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Stormarn Industriegleis: Ampel bleibt defekt
Lokales Stormarn Industriegleis: Ampel bleibt defekt
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13:34 16.07.2019
Das Industriegleis wird nicht mehr genutzt, die Ampelanlage ist defekt und wird nicht repariert. Radfahrer müssen manchmal länger hier warten, um über die Straße zu kommen. Quelle: mc
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Bad Oldesloe

Peter Anklam, passionierter Radfahrer aus Bargteheide, machte seinem Ärger jüngst im Verkehrsausschuss des Kreises Luft. Der Radweg entlang der Landesstraße 82 (ehemals B 75) zwischen Bargteheide und Ahrensburg sei in einem erbärmlichen Zustand. Er beklagte, dass zu wenig für die Radfahrer getan werde – und führte das in Stormarn immer sehr erfolgreiche Stadtradeln als Beleg dafür an, dass das Interesse am Radfahren groß sei.

Anklam – selbst jahrelang SPD-Stadtvertreter in Bargteheide – kritisierte zudem den immer noch nicht vollendeten Bau des Radwanderweges von Bad Oldesloe nach Trittau (knapp 25 Kilometer insgesamt) sowie den gefährlichen Übergang im Verlauf der Radstrecke von Bad Oldesloe Richtung Grabau an der viel befahrenen B 75 bei Blumendorf. „Die Ampel ist dort seit Jahren defekt“, sagte Anklam.

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Meike Langenbach aus der Bauverwaltung des Kreises klärte auf: „Die Ampelanlage ist verknüpft mit dem Industriegleis, das wiederum seit Jahren nicht genutzt wird.“ Die Technik sei defekt, läge in der Zuständigkeit der Stadt Bad Oldesloe.

Anlage bleibt außer Betrieb

Diese wiederum verfolgt derzeit keine Bestrebungen, die Ampel für Radfahrer oder vereinzelte Fußgänger wieder in Betrieb zu nehmen. „Es gibt einen politischen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, die Anlage nicht zu reparieren“, erklärt der Oldesloer Bürgermeister Jörg Lembke auf LN-Anfrage. Das Gleis sei 2017 gesperrt worden, weil sich Stadt und der damals einzige Nutzer – die Firma Arcelor Mittal im Rögen – nicht auf eine Kostenverteilung einigen konnten.

So geht es weiter mit dem Industriegleis

Das Oldesloer Industriegleis wurde 2016 zunächst gesperrt und dann stillgelegt (aber noch nicht entwidmet), weil seit Jahren lediglich ein Unternehmen – die Stahlfirma Arcelor Mittal – das Gleis nutzte. Hierdurch war der Betrieb stark defizitär. „Die Stadt Bad Oldesloe musste circa 50 000 Euro pro Jahr aufbringen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, erklärt Bürgermeister Jörg Lembke. Gespräche über höhere Nutzungsgebühren seien dann erfolglos verlaufen.

2018 führte eine Initiative der Landtagsabgeordneten und Stadtverordneten Anita Klahn (FDP) dazu, dass erneut Gespräche mit Arcelor Mittal aufgenommen wurden. „Das Verladen der Ware auf Lkw gestaltete sich deutlich schwieriger als zunächst angenommen“, Lembke.

Mit Hilfe des Kieler Wirtschaftsministers Bernd Buchholz (FDP) wurden dann mehrere Gespräche geführt, in deren Verlauf auch die Möglichkeit von Fördermitteln für die Ertüchtigung des Industriegleises erörtert wurde. Auch der Kreis Stormarn und die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) zeigten sich bereit, Zuschüsse für die erneute Inbetriebnahme zu übernehmen.

Am Ende dieses Prozesses stand dann ein erneuter Beschluss der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung, das Gleis unter bestimmten Bedingungen wieder in Betrieb zu nehmen. Lembke: „Die Stadt Bad Oldesloe übernimmt einmalig maximal 50 000 Euro. Der Eisenbahnbetreiber AKN übernimmt das Gleis in Form eines Betriebsführungsvertrages, das heißt die Stadt Bad Oldesloe bleibt Eigentümer, aber die AKN betreibt das Gleis mit allen Risiken und Vorteilen.

Die Verhandlungen hierzu laufen laut Bürgermeister Lembke noch. „Es wäre im Erfolgsfalle aber geplant, die Ertüchtigung 2020 durchzuführen.“

„Nach Sperrung des Gleises haben wir die Ampelanlage, sozusagen als Service für weitere Nutzer, aufrechterhalten“, so Lembke weiter. „Es bestand aber von vorneherein die Absicht, die Anlage im Falle eines Defektes nicht mehr zu reparieren. Mittlerweile ist die Anlage ausgefallen und wird wie geplant nicht mehr in Betrieb genommen.“

Radfahrer müssen hier warten, bis gerade mal kein Auto kommt. Der Radwanderweg führt auf einer alten Bahntrasse über Grabau bis nach Henstedt-Ulzburg. Quelle: mc

Das werde erst dann wieder der Fall, wenn die Gespräche zur Reaktivierung des Industriegleises erfolgreich verliefen. Arcelor Mittal hat nämlich wieder Interesse signalisiert, es geht nun um die Finanzierung. Allerdings haben verschiedene Seiten bereits ihre Unterstützung bekundet (siehe Beistück).

Auch der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) als zuständige Behörde für die Bundesstraße plant keine Reaktivierung der Ampelanlage. Das erklärte auf Nachfrage LBV-Sprecherin Dagmar Barkmann.

Sprenger Flächenbesitzer wird enteignet

Während dieser Weg auf einer alten Bahntrasse nach Henstedt-Ulzburg führt, wird auch der Radweg von Bad Oldesloe nach Trittau immer stärker genutzt. Nur in Sprenge muss der Radler die Strecke verlassen und einen Bogen fahren, um dann wieder auf den Weg – ebenfalls eine alte Bahntrasse – zu gelangen. Schon seit Jahren kämpft der Kreis für einen Lückenschluss, allerdings auch gegen den Widerstand eines Grundstücksbesitzers. Die Flächen sind essentiell für den Radweg, deshalb kommt es nun zu einem Enteignungsverfahren.

Kreis setzt sich für Radwege ein

Außerdem hat der Kreis vor kurzem beschlossen, sich mehr für Radfahrer einzusetzen. Auf Antrag der CDU verabschiedete der Verkehrsausschuss einstimmig eine Aufforderung an die Landesregierung, eine große Strategie und Planung für die Mobilität auf zwei Rädern vorzulegen. Auch die Förderung von Radweg-Sanierungen solle wieder einfacher werden.

Achtung Bahnverkehr! Ein Schild warnt Autofahrer vor möglicherweise kreuzenden Zügen. Auch die Andreaskreuze stehen noch am Übergang. Quelle: mc

Markus Carstens