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Stormarn Rentenberatung: Ansturm auf die Ehrenamtler
Lokales Stormarn Rentenberatung: Ansturm auf die Ehrenamtler
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09:00 27.01.2019
Die Oldesloer Versichertenältesten Jürgen Kröger und Veronika Knödler. Quelle: hfr
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Bad Oldesloe

Nach dem Abzug der Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Nord am Oldesloer Bahnhof vor einem Jahr bekommen die ehrenamtlichen Berater immer mehr zu tun. Die Rentenversicherung hat eigens für Bad Oldesloe zwei neue sogenannte Versichertenälteste gewinnen können: Veronika Knödler und Jürgen Kröger.

Beide bringen durch ihre jeweilige berufliche Erfahrung viel Fachwissen in ihre Tätigkeit ein. Kröger war bei der Gewerkschaft Verdi beschäftigt, Knödler bei einer Krankenkasse. „Wir haben gut zu tun, vor allem seitdem die Beratungsstelle in Bad Oldesloe weggefallen ist“, sagt Kröger. „Außerdem kommen jetzt die geburtenstarke Jahrgänge ins Rentenalter.“ Die DRV hatte ihren letzten verbliebenen Standort in Stormarn aus Kostengründen Ende 2017 geschlossen. In die Räume zieht nun die Ausländerbehörde der Kreisverwaltung. Die fünf Mitarbeiter der Rentenversicherung wechselten nach Auskunft der DRV alle nach Lübeck.

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Die DRV Nord greift mittlerweile sehr gern auf die Ehrenamtler zurück. „Es gibt derzeit fünf Versichertenälteste der Deutschen Rentenversicherung Nord im Kreis Stormarn, vor fünf Jahren waren es noch zwei Personen, die in unserem Auftrag ehrenamtlich Versicherte beraten haben“, teilt Pressesprecher Sebastian Bollig auf Anfrage mit. „Es gibt darüber hinaus auch von der DRV Bund so genannte Versichertenberater. Diese haben die gleiche Funktion und Aufgabe wie bei uns Versichertenälteste, nur heißen sie anders.“ Auch hier sind inzwischen mehr Ehrenamtler im Einsatz.

Vor gut einem Jahr gab die Rentenversicherung Nord den Standort Bad Oldesloe auf. Quelle: mc

Veronika Knödler und Jürgen Kröger bieten jeden Dienstag einen Sprechtag im Büro der Gewerkschaft Verdi, Bahnhofstr. 46, in Bad Oldesloe an. Sie sind Ansprechpartner für Menschen in der Kreisstadt, wenn es um Fragen zur gesetzlichen Rente geht. „Als ehrenamtlich Tätige beraten wir kostenlos Versicherte zu Fragen der Antragsstellung einer Alters- und Erwerbsminderungsrente“, erläutert Veronika Knödler. Witwen, Witwern und Waisen werden von Veronika Knödler und Jürgen Kröger zudem beim Stellen von Anträgen auf Hinterbliebenenrente unterstützt. Sie helfen beim Ausfüllen der Anträge und leiten diese direkt an die Rentenversicherung weiter.

Veronika Knödler betont: „Wir nehmen uns immer sehr viel Zeit, um für alle Ratsuchenden eine kompetente Beratung zu gewährleisten.“ Beide haben vor rund einem Jahr einen mehrtägigen Einführungslehrgang absolviert, um die Antragsteller kompetent beraten zu können.

Für Beratungsgespräche wird vorab um Terminvereinbarung gebeten. Jürgen Kröger ist telefonisch unter 04531/ 88 78 544 erreichbar, Veronika Knödler unter der Telefonnummer 04531/ 66 75 23. „Nach Absprache vergeben wir auch Termine an anderen Wochentagen oder machen Hausbesuche“, sagt Veronika Knödler.

Tipps zum Antrag

Der Versichertenälteste Helmut Uder aus Reinbek gibt einige Tipps für den Rentenantrag: Rund drei Monate, bevor die Altersrente beginnen soll, wird der Rentenantrag gestellt. Dabei prüft der Versichertenälteste an Hand des Versicherungsverlaufs, ob alle Daten vollständig sind. „Ist die berufliche Ausbildung in der Rentenversicherung enthalten? Dann steht unter dem Wort ,Pflichtbeitrag‘ der Zusatz ,für berufliche Ausbildung‘. Das ist wichtig, weil die Zeiten der beruflichen Ausbildung höher bewertet werden“, erklärt Helmut Uder. Oder etwa bei Frauen: Sind die Pflichtbeiträge für Kindererziehungszeiten eingetragen? Für ab 1992 geborene Kinder gibt es drei Rentenjahre. Das entspricht im Moment einer monatlichen Rente von 96 Euro. Uder: „Also gibt es für drei Kinder eine monatliche Rente von 288 Euro.“ Im übrigen: Eine Frau, die nicht gearbeitet hat, aber zwei Kinder vor 1992 geboren hat, kann eine Rente beziehen, wenn sie für ein Jahr den monatlichen Mindestbeitrag von 83,70 Euro für freiwillig Versicherte einzahlt.

Mehr Anfragen als noch vor einem Jahr verzeichnen auch die anderen ehrenamtlichen Berater in Stormarn, zum Beispiel Helmut Uder aus Reinbek. Hier haben einige andere Ehrenamtler in der Umgebung ihre Funktionen abgegeben, ohne dass ein Nachfolger gefunden wurde. „Der Andrang ist immer noch sehr groß“, sagt Uder, der im Jahr 2018 rund 370 Anträge bearbeitet hat – bei einer wöchentlichen Sprechstunde.

Markus Carstens

29.01.2019
27.01.2019