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Stormarn Oldesloe trauert um Peter Clasen
Lokales Stormarn Oldesloe trauert um Peter Clasen
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21:19 11.12.2017
Als nörgeliger Gast 2010: Major zur Mühlen (Peter Clasen) mit Franziska (Tina Becker) in der „Oldesloer Pension Schöller“.
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Bad Oldesloe

„Das Märchen läuft! Es macht allen viel Spaß. Die Premiere ist gelungen und war fast ausgebucht. Das ganze Team ist glücklich, das Märchen ist toll geworden, die Kinder sind begeistert!“, hatte sich die Oldesloer Bühne noch nach der ersten Vorstellung gefreut. Dann folgte der Schock. Wegen des plötzlichen Todesfalls des 74-Jährigen entschied sich der Vorstand der Oldesloer Bühne, sämtliche weiteren Vorführungen abzusagen. „Wir bitten um Verständnis. Unser Peter hat uns heute verlassen und ist in keiner Weise zu ersetzen.“Für diejenigen, die den tragischen Todesfall und den Märchenausfall am Wochenende nicht mitbekommen hatten, stellten sich Mitglieder der Bühne an den KuB-Saaleingang und fingen die Gäste ab. Sie erklärten die Situation und zahlten das Geld für die Eintrittskarten zurück.

Große Trauer und tiefe Betroffenheit bei der Oldesloer Bühne. Bei den Vorbereitungen für die zweite Aufführung des Weihnachtsmärchens starb Peter Clasen, Urgestein des Theatervereins. Alle acht Vorstellungen des Märchens „Rotkäppchen und der böse Wolf“ wurden abgesagt.

Karten-Rückgabe

Eintrittskarten für das Weihnachtsmärchen „Rotkäppchen und der böse Wolf“ können hier zurückgegeben werden: Stadtinfo im KuB, Pareibo, Mirus Augenoptik, Old Esloe oder Tageskasse.

Die weiteren Märchen-Eintrittskarten können bis zum Jahresende an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. An der Stadtinfo, bei Pareibo, Mirus Augenoptik, im Old Esloe oder an der Tageskasse.

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Denn die Mitglieder der Bühne werden auch am nächsten Wochenende noch eventuelle Besucher abfangen. Vier Vorstellungen hätte es noch gegeben. Die Absage reißt ein großes Loch in die Kasse der Bühne.

Denn die Märchen gelten als Haupteinnahmequelle.

Peter Clasen war bei „Rotkäppchen und der böse Wolf“ wie in so vielen Weihnachtsmärchen davor einer der Hauptdarsteller. Er spielte in dem Stück wie schon 2009 die Rolle des ängstlichen und schläfrigen Märchenhelden Müller Haferkorn. Der Tod des humorvollen Oldesloers kam völlig überraschend.

Noch bei den Proben hatte Peter Clasen mich auf meinen Sohn angesprochen, der als Kind vor 20 Jahren gern mal mit zu den Proben der Oldesloer Bühne kam. Das hatte dem Theatermann so sehr gefallen, dass er sich noch nach so langer Zeit daran erinnerte.

Denn das Spiel für die Kinder stand für Peter Clasen stets im Mittelpunkt. Und man merkte ihm an, dass er daran genauso viel Freude hatte wie die Kleinen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert war die Oldesloer Bühne, bei der er noch im Gründungsjahr Mitglied wurde, sein zweites Zuhause.

Peter Clasen stand nicht nur rund 100 Mal auf der Bühne oder führte Regie, er war auch Kulissen-Chef, kümmerte sich lange um das Bühnen-Archiv und war viele Jahre der technische Leiter der Oldesloer Bühne sowie im Vorstand.

„Welch ein Glück hat die Oldesloer Bühne, jemanden wie Peter Clasen zu haben“, schrieben seine Mitstreiter voriges Jahr über ihn ins Jubiläumsheft zum 50. Bestehen. In „Polterabend“ stand der beliebte Amateurschauspieler 1967 zum ersten Mal auf der Theaterbühne. 50 Jahre später hatte Peter Clasen in seinem geliebten Weihnachtsmärchen bei der Premiere seinen letzten Auftritt.

„Die Bühne war sein Steckenpferd, sein ein und alles“, sagt Bühnenvorsitzende Heike Gräpel. Auch sie selbst kam 1991 durch Peter Clasen zur Oldesloer Bühne. In Plattdeutsch-Kursen der VHS sei der auf der Suche nach Spielern für plattdeutsche Stücke gewesen.

Der überraschende Tod Clasens hat sie sprachlos gemacht. „Er war fast wie ein Vaterersatz für mich. Wenn irgend etwas zu machen war, war er der erste, den man gefragt hat.“ Selbst bei den Proben der Bühnenzwerge und Bühnenjugend guckte er rein, half beim Bühnenaufbau. Gräpel: „Seine Freizeit hat er bei uns gelassen.“ In den mehr als 50 Jahren habe er alles mögliche gemacht in seinem Verein Oldesloer Bühne.

Selbst als früher einmal ein Lkw-Motorengeräusch für eine Aufführung benötigt wurde, wusste Clasen Rat. Er nahm das Geräusch des laufenden Lkw-Motors mit dem Tonbandgerät auf seiner früheren Arbeitstelle, der Autobahnmeisterei, auf. Details waren ihm wichtig. So musste es auf der Bühne ein echter Kuchen sein und richtiger Kaffee in den Tassen.

Auch in den sozialen Medien gab es viel Anteilnahme und Betroffenheit über den plötzlichen Tod des beliebten Theatermanns. Peter Clasen hinterlässt eine Frau, zwei Kinder und einen Enkel.

 Susanna Fofana

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