Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Ohne Knicks ist es an der A 1 sehr laut
Lokales Stormarn Ohne Knicks ist es an der A 1 sehr laut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 20.08.2015
Von seinem Haus im Pölitzer Herrenhof hat Ulrich Bargholz einen prima Blick auf die Autobahn 1 — dauerhaftes Rauschen und Rumpeln eingeschlossen.
Von seinem Haus im Pölitzer Herrenhof hat Ulrich Bargholz einen prima Blick auf die Autobahn 1 — dauerhaftes Rauschen und Rumpeln eingeschlossen. Quelle: Fotos: Dorothea von Dahlen
Anzeige
Meddewade

Einige Bürgermeister des Amtes Bad Oldesloe-Land haben die Nase voll — oder besser gesagt die Ohren: Sie wollen dem ständigen Verkehrslärm, der von der A

1 zu ihren Dörfern herüberschallt, nicht mehr länger tatenlos zuhören und fordern ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern zwischen Reinfeld und Bargteheide. An der Spitze des Protest steht Marleen Wulf aus Meddewade.

„Ich werde ständig von Leuten im Ort angesprochen, dass es so laut ist“, klagt die Bürgermeisterin. Der Krach hat ihrzufolge zugenommen, als mit der Sanierung der Autobahn begonnen wurde. „Damals hat man uns den gesamten Knick entfernt, der wie eine Lärmschutzwand gewirkt hat. Seitdem schallen die Geräusche bis in unser neues Wohngebiet hinein“, klagt Marleen Wulf. Ruhe gebe es eigentlich nur noch, wenn Stau ist. Selbst nachts seien die Lkw-Kolonnen unterwegs, so dass mancher Meddewader kein Auge zubekomme.

Auf dieses Problem hatte schon Horst Gehrke aus Benstaben in den LN hingewiesen, als die A 1 vor zwei Jahren saniert wurde. Der Knick müsse entfernt werden, um Platz für Entwässerungsleitungen zu schaffen, hieß es damals. Da sich die Beschwerden inzwischen häufen, hat Marleen Wulf das Problem jetzt in der Bürgermeisterrunde angeschnitten und darauf gedrängt, dass sich alle gemeinsam für den Schutz der Bevölkerung einsetzen. „Sonst hat das gar keinen Zweck“, sagt sie.

Im Amt Bad Oldesloe-Land werden nun Vorbereitungen getroffen, um einen gemeinschaftlichen Beschluss fassen zu können. Der Leitende Verwaltungsbeamte Steffen Mielczarek hat zudem schon Kontakt zu anderen Anrainergemeinden der A 1 im Amt Bargteheide-Land aufgenommen. Auch die Bewohner von Todendorf und Hammoor sind offenbar genervt vom Dauerlärm der Schnellstraße.

Mit ihrem Vorstoß rennt Marleen Wulf in vielen Orten offene Türen ein. „Die Lautstärke hat eigentlich schon mit den Jahren zugenommen. Seit der neue Fahrbahnbelag aufgebracht wurde, ist es aber unerträglich“, erzählt etwa Marlies Holst aus Pölitz. Sie betreibt einen Hühnerhof unweit der A 1. Das Wohnhaus nebenan hat sie mittlerweile vermietet und ist in die Ortsmitte gezogen. Wegen der ständigen Geräuschkulisse habe sie den Mietpreis um 300 Euro senken müssen. „Auch das Haus der Schwiegermutter gegenüber, das eigentlich in gutem Zustand ist, konnten wir nur mit Verlust verkaufen“, klagt die Pölitzerin. Sie ärgert sich besonders über rücksichtslose Motorradfahrer, die nachts über die A 1 heizen und ihre Maschinen dabei aufheulen lassen.

Als „dauerhafte pfeifend“ beschreibt Lasbeks Bürgermeister Harald Lodders das Geräusch, das in den Ort hineinweht, wenn Fahrzeuge über den aufgerauten Belag der A 1 rasen. Sein Leid klagt auch Landwirt Hans-Christian Rienhoff aus Benstaben, dessen Hof nur 80 Meter von der Autobahn entfernt liegt. „Die Belastung hat deutlich zugenommen. Wenn erst die Fehmarnbeltquerung kommt, wird es noch schlimmer“, sagt er.

Einen Versuch, die Lage der Anrainergemeinden zu verbessern, hatten die Bürgermeister im Amt Bad Oldesloe-Land schon vor zwei Jahren unternommen, als über den Lärmaktionsplan diskutiert wurde. Ihre Vorschläge wurden aber alle abgeschmettert. Lasbek hatte etwa gefordert, auf beiden Seiten der A 1 Lärmschutzwände zu errichten, um die dies- und jenseits der Schnellstraße gelegenen Ortsteile abzuschirmen. Eine einzige Schutzwand zu errichten bringe nichts, da der Schall zur gegenüberliegenden Seite dann noch stärker reflektiert werde, hieß es.

„Dass der Bund für uns Lärmschutzwände aufbauen wird, glaube ich nicht, weil das wohl zu teuer ist“, sagt indes Marleen Wulf. Auch auf den Einbau eines leiseren Belags werde sich niemand einlassen, da die A 1 gerade erst saniert wurde. Deshalb komme nur das Tempolimit in Frage. Es sei mit geringen Mitteln rasch zu realisieren. Gut wäre es, wenn auch Gemeinden aus Nordstormarn und Bargteheide-Land mitziehen. „Ich denke, ein solches Tempolimit müsste bis nach Bargteheide gelten, sonst hat es keinen Sinn“, sagt Wulf und stößt damit auf offene Ohren.

Dorothea von Dahlen