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Stormarn „Nicht nur meckern, sondern handeln“
Lokales Stormarn „Nicht nur meckern, sondern handeln“
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10:17 13.05.2013
Von Kerstin Kuhlmann-Schultz
So kennen sie nicht viele Stormarner: Kreispräsidentin Christa Zeuke an ihrem Schreibtisch im Kreishaus. Vielen haben sie eher als Rednerin und Gesprächspartnerin auf Veranstaltungen vor Augen. Quelle: Fotos: kks
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Irgendwann ist einfach Schluss: Christa Zeuke, die noch als Kreispräsidentin des Kreises Stormarn aktiv ist, tritt zur Kreiswahl nicht mehr an, zieht sich aus der Politik zurück. Die Christdemokratin gibt damit ein Amt auf, das sie seit April 2003 inne hatte, dem sie durch ihre Art ein ganz besonderes Gesicht und eine Popularität gegeben hat.

Damit geht eine Frau, die natürlich sachlich kompetent für die korrekten Abläufe bei den Kreistagssitzungen zuständig ist, damit geht aber auch eine Frau, die durch ihre direkte und unverblümte Art kreisweit Akzeptanz genießt, eine Frau mit Humor, eine Frau, die für die Sache kämpft und sich einsetzt. Und die immer fest daran glaubt, dass es sich lohnt, sich zu engagieren.

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„Nicht nur meckern, sondern handeln“, lautet einer ihrer Wahlsprüche. Den sie schon früh selbst umsetzt: Kaum als junge Familie 1974 in Neuschönningstedt angekommen, tritt Christa Zeuke gemeinsam mit ihrem Mann Manfred in die CDU ein — und wird aktiv. Als CDU-Mitglied in der Stadt Reinbek, seit 1982 als Mitglied des Stormarner Kreistages.

Zeuke, die pensionierte Lehrerin, erinnert sich gerne an ihren Einzug in den Kreistag. „Die CDU hatte den Wahlkreis noch nie gewonnen“, mit ihr war es möglich. Gleichzeitig muss sich die Politikerin aber von ihrem Mandat für die Stadtvertretung verabschieden. „Ich konnte nur eine Sache machen“, so umtriebig sie auch ist. Ihr erstes Aufgabenfeld ist der Schul- und Kulturausschuss, später wechselt sie in den Ausschuss für Soziales und Gesundheit. Die Mutter von zwei Kindern, die Oma von vier Enkeln, ist in die Politik gegangen, „um das zu gestalten, was einem am Herzen liegt“. Sie ist kein Mensch, der dafür auf die Barrikaden geht, das ist ihre Sache nicht. Ihr liegt die sachliche Auseinandersetzung, und ja, sie lässt sich auch von einer anderen Meinung überzeugen.

„Ich rede mit jedem, mir rutscht auch manchmal etwas raus. Wenn ich jemandem auf die Füße getreten bin, das ist durchaus passiert, dann haben wir das immer geklärt.“ Wer sie kennt, weiß das, wer sie nicht kennt, hat jetzt nicht mehr viel Zeit, das festzustellen. Als bodenständige Repräsentantin des Kreises ist sie viel unterwegs, im Schnitt eine Veranstaltung pro Tag — wohlgemerkt als Ehrenamtlerin. Mal mit, mal ohne Landrat Klaus Plöger (SPD) an ihrer Seite oder sie an seiner, je nach Betrachtungsweise. Mal mit einer Rede von ihr, mal mit einer von ihm. „Wir sprechen uns vorher ab“, oft besucht sie Veranstaltungen aber auch ohne ihn.

Gerade bei Terminen außerhalb des Kreises„fragen wir uns immer, was bringt es für Stormarn, bringt es Stormarn voran.“ Und das ist zeitintensiv, ein künftiger Kreispräsident muss das wissen. Bei Christa Zeuke pulsiert dafür eine extrem dicke Lebensader, es geht bei ihr nicht ohne Engagement. Hinzu kommt, sie hat Zeit. „Wer das machen will, darf ansonsten keinen Beruf haben“, lacht sie.

Dabei genießt die agile CDU-Frau, die kraft ihres Amtes auch Schirmherrin des Deutschen Kinderschutzbundes Stormarn ist, durchaus auch ruhige Stunden zu Hause mit ihrem Mann Manfred. Der tummelt sich nicht aktiv in der Politik, ist ihr aber ein guter Zuhörer, wenn sie mit Neuigkeiten nach Hause kommt. Stark in Erinnerung ist Zeuke die Kreistagssitzung mit heftig protestierenden Eltern, die sich gegen eine Übernahme der Schulbuskosten wehrten. Da war ihr ganzes Feingefühl gefragt. „Das war wahnsinnig umstritten, der Saal war proppenvoll, viele Kinder waren dabei“, erinnert die Frau mit der durchsetzungsfähigen Stimme. „Der Landrat hat zu mir gesagt, nun sehen Sie mal zu, wie Sie da durchkommen“, Zeuke will auf Eskalation durch einen Polizeieinsatz verzichten. Also keine Räumung des Kreistagssitzungssaales, sondern eine Verlängerung der Einwohnerfragestunde, bis alles gesagt ist. „Dann sind die Menschen ruhiger, sie sind ihren Frust los.“ Aber die Kinder werden unruhig, Zeuke unterbricht die Sitzung. „Ein kleiner Junge ging an mir vorbei und sagte Danke. Das war süß“.

Es sind auch Momente wie dieser, die ihr sagen, sie hat es richtig gemacht. Ganz abgesehen davon, dass der Landrat ihr attestiert — „super gemacht“. Was etwas heißt, „der Landrat lobt nicht so viel.“

Zeuke geht „zum zweiten Mal in den Ruhestand“. Der dann ihr zweiter Unruhestand ist: Sie bleibt Vorsitzende der Seniorenunion Reinbek und würde einen Platz als bürgerliches Mitglied in der Kreistagsfraktion annehmen. „Da wird noch so einiges kommen, denn ohne wird es nicht gehen.“ Also ist doch noch nicht ganz Schluss.

Kerstin Kuhlmann-Schultz