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Stormarn Lange Haftstrafen für fiesen Überfall
Lokales Stormarn Lange Haftstrafen für fiesen Überfall
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18:11 21.02.2019
Während der Verhandlung waren auch immer mehrere Justizvollzugsbeamte im Gerichtssaal.
Während der Verhandlung waren auch immer mehrere Justizvollzugsbeamte im Gerichtssaal. Quelle: dpa
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Bad Oldesloe

Mit mehrjährigen Freiheitsstrafen für die vier Angeklagten im Alter zwischen 20 und 23 Jahren ist ein Prozess vor dem Lübecker Landgericht wegen erpresserischen Menschenraubs und Körperverletzung zu Ende gegangen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die vier jungen Männer aus Hamburg und Schwerin im März 2018 einen 40-jährigen Mann aus Bad Oldesloe in dessen Wohnung brutal überfallen haben, weil sie dort die ganz große Beute vermuteten – was sich jedoch als falsch erwies. Zwei von ihnen sollen aktiv an der Tat beteiligt gewesen sein, während sich die beiden anderen im Hintergrund gehalten haben sollen.

Der Haupttäter wurde nun zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sein Komplize hatte Glück und wurde noch nach Jugendstrafrecht verurteilt: Er muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Die beiden Mittäter erhielten Strafen in Höhe von drei Jahren und neun Monaten sowie vier Jahren und sechs Monaten. Das Gericht blieb damit nur knapp unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vermuteten die Männer bei dem 40-Jährigen 600 000 Euro und mehrere Rolex-Uhren. Möglicherweise waren die mutmaßlichen Täter davon ausgegangen, dass es sich bei dem Mann um einen hochrangigen Banker handelt – was jedoch nicht zutreffend ist. Der Mann ist Angestellter bei einem Oldesloer Unternehmen.

Attacke vor der Wohnungstür

Am Morgen des 13. März wollte sich der 40-Jährige gerade auf den Weg zur Arbeit machen, als er vor seiner Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus an der Hagenstraße von zwei Männern attackiert wurde. Sie waren durch die Tiefgarage in das Gebäude gelangt. Die beiden anderen und möglicherweise weitere Mittäter saßen in zwei Autos auf einem Parkplatz in der Nähe und hielten über Funkgeräte Kontakt.

Die beiden Männer, ein Deutsch-Iraker und ein Brasilianer, drängten ihr Opfer in dessen Wohnung, warfen es zu Boden und fesselten es. Als der 40-Jährige sich weigerte, ihnen den Code für seinen Tresor zu geben, wurde er ins Gesicht geschlagen. Anschließend holte der Mann aus Südamerika, der in seiner Gang nur „Der Brasilianer“ genannt wurde, ein Küchenmesser mit etwa 20 Zentimeter langer Klinge und stieß damit leicht gegen den Oberkörper des Opfers. So unter Druck gesetzt, gab der Mann seinen Peinigern den Code für den Tresor. Darin fanden sie jedoch nicht die erhoffte Menge Bargeld und auch keine Rolex-Uhren, sondern unter anderem zehn Goldmünzen im Wert von jeweils etwa 600 Euro. Außerdem stahlen sie diverse Bankkarten inklusive der Pin-Nummern, Handy sowie Autoschlüssel und ließen ihr verletztes Opfer zurück.

Während sich der 40-Jährige selbst befreien konnte und seine Nachbarin informierte, die sofort die Polizei rief, flüchtete die Bande Richtung Hamburg. Die Fahndung der Polizei verlief zunächst erfolglos. Aber die Räuber hinterließen Spuren an Bankautomaten in Hamburg: Mit den Karten hoben die Männer dort unterschiedliche Mengen Bargeld ab.

Am 13. März konnten die Täter noch unerkannt flüchten. Im Rahmen einer großen Fahndung über mehrere Bundesländer wurden sie jedoch im Mai von der Polizei gefasst. Mehrere Zeugenhinweise und umfangreiche Ermittlungen auch mit Fahndungsplakaten hatten die Polizei damals auf die Spur der Täter gebracht. Zivilbeamte konnten die Verdächtigen schließlich festnehmen. Seitdem sitzen die vier Männer im Gefängnis – und tun dies auch weiterhin.

mc

21.02.2019
21.02.2019