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Stormarn Diskussion zum Bürgerentscheid
Lokales Stormarn Diskussion zum Bürgerentscheid
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14:12 21.03.2019
Viele Einwohner waren zur Info-Veranstaltung gekommen, um Fragen zu stellen. Quelle: Bettina Albrod
Nienwohld

In der 500-Einwohner-Gemeinde Nienwohld spaltet der geplante Bau eines Mehrfamilienhauses den Ort. Die Gemeinde hat im Neubaugebiet Honbrook, wo Einzel- und Doppelhäuser gebaut werden, ein Grundstück gekauft und mit dem Bau eines Hauses begonnen, das fünf Zwei-Zimmer-Wohnungen bieten soll. Hier sollen zum einen Senioren in barrierefreien Wohnungen bezahlbaren Wohnraum finden, zum anderen junge Menschen, die selbstständig wohnen wollen. Dafür will die Gemeinde 860 000 Euro anlegen, die mit 400 000 Euro Eigenkapital und zusätzlichen Fremdmitteln finanziert werden.

Bürgermeister Thomas Manke stellte die Argumente für den Bau eines Mehrfamilienhauses vor. Quelle: B.Albrod

Gegen diese Pläne hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die genügend Unterschriften gesammelt hat, um einen Bürgerentscheid für den 7. April zu erwirken. Die Mitglieder der „BI Bürgerentscheid Nienwohld“ kritisieren, dass sie unter der Voraussetzung am Honbrook gebaut hätten, dass es sich um ein reines Einzel-/Doppelhausgebiet handele und sie nun im Nachhinein vor veränderte Tatsachen gestellt würden. Auch gebe es keinen Bedarf für die Wohnungen. Das Projekt sei für die Gemeinde nicht wirtschaftlich, zumal eine Studie zur Bevölkerungsentwicklung bis 2030 eine Landflucht vorher sage. Am Mittwoch hatten beide Lager bei einer Einwohnerinformationsrunde vor voll besetztem Saal noch einmal die Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen. Bis zur Entscheidung wurde ein Baustopp verhängt.

Nicht genügend Feuerwehrleute im Ort

„Die Gemeindevertretung will das Wohnprojekt und hat es einstimmig beschlossen“, erklärte Bürgermeister Thomas Manke von der Aktiven Wählergemeinschaft Nienwohld (AWN). Immer mehr junge Menschen zögen weg, zuletzt hätten sieben junge Einwohner die Feuerwehr verlassen. „Das ist eine Sicherheitsfrage. Jede neue Wohnung holt auch neue Feuerwehrleute.“ Der Ort müsse wachsen, weil angesichts des demografischen Wandels immer weniger Menschen berufstätig würden und dann keine Einkommensteuer mehr zahlten. Auch bestehe der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum im Ort. Wenn die Gemeinde selber baue, könnten Negativzinsen für die Ersparnisse vermieden werden. „Wir investieren in Betongold. Es ist auch eine Frage der Solidarität, bezahlbaren Wohnraum anzubieten.“

Thomas Raudonat und Ruth Abels vertraten die Interessen der Bürgerinitiative. Quelle: B.Albrod

Den hält Thomas Raudonat von der Bürgerinitiative für überflüssig. Ältere Leute und junge Menschen wollten nicht auf dem Dorf ohne Infrastruktur wohnen, sondern in der Stadt. Er kritisierte, dass es vor dem Baubeginn keine Bedarfsanalyse gegeben habe, und fürchtet, dass es Leerstände geben wird. „Studien sagen voraus, dass bis 2030 rund 17 Prozent der jungen Leute vom Land wegziehen werden.“ Seine Mitstreiterin Ruth Abels kündigte an, dass demnächst ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des Projekts, das sie selbst in Auftrag gegeben hätten, auf ihrer Internetseite veröffentlicht werde.

Meinung im Ort ist geteilt

Die Besucher im Saal waren geteilter Meinung. „Wenn die Gemeinde das Grundstück wieder verkaufen muss, kann dann ein neuer Investor genauso planen?“, lautete eine Frage, die mit Ja beantwortet wurde. Bei der Frage nach Folgekosten im Falle eines endgültigen Baustopps erklärte Manke, dass sich das nach den Schadenersatzforderungen der beteiligten Gewerbe richte. Derzeit gehe man von 200 000 Euro aus. Ein Teil der Bürger kritisierte die mangelnde Transparenz; man habe erst aus der Zeitung von dem Projekt erfahren. „Demokratie ist keine Bringschuld“, konterte Ex-Bürgermeisterin Doris Schulz, bei den entscheidenden Sitzungen sei kein einziger Bürger gekommen. Auf das Argument, dass man das Geld lieber zur Ertüchtigung der Gehwege nutzen sollte, erwiderte der Bauausschussvorsitzende Daniel Grave, dass der Auftrag dafür gerade raus sei.

Andere warfen der Bürgerinitiative Fehlinformation vor, weil sie so tue, als könne man das Geld für einen Radweg nach Sülfeld ausgeben. Der ist als die Kreisgrenze überschreitendes Projekt aber nicht ohne Weiteres zu bauen. „Das Haus wird so groß wie ein Doppelhaus“, erklärte ein Bürger. „Wo liegt das Problem?“ Auch gebe es sehr wohl Interessenten für die Wohnungen. Das konnte Manke bestätigen. Am Ende bedankte Amtsvorsteher Herbert Sczech, der den Abend moderiert hatte, sich für die sachliche Diskussion. Wenn der Bürgerentscheid vorliege, wollten sie sich nach dem Bürgerwillen richten, versicherten beide Seiten. „Ein Bürgerentscheid hat zwei Jahre Gültigkeit“, so Sczech.

Bettina Albrod

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