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Stormarn Darum lieben wir unseren Pflegejob
Lokales Stormarn Darum lieben wir unseren Pflegejob
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18:11 10.05.2019
Begeistert von ihrer Ausbildung: die angehenden Pflegeassistenten der Beruflichen Schule Bad Oldesloe. Quelle: mc
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Bad Oldesloe

Der Bedarf an ausgebildeten Pflegefachkräften ist auch im Kreis Stormarn hoch. Die Berufliche Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe reagiert darauf seit mehreren Jahren, in dem sie staatlich geprüfte Pflegeassistenten ausbildet. „Damit verbunden kann unter bestimmten Bedingungen die Erlangung höherer Schulabschlüsse sein“, erklärt Studiendirektorin Kerstin Knieriem. „Leider haben wir feststellen müssen, dass das Image, welches die Pflegeberufe und damit auch die entsprechende Ausbildung in der Bevölkerung haben, nicht gut ist.“

Fast alle der 17- bis 21-Jährigen wollten ursprünglich eine andere Ausbildung machen, sind nun jedoch völlig begeistert von ihrer Wahl. Die meisten hatten großen Respekt vor den Aufgaben, doch die Praxis-Teile in Alten- und Pflegeheim, in der Hauswirtschaft oder auch im Kindergarten sorgte bei allen für neue Blickwinkel. „Der Abschluss eröffnet den jungen Leuten zudem viele berufliche Möglichkeiten“, sagt Klassenlehrerin Doris Busenbender, zugleich Teamsprecherin des Bereichs Pflege bei der Beruflichen Schule.

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Den LN erzählen die künftigen Pflegeassistenten, was sie in den zwei Jahren gelernt haben und was die Ausbildung auch mit ihnen persönlich gemacht hat

Tabea Schudde aus Ratzeburg: „Anfangs hatte ich Angst davor, doch es hat schnell Spaß gemacht. Es ist schön, Leuten zu helfen. Man erfährt viel Dankbarkeit. Wenn man sich Zeit nimmt, hört man viele interessante Geschichten aus dem Leben der Menschen, zum Beispiel aus dem Krieg oder von der eigenen Hochzeit.“

Sara Pingel aus Borstel: „Ich hatte komplett Hemmungen, habe aber schnell gemerkt, dass es schön ist, etwas gutes zu tun. Eine ältere Frau hatte ihr Leben schon aufgegeben, hat dann aber plötzlich doch noch mal weitergekämpft. Mit positiver Energie kann man viel bewirken. Unser Erlerntes können wir auch zu Hause anwenden bei Oma und Opa. Schade, dass viele ältere Pfleger sich nicht mehr so viel Zeit nehmen für die Menschen.“

Liza Feka aus Bad Oldesloe: „Auch ich hatte Berührungsängste, anfangs war es hart. Ich musste auch mit meiner Lehrerin darüber sprechen. Allerdings stimmt auch das Bild, das viele Außenstehende von der Pflege haben, nicht mit der Realität überein. Das Abwischen des Pos macht nur einen kleinen Teil aller Tätigkeiten aus. Man muss auch bedenken, dass es für die alten Leute selbst auch unangenehm ist. Wir haben auch viel gelernt über den Körper, Krankheitsbilder und Ernährung.“

Pauline Priebe aus Ratzeburg: „Die Kommunikation mit den älteren Menschen ist schön. Man erfährt schon viel bei der Grundpflege, also wenn man sie morgens für den Tag vorbereitet. Sie freuen sich oft schon über einfache Dinge.“

Celina Anton aus Bargteheide: „Ich wollte die Ausbildung anfangs überhaupt nicht machen, später auch abbrechen. Vor dem ersten Einsatz hatte ich total Angst. Dann habe ich aber gemerkt, dass es den Menschen total gut tut, wenn sie unterstützt werden und Hilfe erfahren, wenn man einfach mal ihre Hand nimmt. Man lernt durch Gespräche gegenseitig voneinander.

Lina Johannsen aus Borstel: „Es ist ein dankbarer Job. Die alten Leute freuen sich, wenn man sich Zeit nimmt.“

Kim Retzlaff aus Barsbüttel: „Ich war überrascht, wie umfangreich und vielseitig der Beruf ist. Da wir vom Kindergarten bis zum Altenheim alles kennengelernt haben, konnten wir auch alle Phasen des Menschen nachvollziehen. Nach den Praktika war ich immer sehr traurig, dass es zu Ende war.“

Viona Möller aus Bad Oldesloe: Man bekommt viel zurück von den Klienten und freut sich, wenn sie Fortschritte machen. Außerdem bin ich selbst viel hilfsbereiter geworden in der Öffentlichkeit. Ich achte mehr aus Menschen.

Immer mehr Stellen im Pflegebereich

Heimbetreiber und auch die Arbeitsagentur begrüßen das Angebot der Beruflichen Schule in Bad Oldesloe. Denn: Der Bedarf an Pflegekräften hat im Kreis Stormarn in den vergangenen drei Jahren laut Arbeitsagentur insbesondere im Bereich der Altenpflege zugenommen. So lag die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege im vergangenen Jahr im Jahresdurchschnitt bei insgesamt 119, davon allein 100 in der Altenpflege. Hier hat die Zahl der Stellen seit 2015 (seinerzeit 62 Stellen) um gut 60 Prozent zugenommen. Insgesamt waren Im Bereich der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege in Stormarn vor vier Jahren 3592 Menschen beschäftigt. Im September 2018 (aktuellster Wert) waren dies schon 3920.

„Ich drücke den angehenden Pflegeassistentinnen und -assistenten die Daumen für ihre anstehenden Prüfungen. Mit ihrem Abschluss haben sie sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ebenso stehen ihnen alle Wege offen, sich im Pflegebereich weiter zu qualifizieren“, sagt Grit Behrens, Geschäftsführerin Operativ bei der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe.

Pflegeprofis gesucht

Der internationale Tag der Pflege ist am morgigen Sonntag, 12. Mai. Mit ihm werden Themen wie die flächendeckende Gesundheitsversorgung sowie der anhaltende Fachkräftemangel wieder verstärkt auf die Agenda rücken. Auch für Schleswig-Holstein ein Thema von großer Bedeutung. Über 26.000 Menschen waren zu Beginn des letzten Jahres pflegebedürftig.

Die Gründe für den Fachkräftemangel sind vielfältig – niedrige Löhne bei Schichtarbeit und nur wenig Zeit für die Patienten frustrieren Pflegende schon seit Langem.

Genau hier setzt die Aktion Deutschlands beliebteste Pflegeprofis 2019“ unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung an und ehrt auch in diesem Jahr Pflegeteams, -Profis und Azubis, die sich durch ihr besonderes Engagement auszeichnen.

Die Abstimmung auf Landesebene läuft noch bis zum 15. Juni unter https://www.deutschlands-pflegeprofis.de/.

„Bei den Pflegekräften haben wir insgesamt einen ausgeprägten Bewerbermarkt. Das gilt für Hilfskräfte in der Pflege und besonders für ausgebildete Pflegefachkräfte“, sagt Grit Behrens weiter. „So ziemlich alle Pflegeeinrichtungen suchen Mitarbeiter. Sind Pflegekräfte auf Jobsuche, können sie in der Regel aus einem breiten Stellenangebot wählen. Sie haben dabei die Chance, Verdienstmöglichkeiten oder flexible Arbeitszeitmodelle gegeneinander abzuwägen, um den für sich passenden Arbeitsplatz zu finden.“

Viona Möller und Jessica Martin in Aktion bei ihrer Ausbildung. Quelle: hfr

Markus Carstens