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Stormarn Verdienstnadel für Wolfgang Gerstand
Lokales Stormarn Verdienstnadel für Wolfgang Gerstand
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16:51 22.11.2018
Wolfgang Gerstand (r) aus Bad Oldesloe erhielt von Innenminister Grote die Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel. Quelle: Peter/hfr
Bad Oldesloe

Die Ehrennadel des Landes für ehrenamtliches Engagement hat Wolfgang Gerstand aus Bad Oldesloe bereits 2009 erhalten. Fast zehn Jahre später erhält der 70-Jährige nun die Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel, mit der das Land Schleswig-Holstein besonderes Engagement in der Kommunalpolitik würdigt. Der CDU-Politiker gehört seit 1994 dem Stormarner Kreistag an und hat maßgeblich an der Entwicklung des Kreises mitgewirkt.

„Herr Gerstand hat als Kommunalpolitiker durch sein vielfältiges Engagement große Verdienste für den Kreis Stormarn erreicht. Er liebt es, sich einzumischen, zu gestalten und Dinge anzuschieben, was sich in einer Fülle von Ehrenämtern niederschlägt. Er setzt sich dafür ein, das Leben vor Ort zu verbessern und zu gestalten“, sagte Innenminister Hans-Joachim Grote in seiner Laudatio.

Dass er sich mal für die Gesellschaft engagieren würde, war Wolfgang Gerstand schon früh in seiner Jugend klar. Zu prägend seien die Kriegserzählungen von Großvater und Vater gewesen. Und da er in der Unternehmerfamilie preußisch erzogen wurde, bezeichnet sich Gerstand selbst auch als Traditionalist. „Ich war Ende der 60er Jahre als Schülersprecher gegen die Beteiligung von uns Schülern an den Lehrplänen“, sagt er und erinnert sich an kräftigen Gegenwind.

Sein Weg in die CDU war damit auch vorgezeichnet, er dauerte jedoch vergleichsweise lange. Erst 1990, im Alter von 42 Jahren, trat Gerstand in die Partei ein, der auch schon sein Vater angehörte. „Ich habe in Rendsburg auch schon Wahlkampf gemacht für den damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Otto Bernhardt, war aber kein Parteimitglied.“ Das änderte sich mit dem berufsbedingten Umzug in die Stormarner Kreisstadt und der damit verbundenen Nachbarschaft zum Oldesloer CDU-Granden Uwe Rädisch.

Seit 1994 im Kreistag

Schnell war Gerstand Leiter des Arbeitskreises Mittelständische Wirtschaft und sollte auch in die Fraktion. Doch statt in die Stadtverordnetenversammlung zog es ihn in den Kreistag, dem er nun ununterbrochen seit 1994 angehört. Höhere Ambitionen, etwa für den Landtag oder Bundestag, hatte er nie – trotz guter Kontakte nicht nur innerhalb der Partei, sondern auch berufsbedingt als Verkaufsleiter Nord eines bekannten Herstellers von Dächern und Dachsystemen.

„Auf Kreisebene kann ich relativ schnell und vor Ort etwas bewegen. Da bin ich mittendrin“, sagt Gerstand. „Wenn wir die Müllentgelte erhöhen, merke ich die Auswirkungen ja auch selbst.“ Er wolle, dass es dem Kreis gut gehe, den Bürgern ein vernünftiges Umfeld schaffen. Im Kreistag spezialisierte sich der 70-Jährige schnell auf die Themen Wirtschaft und Umwelt. „Zu seinen besonderen Verdiensten gehört, dass der Biomüll im Bereich Stormarn/Lauenburg vor der Kompostierung zunächst energetisch verwertet wird. Mit dem Erlös der Energiegewinnung können die Abfallentgelte für die Bürger gesenkt werden“, lobte Innenminister Grote.

Als passionierter Jäger setzt er sich schon seit Jahrzehnten für den Naturschutz ein. Wie sehr ihm die Umwelt am Herzen liegt, merkt man sofort bei ihm zu Hause. Da müssen noch schnell die heruntergewehten Blätter der Eiche aus dem kleinen Gartenteich geholt werden, weil sonst den Fischen schnell der Sauerstoff ausgehen könne.

Umwelt und Wirtschaft

20 Jahre lang war Gerstand umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „In einigen Dingen waren wir Schwarzen die besseren Grünen“, sagt der 70-Jährige nicht ohne Stolz. Die Abfallwirtschaft ist eines seiner Themen, die Müllverbrennungsanlage Stapelfeld war und ist ein anderes.

Apropos Grüne: Mit ihnen habe er sich häufig gefetzt im Kreistag, aber danach sei man zusammen ein Bier trinken gegangen. Überhaupt ist Wolfgang Gerstand bekannt für seinen ausgleichenden Charakter, geht auch auf den politischen Gegner zu und hört sich dessen Ansichten an.

„Da kommt etwas auf uns zu“

Zehn Jahre war der Oldesloer auch zweiter stellvertretender Kreispräsident, seit 2015 führt er den Wirtschafts-, Planungs und Bauausschuss. Gerstand war zuletzt auch entscheidend daran beteiligt, das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum in Stormarn zu initiieren – leider bislang mit überschaubarem Erfolg. „Nach der Kommunalwahl gab es auch in den Gemeinden viele personelle Wechsel. Das muss sich erst alles finden“, sagt Gerstand und hofft, dass die Kommunen beim Ausweisen von Bauland nicht nur Einfamilienhäuser im Sinn haben. „Stormarn wächst, und wir brauchen Wohnungen für die Krankenschwester oder den Feuerwehrmann, die sich eben kein großes Haus leisten können“, betont Gerstand.

Zur Person

Wolfgang Gerstand ist verheiratet mit Ute und hat einen Sohn sowie seit kurzem auch einen Enkel. Nach mehr als 40 Jahren beim Flachdach-Unternehmen Alwitra (Aufträge vom Hamburger Flughafen, der Speicherstadt, Bremer Weserstadion) ging er mit 65 in Rente. Neben seinem politischen Engagement bekleidet er noch weitere Ehrenämter, u.a. im Landesjagdverband, der Oldesloer Bürgerschützengilde, beim Mehrgenerationenhaus Oase und auch beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival.

Zusammen mit seiner Frau unternimmt er gern Städtetrips. Nach Abschluss seiner Berufszeit war er für drei Wochen in Kanada. Wolfgang Gerstand kocht und liest gerne, speziell Biografien (Churchill, Clinton) oder Abenteuerbücher. Fasziniert ist er auch von der altägyptischen Geschichte, den Pyramiden und sowieso großen Bauwerken.

Ein anderes „brennendes Thema“ sei die Feste Fehmarnbeltquerung. „Da kommt etwas auf uns zu, aber in Stormarn interessiert es bislang kaum jemanden“, meint Gerstand. „Immerhin sind hier vier Städte betroffen, durch die künftig 70 Züge mehr pro Tag fahren.“ Lärmschutz sei da ein großes Thema. Gerstand: „Dazu kommen der Autohof in Hammoor, das Rettungszentrum, der Ausbau der B 404 zur Autobahn bis nach Geesthacht.“ Durch den zunehmenden Verkehr auf Schiene und Straße hingen diese Projekte alle zusammen.“

Auch nach fast 25 Jahren im Kreistag hat Wolfgang Gerstand also weiterhin viel zu tun.

Markus Carstens

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