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Stormarn Neues Leben am Trave-Altarm
Lokales Stormarn Neues Leben am Trave-Altarm
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17:56 03.06.2019
Idyllisch: Die Trave fließt östlich von Bad Oldesloe wieder in ihrem alten Bett.  Quelle: mc
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Bad Oldesloe

„Was ist denn hier los?“ entfuhr es einem Anwohner aus Sehmsdorf und zeigte auf die große Gruppe, die sich den renaturierten Flussarm der Trave östlich von Bad Oldesloe anschaute. Nachdem ihn jemand aufgeklärt hatte, sagte der Mann: „Die wollen wohl alle mal gucken, wo ihr Geld geblieben ist.“

Das war wohl in der Tat ein Grund, denn das Projekt Trave-Altarm hat etwa 700.000 Euro gekostet. Beteiligt waren am Ende mehrere Institutionen, Firmen und Verbände, so dass am Montagmorgen etwa 40 Personen – inklusive Umweltminister Jan Philipp Albrecht und Landrat Henning Görtz – auf dem Trave-Wanderweg entlangspazierten und sich über das Vorhaben und seine ersten Ergebnisse informierten.

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Wasserkäfer und Steinbeißer

Um die positiven Resultate sichtbar zu machen, hatten zwei junge Helfer vom Nabu Reinfeld einige Wasserlebewesen mit dem Kescher aus dem neuen alten Stück der Trave gefischt. Sie brauchten nicht lange, um den Besuchern unter anderem einen Bachflohkrebs, einen Wasserkäfer und sogar einen kleinen Steinbeißer zeigen zu können.

„Alle Achtung“, sagte dazu ein Besucher. Und auch Landrat Görtz fand es „erstaunlich, dass sich so schnell etwas entwickelt hat“. Anders dagegen Sabine Reichle vom Nabu, die so eine rasante Ansiedlung von Kleinstlebewesen erwartet hatte. „Die Trave ist ein hochwertiges Gewässer mit hohem Besiedlungspotenzial. Es ist eine spannende Lebenswelt entstanden“, sagte sie. Von der Renaturierung des Altarms hat man unter anderem auch schon an der Universität Greifswald gehört. Dort beschäftigt sich ein Student im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit mit der Trave.

Paradies für Langsamschwimmer

An dieser Stelle ist sie nun 200 Meter länger als vorher und zu einem Paradies für Langsamschwimmer geworden. Etwa 70 Jahre lang hatten sie hier vorher keine Chance, denn in der begradigten Trave strömte das Wasser schnell und ohne Ruheräume zum Meer. An vielen Stellen war der Fluss im vergangenen Jahrhundert begradigt worden, um landwirtschaftliche Flächen besser nutzen zu können. Nach der Rolle rückwärts hofft Umweltminister Albrecht auf das Verständnis der Bauern, „denn auch künftige Aufgaben wollen wir gemeinsam angehen“.

Unterm Strich hat die Reaktivierung des Trave-Altarms von der ersten Planung bis zur Fertigstellung sechseinhalb Jahre gedauert. Sie war damit auch eines der Hauptprojekte des Gewässerunterhaltungsverbandes (GUV) Trave, der erst vor zehn Jahren gegründet worden ist. Dieses Jubiläum war am Montag ein weiterer triftiger Grund für die gemeinschaftliche Begehung.

Dank an Verbandsvorsteher Stoffers

„Auch durch ihren Einsatz ist es gelungen, den ökologischen Zustand der Trave in den vergangenen zehn Jahren zu verbessern“, sagte Minister Albrecht in Richtung der Mitarbeiter des GUV. Der Verband habe die schwierige Herausforderung gemeistert, unterschiedliche Nutzungsansprüche wie die Abflusssicherung, die Erhaltung von Natur und Umwelt und die Erreichung eines gewässerökologisch guten Zustandes unter einen Hut zu bringen.

124 Kilometer lang

Die Trave ist von der Quelle in Gießelrade bei Ahrensbök (Kreis Ostholstein) bis zur Mündung in die Ostsee 124 Kilometer lang und hat ein Einzugsgebiet von 2600 Quadratkilometern. „Nach der Eider ist sie damit das zweitgrößte Gewässer in Schleswig-Holstein“, erklärt Uwe Leiner vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz.

Einen besonderen Dank richtete Albrecht an Verbandsvorsteher Gustav Stoffers: „Mit ihrer verbindlichen und verlässlichen Art haben Sie dafür gesorgt, dass die Menschen an der Trave für das gemeinsame Ziel der ökologischen Gewässerentwicklung gewonnen werden konnten.“

Acht Mitarbeiter halten die Trave sauber

Am 1. Januar 2009 hatte das Land seine Unterhaltungsaufgaben für den ca. 45 km langen Abschnitt des Landesgewässers Trave auf den GUV Trave übertragen. Damit einher ging auch die Überleitung der bis dahin landeseigenen Strommeisterei in Hamberge auf den Wegezweckverband der Gemeinden des Kreises Segeberg (WZV), den der GUV seitdem mit der Gewässerunterhaltung beauftragt hat. Die jährlichen Aufwendungen der Gewässerunterhaltung werden vom Land getragen.

Acht Mitarbeiter sind bei der Strommeisterei beschäftigt. Zu ihren Aufgaben gehört es, den ordnungsgemäßen Abfluss der Trave sicherzustellen. Überwiegend sind Abflusshindernisse wie z.B. umgestürzte Bäume zu beseitigen und es erfolgt eine regelmäßige Gewässermahd der Trave im Sommerhalbjahr.

Interessierte „Schirmherren“: Hauke Rostek (r.) und Dennis Haseloh vom Nabu Reinfeld zeigen Minister Jan Philipp Albrecht und Landrat Henning Görtz (l.) ihren „Fang“. Quelle: mc

Markus Carstens