Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Brutaler Überfall auf 40-Jährigen – Prozessbeginn
Lokales Stormarn Brutaler Überfall auf 40-Jährigen – Prozessbeginn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:54 17.12.2018
Tatort Oldesloer Innenstadt: In einem der Häuser in der Hagenstraße fand der Überfall statt. Quelle: mc
Anzeige
Bad Oldesloe/Lübeck

Vier junge Männer auf der Anklagebank, acht Justizvollzugsbeamte um sie herum, mehrere Verteidiger, die Nebenklage mit dem Opfer sowie volle Zuschauerränge: So voll wie gestern ist der Saal 315 im Lübecker Landgericht selten.

Den Männern im Alter von 20 bis 23 Jahren wird vorgeworfen, einen 40-jährigen Oldesloer in dessen Wohnung überfallen zu haben. Zwei von ihnen waren aktiv an der Tat beteiligt, während sich die beiden anderen im Hintergrund aufhielten. Angeklagt sind alle nun unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubs und Körperverletzung. Zwei von ihnen kommen aus Hamburg, die beiden anderen aus Schwerin.

Anzeige

Offenbar hatte das räuberische Quartett – bei der Polizei ohnehin schon länger bekannt – sein Opfer bereits im Vorwege ausgekundschaftet. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vermuteten die Männer bei dem 40-Jährigen 600 000 Euro und mehrere Rolex-Uhren. Möglicherweise waren die mutmaßlichen Täter davon ausgegangen, dass es sich bei dem Mann um einen hochrangigen Banker handelt – was jedoch nicht zutreffend ist. Der Mann ist Angestellter bei einem Oldesloer Unternehmen.

Überfall vor der Wohnungstür

Am Morgen des 13. März wollte sich der 40-Jährige auch gerade auf den Weg zur Arbeit machen, als er vor seiner Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus in der Hagenstraße von zwei Männern attackiert wurde. Die beiden waren durch die Tiefgarage in das Gebäude gelangt, wie einer der Angeklagten berichtete. Die beiden anderen und möglicherweise weitere Mittäter saßen in zwei Autos auf einem Parkplatz in der Nähe und hielten über Funkgeräte Kontakt. Handys waren ihnen zu unsicher, weil man diese orten könne.

Die beiden Männer, ein Deutsch-Iraker und ein Brasilianer, drängten ihr Opfer in dessen Wohnung, warfen es zu Boden und fesselten es. Als der 40-Jährige sich weigerte, ihnen den Code für seinen Tresor zu geben, wurde er ins Gesicht geschlagen; anschließend holte der Brasilianer, der auch in seiner Gang nur „Der Brasilianer“ genannt wurde, ein Küchenmesser mit etwa 20 Zentimeter langer Klinge und stieß damit leicht gegen den Oberkörper des Opfers.

So unter Druck gesetzt, gab der Mann seinen Peinigern den Code für den Tresor. Darin fanden sie jedoch nicht die erhoffte Menge Bargeld und auch keine Uhren, sondern unter anderem zehn Goldmünzen im Wert von jeweils etwa 600 Euro. Außerdem stahlen sie diverse Bankkarten inklusive der Pin-Nummern, Handy sowie Autoschlüssel und ließen dann ihr Opfer zurück.

Während sich der 40-Jährige selbst befreien konnte und seine Nachbarin informierte, die sofort die Polizei rief, flüchtete die Bande Richtung Hamburg. Die Fahndung der Polizei verlief zunächst erfolglos; allerdings hinterließen die Räuber Spuren an Bankautomaten in Hamburg. Mit den Karten ihres Opfers hoben die Männer dort unterschiedliche Mengen Bargeld ab.

Im Mai schlug die Polizei zu

Am 13. März konnten die Täter noch unerkannt flüchten. Im Rahmen einer großen Fahndung über mehrere Bundesländer wurden sie schließlich im Mai von der Polizei gefasst. Mehrere Zeugenhinweise und umfangreiche Ermittlungen hätten die Polizei damals auf die Spur der Täter gebracht, hieß es von der Polizeidirektion Ratzeburg. Zivilbeamte konnten die Verdächtigen schließlich festnehmen. Seitdem sitzen die vier Männer in Untersuchungshaft.

Vor Gericht wollte nur einer der Angeklagten am Montag Angaben machen. Er ließ über seine Verteidigerin eine Erklärung verlesen, nach der er von seinen Komplizen zu der Tat gezwungen worden sei. Sie hätten gedroht, seinen Pflegeeltern etwas anzutun. Das Opfer aus Bad Oldesloe tritt als Nebenkläger auf. Der Mann hat laut Staatsanwaltschaft bis heute immer noch Angst und ist äußerst schreckhaft. Angesetzt sind zehn Verhandlungstage.

Der Prozess wird am Freitag, 9 Uhr, im Landgericht Lübeck (Schwartauer Allee) fortgesetzt.

 

Markus Carstens

Anzeige