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Stormarn Autodiebe müssen ins Gefängnis
Lokales Stormarn Autodiebe müssen ins Gefängnis
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11:29 27.02.2019
Eine Serie von 40 Autodiebstählen im Hamburger Rand war Gegenstand des Prozesses vor dem Landgericht in Lübeck.   Quelle: Fotolia
Bad Oldesloe

Mit einem sogenannten Deal ist am Dienstag ein Prozess gegen zwei polnische Autodiebe zu Ende gegangen. Das heißt: Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht hatten sich auf Anregung der beiden Anwälte der Angeklagten auf einen Strafrahmen verständigt – gegen Geständnisse der 32 und 37 Jahre alten Männer. „Sonst hätte der Prozess viel länger gedauert“, sagte Anwalt Christian Schumacher aus Lübeck.

Wegen 41 Taten waren die beiden angeklagt, verurteilt wurden sie am Ende wegen 36 bzw. elf vollendeter oder versuchter Autodiebstähle in Hamburg und in den Kreisen Stormarn, Segeberg und Herzogtum Lauenburg, Hehlerei und Urkundenfälschung. Der 32-jährige Haupttäter muss für vier Jahre und neun Monate hinter Gitter. Sein 37-jähriger Komplize, ebenfalls wegen mehrfachen Diebstahls vorbestraft, wurde zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Außerdem wurde eine gemeinsame Geldstrafe von 72.000 Euro verhängt. Der Gesamtschaden war von Polizei und Staatsanwaltschaft auf 840.000 taxiert worden.

Namen von Mittätern nicht genannt

Die beiden hatten gestanden, mehrere Fahrzeuge vor allem der Marken Ford und Mazda gestohlen und mithilfe von Kurieren nach Polen gebracht zu haben. Dort wurden sie – offenbar für nur ein Zehntel des Neuwertes – verkauft. Von einigen Pkw fehlt bis heute jede Spur. Namen von Helfern nannten die beiden Angeklagten aus Hamburg und Neumünster vor Gericht nicht.

Vom Autoknacker zum Autohacker

Die zunehmende Elektronik in Autos wurde in diesen Fällen den Fahrzeughaltern zum Verhängnis. Denn die meisten Autos knackten die beiden Diebe über die sogenannte OBD-Buchse (On-Board-Diagnose), über die etwa in Werkstätten die Fehlermeldungen ausgelesen werden. Diese Buchse haben vor allem modernere und hochwertigere Fahrzeuge unter dem Armaturenbrett. Der Sachschaden rührte allein vom gewaltsamen Öffnen der Tür her.

Diese OBD-Tools lassen sich nach Aussage von zwei in diesem Fall ermittelnden Polizisten ganz legal im Internet bestellen. „Das geht wie das Bestellen eines Pullovers.“ Je nach Auto und Baujahr gebe es entsprechende Diagnose-Tools. In Niedersachsen gebe es sogar ein Geschäft, in dem man solche Geräte kaufen kann. Kosten: etwa 6500 Euro. Behörden oder Unternehmen würden diese Tools anschaffen.

Das Tool müsse man nur unterm Armaturenbrett am Diagnosestecker anschließen, beim Ford zum Beispiel den Schlüsselrohling in die Mittelkonsole legen, und schon lasse sich das Auto mit dem mitgebrachten Rohling starten. Dauer des ganzen Vorgangs: rund 30 Sekunden. „Also quasi eine legale Anleitung zum Kfz-Klau“, stellte der Vorsitzende Richter Kai Schröder fest. Warum diese Tools legal zu erwerben sind, wussten die Polizisten auch nicht zu beantworten.

Die beiden Angeklagten ließen am Ende der Verhandlung durch ihre Dolmetscherin wissen, dass sie ihre Taten bereuten und schon jetzt nach mehreren Monaten in der Untersuchungshaft vieles über sich gelernt hätten. Während sie anfangs geschwiegen hatten, berichteten sie am dritten Prozesstag auch über ihre persönlichen Verhältnisse. Der 32-jährige Haupttäter hatte in Polen Abitur gemacht, Touristik-Management studiert und nach seinem Übersiedeln in Hamburg eine kleine Baufirma gegründet. Auch der 37-Jährige arbeitete auf dem Bau, lebte jedoch irgendwann von Sozialhilfe und geriet auf die schiefe Bahn. Mehrere Anklagen und Strafen wegen Diebstahls stehen in den Akten beider Männer.

„Wir kamen gar nicht hinterher“

Wie sie zusammenfanden, blieb unklar. Erst war der jüngere allein unterwegs oder mit anderen unbekannten Tätern, im Frühjahr 2018 waren die beiden dann als Duo unterwegs. „Die hatten eine Wahnsinns-Schlagzahl, wir kamen da gar nicht hinterher mit den Ermittlungen“, berichtete ein Kriminalbeamter in einer Prozesspause vor dem Gerichtssaal. An einem Wochenende knackte das Diebesduo mindestens vier Autos.

Vor Gericht schilderten Polizisten, wie sie beiden durch Telefonüberwachungen immer weiter auf die Schliche kamen. Ursprünglich hatten die Beamten an der Aufklärung an einer anderen Serie gearbeitet. Im Zuge dessen kamen sie auf die beiden Polen. In der Folge kam es auch zu zwei Verhaftungen von Kurieren auf der A 24 Richtung; trotzdem machten die beiden Polen unbeirrt weiter, änderten nur ihre Taktik und die Umschlagplätze für die Fahrzeuge.

Irgendwann im Juli 2018 schlugen die Ermittler dann zu, nahmen beide fest und fanden dabei Schlüssel zu einer Wohnung in Hamburg. Dort wurde nicht nur Diebesgut aus den Autos gefunden, sondern auch die technische Ausrüstung zum Knacken der Autos – vornehmlich waren es Ford und Mazda – und unter anderem Kennzeichen-Dubletten. „Das waren professionalisierte Diebstahlstrukturen, teilweise mit Taten am Fließband“, sagte Staatsanwältin Britta Berkenbusch.

Markus Carstens

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