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Stormarn „Narropera“ macht Figaros Hochzeit salonfähig
Lokales Stormarn „Narropera“ macht Figaros Hochzeit salonfähig
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17:34 15.07.2019
Musikmanager Haydn Rawstron gastiert wieder mit der „Narropera" auf dem idyllischen Gut von Neverstaven. Quelle: Dorothea von Dahlen
Neverstaven

Nach ihrem erfolgreichen Debüt im Vorjahr sorgt die „Narropera“ wieder für höchsten Kulturgenuss auf dem Landgut Neverstaven. Auf dem Spielplan steht dieses Mal „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Vom Neuseeländer Haydn Rawstron entwickelt, stellt das neue Genre ein Wechselspiel von Erzählung und Gesang dar. Das Publikum darf sich also nicht nur auf Sopranistin Dorothee Jansens brillant interpretierte Arien freuen, es erhält zudem tiefere Einblicke in die Geschichte dieser sehr komplexen Komischen Oper. Im Trio mit Violinistin Floriane Peycelon bieten die Künstler eine 90-minütige, gut verständliche Fassung des Stoffs.

Musikstück mit vielen Facetten

„Ich habe mich zeit meines Lebens mit dem Stück auseinandergesetzt: als Student an der Uni, in Oxford als Chorsänger, in Bayreuth bei der legendären Produktion des Opernregisseurs Walter Felsenstein und natürlich jetzt wieder für die Narropera. Deshalb kann ich mit Recht sagen, dass es mehr Überraschungen zu bieten hat als manch einer denkt“, erzählt Rawstron, der auf seiner Geschäftstour durch Europa schon mal einen kleinen Zwischenstopp in Neverstaven eingelegt hat. Es sei faszinierend, wie viele interessante und immer wieder neue Facetten dieses Werk aufweise. Und daran will der Musikmanager die Zuhörer teilhaben lassen.

Picknick im Grünen vor dem Musikgenuss

Knurrende Mägenund die Hektik des Alltags sind nicht gerade gute Ohr-Öffner. Deshalb laden die Veranstalter von „Narropera“ ein, sich vor dem Kammerkonzert bei einem Picknick im idyllischen Gutspark zu entspannen. Bei Wein und gutem Essen können sich alle auf den bevorstehenden Konzertgenuss vorbereiten. Ab 16.30 Uhr kann im Park gepicknickt werden.

Ticketsfür die beiden Vorstellungen am Sonnabend, 27. Juli, und Mittwoch, 31. Juli, sind in der Oldesloer Buchhandlung Willfang, Hude 5, erhältlich, Telefon: 04531/2676. Tickets Kosten 25 Euro, ermäßigt 12,50 Euro. Weitere Informationen u.a. mit Portraits der Künstler unter neverstaven.de.

Zweite Fassung mit viel Tiefgang

So entdeckte Rawstron in einer neu editierten Partitur des Werks, dass es noch eine zweite Fassung des Figaro-Stoffs gibt. Denn die Oper wurde 1789, also drei Jahre nach ihrer Premiere noch einmal in überarbeiteter Form in Wien aufgeführt. Mozart strich nicht nur einen ganzen Satz heraus, sondern komponierte auch zwei neue Arien für die Rolle der Susanna. Damit änderte Mozart nicht zuletzt auch die Dramaturgie des gesamten Stücks. Er verlieh den Figuren im Zusammenspiel eine ganz andere Gewichtung als in der Urfassung. „Susanna legt das Soubrettenhafte ab und verwandelt sich hin zu einer richtigen Prima Donna. Der italienische Einfluss wird spürbarer. Das gibt dem Gesang mehr Tiefgang“, sagt Rawstron. Diese Arien würden freilich auch beim Konzert in Neverstaven zu hören sein und selbst eingefleischte Opernfans überraschen.

Schauspielvorlage erlangte Kultstatus

Spannend klingt auch die Entstehungsgeschichte des Werks, die Rawstron zufolge wichtig ist, um zu verstehen, weshalb die Handlung der Oper etwas verwirrend ist. Sie basiert es auf einem dreiteiligen Schauspiel von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, das Mozart in ein einziges Stück presste. Die aufrührerische Kraft des Theaterstücks dürfte dazu geführt haben, dass es 1784 – also am Vorabend der Französischen Revolution – gleich Kultcharakter genoss. „Es war sofort das erfolgreichste Schauspiel in ganz Europa mit über 100 Vorstellungen. Eine Sensation. Die Leute waren im Theaterfieber“, berichtet Rawstron. Wie subversiv das Stück gewesen sei, zeige sich schon daran, dass es während der Nazi-Zeit verboten gewesen sei.

Ohne kritische Töne entging „Figaro“ der Zensur

Der Funke sprang auch auf Mozart über und inspirierte ihn zu einer musikalischen Fassung, wobei Lorenzo da Ponte das Libretto schrieb. „Man muss wissen, dass Komponisten damals nicht wie heutige Künstler, sondern als Handwerker im Auftrag von Kirche und Staat arbeiteten. So waren die kritischen Töne undenkbar“, erklärt Rawstron. All dieser Elemente beraubt, sei Mozart mit seinem Figaro letztlich der Zensur entgangen.

Für sein Konzept der „Erzählenden Oper“ hat der Musikexperte überdies schon viel Zuspruch geerntet. „Ich bekomme viele E-Mails von Leuten, die erzählen, dass sie zuvor noch nie in der Oper waren und jetzt ein ganz neues Interesse dafür entdeckt haben“, erzählt Rawstron und hofft, das Publikum in Neverstaven ebenso zu begeistern. Das Trio Dorothee Jansen (Sopran), Floriane Peycelon (Violine) und Haydn Rawstron (Klavier, Erzähler) bringt im Salon des Gutshauses zwölf Musikstücke zu Gehör, darunter auch „Non so più cosa son, cosa faccio” (Cherubino), „Porgi amor qualche ristoro” (Rosina Gräfin Almaviva) sowie die Susanna-Arien „Un moto di gioia mi sento” und „Dove sono i bei moment” (Rosina Gräfin Almaviva) in der zweiten Figaro-Fassung.

Lesen Sie auch: Narropera – ein Musikgenre erobert Stormarn vom 28. Juli 2018

Dorothea von Dahlen

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