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Stormarn Bürgermeister von null auf 100
Lokales Stormarn Bürgermeister von null auf 100
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10:03 15.10.2018
Steinburgs Bürgermeister Wolfgang Meyer zieht Bilanz nach etwas über 100 Tagen im Amt. Quelle: Dorothea von Dahlen
Steinburg

Seit etwas über 100 Tagen ist der neue Bürgermeister der Gemeinde Steinburg im Amt. Wolfgang Meyer (CDU) und seine Fraktion haben sich einiges vorgenommen für diese Wahlperiode. Er zieht eine Zwischenbilanz.

Herr Meyer, Sie sind jetzt etwas über 100 Tage im Amt, wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Meyer: Die ersten beiden Monate waren sehr anspruchsvoll, zumal ich ja kein Voramt hatte als Gemeindevertreter, sondern sofort ins kalte Wasser gesprungen bin. Ich musste zunächst alle Abläufe kennen lernen und hatte auch den Anspruch, möglichst zu allen, die eine besondere Funktion haben, wie die drei Feuerwehren, Sportverein, Schützenverein oder Theatergruppe Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, was ihre Sorgen und die Nöte sind. Außerdem ist man nicht nur Bürgermeister. Ich sitze in 16 verschiedenen Ausschüssen zusätzlich.

Welche wichtigen Themen stehen demnächst an?

Vorrangig wollen wir das umsetzen, was wir den Wählern zugesichert haben. Da steht jetzt an erster Stelle, dass wir ein Ortsentwicklungskonzept auf den Weg bringen. Wir haben gleich in der ersten Sitzung einen Beschluss erwirkt. Das Ausschreibungsverfahren läuft inzwischen. Wir hoffen, spätestens Anfang des Jahres mit der Arbeit beginnen zu können. Vorgesehen ist, dass wir in Eichede, Mollhagen und Sprenge Einwohnerversammlungen halten, um unsere Bürger mit ins Boot zu holen, damit auch sie Gelegenheit haben zu sagen, wie sie sich die Entwicklung vorstellen und wie Steinburg mal ein Ganzes werden könnte.

Was kommt da wohl konkret zur Sprache?

Zur Debatte steht etwa, wo das neue Feuerwehrhaus in Mollhagen platziert werden soll. Und wir haben da ein ganz gravierendes Problem, dass wir an unserer Nahversorgung arbeiten müssen. Das Lebensmittelgeschäft in Mollhagen wird aus Altersgründen nicht mehr lange betrieben werden. Das Geschäft ist von seiner Größe her für die heutigen Bedarfe nicht mehr rentabel. Die Lebensmittelketten, die als Nachfolger in Frage kämen, gehen von 800 und 1000 Quadratmeter aus, und da bräuchte man schon eine Fläche an einem anderen Standort.

Was ist mit den Sportstätten, gibt es da Nachholbedarf?

Wir haben ja den SV Eichede in Steinburg und die Sportanlage gehört der Gemeinde und wir sind weitestgehend für den Unterhalt zuständig, wobei mit dem SV Eichede ein Pachtvertrag besteht und er auch einiges in eigener Regie regeln muss. Die Anlage ist ganz gut in Schuss. Aber wir machen uns natürlich auch Gedanken über unsere Schulsportanlage und inwieweit man sie verbessern kann. Aber da gibt es noch keine konkreten Pläne.

Welche dringlichen Investitionen stehen in Steinburg an?

Das Feuerwehrhaus zum einen. Wir müssen aber auch überlegen, ob wir in Mollhagen ein Gemeinschaftshaus brauchen, weil man auch dort nicht genau weiß, welche Zukunft die Gaststätte hat, die über einen großen Saal und eine Kegelbahn verfügt. Wenn sie mal eines Tages dicht wäre, fehlte im Ort ein Treffpunkt. Im Rahmen des Ortsentwicklungskonzeptes müssen wir das alles mit betrachten.

Wie ist es um die wirtschaftliche Entwicklung Steinburgs bestellt?

Unsere kleinen Gewerbebetriebe müssen die Möglichkeit bekommen, zu expandieren. Und auch für Neuansiedlungen werden Flächen gebraucht. Ein klassisches Gewerbegebiet haben wir ja nicht, das geht auch nicht. Wir dürfen nur Mischgebiete ausweisen. Da ein neuer Regionalplan aufgestellt wird, könnten wir mit unserem Ortsentwicklungskonzept aber natürlich neue Vorschläge unterbreiten. Wir liegen in einem sehr günstigen Gebiet zwischen zwei Landes-Entwicklungsachsen: Das eine ist die A 1 Hamburg-Lübeck und das andere die A 21 von Kiel bis Bargteheide, aber auch weitergedacht bis zur A 24. Wenn man sich ansieht, welche Bedingungen an Gewerbegebiete gestellt werden, wären wir in der Lage, auch eins auszuweisen.

Gibt es Ambitionen, neuen Wohnraum in Steinburg zu schaffen?

Wir sprechen uns für ein moderates Wachstum aus. Immer dann, wenn man ad hoc ein großes Gebiet ausweist, und es kommen 20, 30 Kinder dazu, und alle wollen in den Kindergarten, dann ist darauf keine Gemeinde vorbereitet. Bei uns geht es aber um den Lückenschluss. Wir wollen jungen Steinburgern den Wunsch nach einem Eigenheim erfüllen. Es werden aber zurzeit durchaus auch Mietshäuser gebaut wie in der Hauptstraße in Mollhagen. Dort stehen bereits drei, ein viertes wird gerade errichtet.

