdirektor Stefan Wulf und sein Team, wie sich die medizinische Versorgung in Zarpen und Umgebung aufrecht erhalten lässt. „Wir haben verschiedene Möglichkeiten. Man kann natürlich versuchen, einen Arzt zu finden, der die Praxis übernimmt“, sagt Stefan Wulf. Es gebe aber auch andere Ideen, um die örtliche Versorgung aufrecht zu erhalten.

Entsprechend fortgebildete Krankenschwestern könnten beispielsweise Hausbesuche übernehmen. Wulf: „Bei den meisten älteren Patienten geht es ja darum, dass sie ein neues Rezept brauchen oder dass mal Blutdruck gemessen wird und man noch mal redet. Das macht 50 Prozent des Jobs aus.“ Den Einsatz der reisenden Krankenschwester könne man mit Telemedizin unterstützen. „Das halte ich für einen vielversprechenden Ansatz“, so die Einschätzung des Amtsdirektors. Da auch Krankenschwestern Mangelware seien, müsse man den Job wahrscheinlich attraktiver machen. „Man kann der Krankenschwester ein Auto zur Verfügung stellen.“

Das Amthat in dieser Angelegenheit auch Kontakt zur Gemeinde Pronstorf aufgenommen. „Die Pronstorfer haben gemeinsam mit der Uniklinik Lübeck eine Fragebogenaktion zur medizinischen Versorgung in der Gemeinde durchgeführt. Sie haben die Bürger befragt, was sie brauchen, was ihnen wichtig ist. Kurze Wartezeiten, geringe Entfernung zur Praxis, Verhältnis zum Arzt und solche Dinge“, schildert der Amtsdirektor. Davon erhofft man sich nun auch im Amt Erkenntnisse, die vielleicht als mögliche Alternative für Zarpen unter die Lupe genommen werden können.

Vor 35 Jahren hat Dr. med. Jens Sander die Zarpener Arztpraxis samt Wohnhaus von seinem Vorgänger übernommen. Der Mediziner kommt ursprünglich aus Hamburg, sein Studium hat er in Düsseldorf absolviert. „Seit Kindheit war es mein Wunsch, auf dem Lande Arzt zu werden. Ich bin nach dem Studium durch die Bundeswehr hier hochgekommen und wollte auch bleiben“, berichtet der Mediziner. Bis vor zehn Jahren waren Sanders Arbeitstage quasi endlos. „Ich hatte praktisch 24 Stunden, sieben Tage die Woche Dienst – außer im Urlaub. Abends wurde häufiger geklingelt, auch nachts oder am Wochenende kamen die Leute, wenn sie zum Beispiel Ohrschmerzen hatten.“ Aber die Zeiten seien vorbei, seitdem es einen geregelten kassenärztlichen Notdienst gebe. Heute ist Dr. Jens Sander im Schnitt „nur“ noch zwölf Stunden für seine Patienten im Einsatz, die aus Zarpen, Heilshoop, Mönkhagen, Hamberge, Rehhorst oder Reinfeld kommen.

Dr. Jens Sander aus Zarpen ist jeden Tag unter der Woche für seine Patienten, die aus Reinfeld, Nordstormarn und sogar aus dem Segebergischen kommen, da. Er macht auch Hausbesuche. Quelle: Britta Matzen

Dr. Sander liebt den Kontakt zu den Menschen

Sander kümmert sich um die Primärversorgung aller Erkrankungen. „Ich sehe meine Praxis als Schaltstelle, wo die Befunde zusammengeführt und koordiniert werden. Das ist meine Hauptaufgabe. Die Patienten zu beraten und ihnen zu übersetzen, was die Fachärzte gesagt haben.“ Er liebt vor allem den Kontakt mit den Menschen. „Ich kenne die Familien von Kind bis Oma, das ist das Schöne an meiner Arbeit. Über Jahre und Jahrzehnte verfolgt man das – das ist wirklich etwas Besonderes.“ Der Vorteil, wenn man seine Patienten über Jahre kenne, sei auch, dass man es als Arzt ganz gut beurteilen könne, ob jemand ernsthaft krank sei oder ob es etwas Harmloseres sei.

