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Stormarn Neue Vision für Reinfelds alfaPark
Lokales Stormarn Neue Vision für Reinfelds alfaPark
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14:29 31.01.2019
Eigentümer Armin Adib-Moghaddam (v.l.) und Architekt Steffen Soltau präsentierten beim Reinfelder Stadtentwicklungsausschuss das Modell für das neue Wohnquartier im alfaPark.  Quelle: E-Mail-LN-Stormarn
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Reinfeld

Wo Opal einst Nylonstrümpfe fertigte, soll in den kommenden Jahren ein komplett neues Quartier mit bis zu 320 Wohneinheiten entstehen. Die Rede ist vom alfaPark in Reinfeld. Seit sechs Jahren ist auf dem 6,5 Hektar großen Gelände eine Bebauung im Gespräch. Damals wollte man an dem Standort ein Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe entwickeln. Doch über einen Vorentwurf ging das Verfahren bisher kaum hinaus. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Beim jüngsten Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag stellte der Lübecker Architekt Steffen Soltau einen alternativen Konzeptentwurf vor, der im Auftrag des Grundstückseigentümers Armin Adib-Moghaddam erarbeitet wurde. Der Entwurf sorgte für Begeisterung.

Bahnlinie bringt Lärm mit sich

Der alfaPark in Reinfeld befindet sich schräg gegenüber des Bahnhofes, südlich der Bahnlinie. Viele Gewerbehallen befinden sich auf dem Areal, flankiert im Osten und Westen durch Gehölze mit teils hohen Bäumen, dazu eine Wiesenlandschaft im Zentrum. „Im nördlichen Teil befindet sich die Bahnlinie Hamburg-Lübeck, und die macht uns schon etwas Kopfschmerzen, weil sie viel Lärm mit sich bringt. Damit muss man umgehen“, sagte Steffen Soltau. Im Folgenden präsentierte der Architekt eine Lösung für das Lärmproblem.

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Wie bleibt Schall draußen?

„Wir haben uns mit dem Bebauungsplan sehr intensiv beschäftigt, um zu schauen, welche Möglichkeiten und Visionen es gibt, um für die Bürger der Stadt und ganz Reinfeld mehr rauszuholen“, so Soltau. Vor allem das Thema Schall sei auf dem Grundstück essenziell. Wie schaffe man es, auf diesem Areal den Schall rauszuhalten? Zurzeit sei es so, dass die Gewerbehallen den Schall blockierten. Aber diese sollten möglichst abgerissen werden, um eine komplette Wohnbebauung zu ermöglichen. Das Areal würde durch Lärm dementsprechend mehr belastet.

„Der alte Bebauungsplan sieht einen Schallschutzwall ergänzt durch eine Schallschutzwand vor, die in das Grün hineinragen soll. Da sehen wir Probleme.“ Wenn man zwischen den Bäumen baue, würde das Wurzelwerk geschädigt. „Wir haben deshalb überlegt, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt: einen Schallschutz zu schaffen und gleichzeitig die Vegetation zu schonen“, so der Lübecker Experte.

Bewohnte Schallschutzwand

In Reinbek habe sein Büro einen vergleichbaren Fall, den sie gut gelöst hätten. „Dort haben wir ein 4,5 Hektar großes Wohngebiet an der Kreisstraße 80 zwischen Glinde und Reinbek, die eine große Lärmbelastung bedeutet.“ Mit Schallschützern hätten sie eine hervorragend funktionierende Alternative erarbeitet. „Eine Möglichkeit war eine 7,50 Meter hohe Schallschutzwand. Aber wer will dahinter wohnen? Das ist ja grauenvoll“, meinte der Architekt. Sie hätten sich stattdessen etwas anderes überlegt: eine bewohnte Schallschutzwand. „Das ist ein Atriumhaus mit vier bis fünf Geschossen, das seine Arme ausbreitet und den Schall draußen hält.“ Innen sei ruhiges Wohnen möglich.

