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Stormarn Neue Stühle für Reinfelder Matthias-Claudius-Kirche
Lokales Stormarn Neue Stühle für Reinfelder Matthias-Claudius-Kirche
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19:00 29.01.2019
Pastor Bernd Berger mit dem neuen Kirchenstuhl namens Claudius. Das Modell ist aus Eichenholz gefertigt und überzeugte den Kirchengemeinderat mit seinem klaren Design und seiner hohen Funktionalität. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

„Seit der Restaurierung unserer Matthias-Claudius-Kirche von 2009 bis 2011 haben wir mit einem Provisorium von alten Kirchenbänken und geliehenen Stühlen gelebt. Jetzt freuen wir uns, dass wir endlich ein neues Kirchengestühl bekommen, was auch ein einheitliches Bild für die Kirche geben wird“, sagt Pastor Bernd Berger. 130 Eichenstühle (Preis etwa zwischen 400 und 500 Euro pro Stück) sollen angeschafft werden, die eigens für den Kirchenraum entwickelt wurden. Die neue Bestuhlung war bereits im Zuge der umfangreichen Restaurierung als letzter Bauabschnitt geplant. Damals fehlte nur das Geld für die sofortige Umsetzung.

Gottesdienst ist heute flexibel

Stuhlreihen aus hellem Eichenholz statt der alten Kirchenbänke. Das betont nicht nur die schlichte Optik des Kirchenbaus, sondern ist nach Meinung des Kirchenvorstands vor allem der Tatsache geschuldet, dass sich die Gottesdienstkultur stark verändert hat. Man müsse Sitzgelegenheiten heute mal im Kreis oder auch mal ganz beiseite stellen können. „Für Kinder- und Familiengottesdienste, für Aufführungen, musikalische Veranstaltungen oder so etwas Großartiges wie ein Krimi-Dinner brauchen wir flexible Formen, sodass die Menschen nicht eingezwängt sind in Bänke, sondern sich bewegen können. Ich habe sogar schon Gottesdienste gefeiert, wo wir getanzt haben, zum Beispiel zu ,Befiehl du deine Wege’“, so Berger.

Stuhlpaten gesucht

Es besteht die Möglichkeit, eine Stuhlpatenschaft für einen oder auch mehrere Claudius-Stühle zu übernehmen. So würde ein mit dem eigenen Namen versehener Stuhl in der Matthias-Claudius-Kirche stehen. „Eine solche Patenschaft hilft uns, die Stühle mit zu finanzieren“, so Pastor Bernd Berger. Einen Stuhl kann man ab einer Spendensumme von 250 Euro erwerben. Nähe Informationen gibt es im Kirchenbüro, Matthias-Claudius-Straße 8, Reinfeld.

Entworfen wurde der neue Kirchenstuhl vom Sohn des Pastors, Johannes Leo Berger. Er ist gelernter Tischler und studiert Produktdesign an der Weißensee Kunsthochschule in Berlin. „Er hat angefragt, ob er als Semesterprojekt einen Stuhl für uns entwerfen kann. Dieser war zunächst gar nicht auf Produktion ausgelegt“, so Berger. Dem Kirchenvorstand gefiel die Idee, zumal das ehemalige Vorstandsmitglied Marlies Stolp gerade angeregt hatte, nach sieben Jahren Provisorium nun endlich eine Lösung für die Sitzordnung zu finden. Man möge dabei aber die hinteren Kirchenbänke belassen.

Einige fordern die Kirchenbänke zurück

Das hatte seinen Grund. Gab es doch von Anfang Stimmen in der Gemeinde, die sich mit Stühlen in dem sakralen Raum nicht anfreunden konnten. Sie fordern stattdessen alle Kirchenbänke zurück. „Viele Gemeindemitglieder, die sonntags kommen, sehen oft nur einen Ausschnitt unserer Gottesdienste und nehmen nicht wahr, wie oft wir die Stühle umstellen. Wir sind so eine lebendige Kirche und feiern viele verschiedene Gottesdienste. Wir nutzen die Stühle wirklich sehr“, betont Pastorin Dr. Christina Duncker. Etwa beim Taufgottesdienst. Da würden die Familien ihre Stühle um das Taufbecken platzieren. „Das ist für die Menschen eine ganz tolle Erfahrung, nicht in der letzten Reihe zu sitzen, sondern ganz hautnah dabei zu sein.“

Pastor Berger kann dennoch die Kirchenbank-Liebhaber verstehen. „Ich kann es gut nachvollziehen. Ich sitze in einer Bank, ich bin geschützt. Kirche und Bank sind Tradition, und die schätzen wir auch wert. Wir wollen die Menschen auch nicht verprellen. Die hinteren Bänke bleiben und jeder kann darauf Platz nehmen, der möchte.“

Bei der Stuhlgestaltung war deshalb ein Kompromiss gefragt. Für den jungen Designstudenten Johannes Berger keine leichte Aufgabe. Ein ganze Reihe von Kriterien waren seitens des Kirchenvorstands vorgegeben. Pastor Berger: „Der Stuhl sollte stapelbar, nicht zu schwer und verbindbar sein, er sollte einen Bankcharakter haben und über Möglichkeiten zur Aufhängung für Regenschirm und Tasche verfügen und natürlich vom Design her in den Kirchenraum und zu den Bänken passen.“

Stuhl Claudius verbindet Ästhetik und Funktion

Während Johannes Berger an seinem Semesterprojekt tüftelte, kontaktierte der Kirchengemeinderat verschiedene Hersteller von Kirchenstühlen. Diverse Modelle seien ihnen vorgestellt worden, aber keines sei wirklich passend gewesen. Der eine Stuhl war zu schwer, der andere optisch nicht ansprechend, der nächste zu klapprig. Doch dann präsentierte Johannes Berger seinen Prototypen namens Claudius. Und Claudius stellte die herkömmlichen Kirchenstuhl-Modelle in den Schatten. Er gefiel einfach allen. „Ich habe mich als Vater sehr zurückgehalten, aber ich fand den Stuhl auch schön. Sowohl von der Optik als auch von der Funktionalität passt er einfach toll in unsere Kirche“, meint Bernd Berger.

Auch an eine Ablage für das Gesangbuch hat der Designer gedacht. Quelle: Britta Matzen

Pastorin Duncker begeistert vor allem das harmonische Miteinander von Bank- und Stuhlreihen. „Da immer moniert wird, dass Bänke und Stühle nicht zusammenpassen, mussten wir einen speziellen Stuhl finden. Stühle von der Stange passen leider nicht. Deshalb ist es ganz großartig, dass wir unsere Vorstellung in diesen Stuhl einbringen konnten.“ So würden die Stuhl- und Bankreihen eine ästhetische Einheit bilden. Sogar das Gesangbuch kann man in einer Mulde ablegen und auch seinen Regenschirm oder die Handtasche aufhängen. Der Designer hat an alles gedacht. „Ich finde, dass es ein guter Kompromiss für die Gemeinde ist, dass es die Bänke und die Stühle gibt“, so Duncker.

Auf der Rückseite des Stuhls kann man eine Tasche oder einen Regenschirm aufhängen. Quelle: Britta Matzen

So bald wie möglich sollen die 130 Stühle angefertigt werden. Bei Tischlern im Umkreis habe man angefragt, zum Teil aber nicht einmal eine Antwort erhalten. „Das Handwerk im Norden ist zurzeit einfach stark ausgelastet“, so Pastor Berger. Sie seien jetzt mit einem Hersteller aus Höxter in Verhandlung.

Britta Matzen

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