Apropos Kita, wie sieht es mit der Kinderbetreuung aus?

Wir haben 120 Kita-Plätze mit sieben Gruppen, die belegt sind. Und dennoch haben wir Kinder, die woanders hingehen müssen. Diese Kosten trägt die Gemeinde ja auch. Im Krippenbereich haben wir zwei Gruppen, wir könnten noch erweitern. Aber die Gemeinde muss 52 Prozent tragen und die Eltern in Mollhagen 42 Prozent. Diejenigen, die die Gesetze gemacht haben, kommen mit einem relativ kleinen Anteil davon. Das bringt jede Gemeinde in Schwierigkeiten. Insofern sind wir froh, dass die Landesregierung das ändern will. Es wäre sehr gut, wenn das Land die Personalkosten tragen würde.

Wie ist die Haltung der Gemeindevertreter zum Bau von Windanlagen in Ortsnähe?

Der jetzt vorliegende zweite Entwurf des Regionalplans hat einige positive Aspekte gebracht. So sind die Vorrangflächen, die im Bereich Mollhagen lagen, alle raus. Stattdessen ist jetzt eine Fläche in Eichede, die eigentlich Landschaftsschutzgebiet ist und im ersten Entwurf gar nicht enthalten war, plötzlich drin. Dann haben wir Sorge um das Ensemble der Kirche mit dem Anger und der Feldsteinmauer, eine so genannte Kulturlandschaft prägende Sachgesamtheit, die im Juli 2016 in die Denkmalliste des Landes aufgenommen wurde. Es muss abgewogen werden, ob sich das mit den gar nicht so weit weg stehenden Windkraftanlagen verträgt. Dazu werden wir sicher noch Stellung beziehen.

Wie steht es um die Finanzlage Steinburgs?

Sie ist recht eng. Wir haben da noch einige Altlasten abzutragen. Wir werden in diesem Jahr mit 237 000 Euro ins Minus gehen, vielleicht verändern wir noch etwas. Wir haben aber so gut wie keine Einsparmöglichkeiten. Man hat die Sitzungsgelder gekürzt, man hat die Leistungen an Vereine wie etwa die Pro-Kopf-Förderung von Kindern im Sport reduziert. Das ist inzwischen aber wieder rückgängig gemacht worden.

Wo drückt sonst noch der Schuh in Steinburg?

Wir haben in unsere eigene Kläranlage in der vergangenen Wahlzeit einen Scheibeneindicker eingebaut. Das geschah aus Kostengründen, weil damit weniger Wasser transportiert werden muss. Wir kommen aber jetzt in die Lage, dass die Landwirte nicht mehr genug ausbringen dürfen, und damit wird es auch schwieriger, den Klärschlamm zu entsorgen. Es werden Abnehmerprobleme entstehen. Man kann hoffen, dass nach der Erneuerung der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld dort auch Klärschlamm thermisch behandelt werden kann. Bis dahin wird es schwierig sein.

Welche Vorlieben hat der Privatmensch Meyer?

Ich habe sehr viel Spaß an Reisen. Im September war ich mit meiner Frau auf Wandertour im Bayerischen Wald. Im Augenblick ist aber alles andere in den Hintergrund gedrängt. Ich widme mich voll und ganz der neuen Aufgabe und lebe sie - wie man so sagt. Es ist eine gute Sache, sich in den Dienst der Gemeinde zu stellen, Dinge mit zu entwickeln und zu entscheiden und für ein gutes Miteinander einzutreten. Zudem haben wir in der Gemeinde viele Leute, die sich ehrenamtlich sehr engagieren und viele tolle Ideen einbringen. Es gilt sie zu würdigen und ihre Ideen aufzugreifen. Was für mich persönlich auch weiterhin sein muss, ist Sport. Ich gehe zwei- bis dreimal die Woche ins Fitnessstudio zum Kraft- und Ausdauertraining.

Hochzeit zu dritt

Steinburg besteht aus den drei Ortsteilen Eichede, Mollhagen und Sprenge. Die zunächst eigenständigen Dörfer schlossen sich im Zuge der in ganz Schleswig-Holstein vollzogenen kommunalen Neuordnung in den 1970er Jahren zusammen. Damals wurde eine so genannte Kopfprämie von 100 D-Mark für jene Gemeinden in Aussicht gestellt, die sich freiwillig zusammenschließen. Außer den drei Orten stand zunächst auch Todendorf als Partner zur Debatte. Doch Ende 1976 fiel das Votum zugunsten der jetzt gültigen Dreierkombination aus.

Der Name der neu gebildeten Gemeinde, Steinburg, geht auf die Flurbezeichnung eines Waldgebiets zurück, an das alle drei Dörfer grenzen. Auf diesen Begriff einigten sich die Gemeindevertreter damals mehrheitlich. Für Irritation sorgte die Bezeichnung indes, da es den Namen in Schleswig-Holstein mehrfach gibt. Deshalb bestanden die Einzelgemeinden auch darauf, die alten Dorfnamen zumindest klein auf den jeweiligen Ortsschildern zu vermerken.

Dorothea von Dahlen

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