Aufhören will der Zarpener Landarzt, weil er in naher Zukunft 65 wird und in Rente geht. „Da muss man rechtzeitig nach einem Nachfolger Ausschau halten. Alleinunterhalter im ländlichen Bereich zu finden, ist schon schwierig. Die meisten jungen Ärzte wollen in eine Gemeinschaftspraxis mit vier, fünf Kollegen, weil sie dort ihre Zeit besser einteilen können.“

„Die Politik macht mir den Abschied leichter“

Der Abschied von der Praxis fällt ihm schon schwer. „Aber die Politik macht es einem ein bisschen leichter. Vor allem diese Digitalisierung, damit mag ich nicht noch mal neu anfangen. Wir haben jetzt schon Abzüge, weil wir nicht alles mitmachen, was Herr Spahn sich so ausgedacht hat.“

Das Einfamilienhaus, das der Zarpener Arzt mitsamt der Praxis an einen Nachfolger verkaufen möchte, wurde 1907 erbaut. Quelle: Britta Matzen

Am liebsten möchte Dr. Sander sein Wohnhaus mitsamt Praxis an einen Nachfolger verkaufen. Vor einem Jahr hat er bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung inseriert. Doch ernsthafte Interessenten blieben aus. Jetzt hat er das Einfamilienhaus aus dem Jahr 1907 mit Praxis-Option bei Immonet annonciert. „Es wäre schon schöner, wenn das hier nicht sang- und klanglos untergeht.“ Die Alternative sei, das Haus und den Kassenarztsitz separat zu veräußern. „Den Kassenarztsitz kann ich frei verkaufen, der geht dann vielleicht an einen Kollegen, der eine Praxis in Oldesloe betreiben möchte.“

Zwei Ärzte könnten sich die Praxis teilen

Die Gemeinde Zarpen möchte den Kassenarztsitz unbedingt im Ort behalten. Bernhard Genendsch, der im medizinischen Bereich tätig ist, hat bereits seine Fühler ausgestreckt. „Ich habe drei, vier Ärzte angesprochen, die aus der Klinikmühle raus wollen und sofort einsteigen würden. Aber die brauchen das Haus nicht, denn sie wohnen nicht gern dort, wo sie arbeiten.“ Vielleicht könne jemand das Ensemble kaufen und die Praxis vermieten, regt der Gemeindevertreter an. „Die Praxis bietet vom Patientenstamm auch die Möglichkeit, dass zwei Ärzte sich das teilen.“

Was sie an ihrem langjährigen Hausarzt haben, wissen die Zarpener sehr genau, wie der FKW-Vertreter Genendsch beschreibt. „Dr. Sander ist ein sehr guter Diagnostiker, so einen Arzt kriegen wir wohl nicht wieder. Er ist noch einer, der Hausbesuche macht, der an vielen Tagen bis 19 Uhr geöffnet hat und der einen nicht nach Hause schickt, wenn man fünf Minuten nach Praxisschluss kommt.“

Lesen Sie mehr zum Thema:

Von Britta Matzen

Das zweite Festival für digitale Medien im KuB steht unter dem Motto „GemEinsam“. Am Sonnabend gibt es besondere Aktionen wie einen Escape-Room und verkleidete Figuren aus Computerspielen.

20.11.2019

Zu ihrer vierten Weihnachtsausstellung laden Bettina Laube und Silke Koschyk ein. In heimeliger Atmosphäre präsentieren sie Pralinen und Dekoratives.

20.11.2019

Pünktlich am 11.11. präsentierte der Elmenhorster Karneval sein neues Prinzenpaar und das Motto dieser Saison.

20.11.2019