So sieht die Vision des alfaParks im Lageplan der Lübecker SSO-Architekten aus. Südlich der Bahnlinie befindet sich der bewohnte Schallschutz. Anschließend zieht sich über das gesamte Gelände von Ost nach West ein erweiterter Grüngürtel mit einigen Bauten dazwischen. Dahinter sollen weitere Häuser und Wohnungen entstehen. Quelle: SSO-Architekten

Ein ähnliches Modell könnten sie sich auch für Reinfeld vorstellen. „Seien Sie nicht geschockt – das ist erst mal nur ein Schema“, meinte Soltau, als er seine erste Folie an die Wand warf. „Der Idealfaktor zum Thema Schall wäre, wenn wir ein Gebäude möglichst über die gesamte Länge parallel zur Bahn bauen. Aber das will natürlich keiner. Das ist brutal, da möchte man nicht wohnen.“ Bei der nächsten Folie war der Schallschutz bereits aufgegliedert in verschiedene Gebäude entlang der Bahnlinie. Die Bauten außen dürften gerne bis zu fünfgeschossig sein, um den inneren Häusern einen Lärmschutz zu gewähren.

Mehrgenerationen-Häuser

Inhaltlich sind Wohnformen für Jung und Alt, Arm und Reich geplant – das wurde deutlich am Modell, das Steffen Soltau mitgebracht hatte. Es soll eine bunte Mischung werden aus zwei- bis fünfstöckigem Geschosswohnungsbau, darunter auch geförderte Wohnungen. Es können auch Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser vertreten sein. Sozialen Wohnungsbau hätten sie ebenfalls in ihr Projekt in Reinbek eingestreut. Soltau: „Man erkennt nicht, wer wo wohnt. Das wollten wir nicht, der Bauherr zum Glück auch nicht. In dem Quartier wird man hinterher ein Wirgefühl haben. Das finde ich sehr charmant.“

Diese mehrstöckigen Geschossbauten sind Entwürfe aus der Feder der Lübecker SSO-Architekten. "Wir legen Wert auf Materialien und Optik", so Architekt Steffen Soltau. Quelle: SSO-Architekten

Nach Willen des Auftraggebers soll die Grünfläche im alfaPark eine große Rolle spielen. „In den alten Plänen war nicht viel Grün vorgesehen. Das ist einer der Punkte, an die wir rangegangen sind. Wir sagen: Mehr Grün wäre auch ganz schön“, so Soltau. Sie hätten die Idee, die Gehölze und die Niederungen durch Grün miteinander zu verbinden. „Wir möchten gern das Grün erweitern und damit für mehr Wohnqualität auch im Außenbereich sorgen.“ Ein Fußweg könne einmal quer durch den Park führen. Damit könne das Gelände für alle Reinfelder ein großer Zugewinn sein.

Verkehr bleibt draußen

Die Haupterschließung solle möglichst parallel zur Bahn erfolgen, da dort Lärm und Verkehr ohnehin schon vorhanden seien. Parkplätze wünschen sich Eigentümer und Architekt möglichst auch auf der Nordseite. „Aus dem Binnenbereich wollen wir den Verkehr raushalten, um dort die Qualität für die Bewohner zu generieren.“

Das sagen die Politiker

Gerd Herrmann (SPD): „Ich finde die Ansätze gut. Den Gedanken des Lärmschutzes durch bewohnte Gebäude finde ich sehr sinnvoll. Außerdem gefällt mir der Ansatz mit dem vielen Grün.“

Christian Röhr (CDU): „Ich finde es total toll. Dass das mit dem Lärmschutz so funktioniert, ist eine super Sache.“

Stephan Heinrich (Wir): „Ich habe ein Problem mit der bewohnten Lärmschutzwand. Da wohnen ja auch Leute. Ich hoffe, das wird baulich berücksichtigt, damit die vom Lärm verschont bleiben.“

Dietmar Gosch (Grüne): „Meine Hochachtung, ich finde den Entwurf sehr beachtlich. Was mir gut gefällt, ist, dass sie sich sehr bemüht haben, die Begrünung und Bäume zu erhalten. Und dass sie auf Mehrgenerationenhäuser und geförderten Wohnraum Wert legen, finde ich eine klasse Sache.“

Das ganze Konzept ist zunächst einmal eine Vision für 2030. „Das ist kein Projekt, das von heute auf morgen komplett realisiert werden kann“, so Steffen Soltau. Zurzeit seien die Gewerbehallen in Nutzung, es gebe Mietverträge, die Firma des Eigentümers Moghaddam befinde sich auch in den Hallen. Soltau: „Wir müssen aber jetzt den Bebauungsplan ändern. Das ist ein Verfahren von ein, zwei Jahren. Dann wird man begleitend überlegen, wie man die Funktionen auslagert und wann welcher Abschnitt abgebrochen werden kann. Das Ziel ist, dass das Gewerbe komplett verschwindet und damit das Gelände frei ist für Wohnungsbau.“

Britta Matzen

31.01.2019
31.01.2019