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Stormarn Verwaltung statt Bürgerhaus?
Lokales Stormarn Verwaltung statt Bürgerhaus?
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17:27 13.09.2018
Der Flur im obersten Stock des Bürgerhauses, das derzeit von vielen Vereinen genutzt wird. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Die Kreisstadt ähnelt einer Schlange, die aus ihrer Haut platzt, weil sie gewachsen ist. Ob Schule oder Kita – überall herrscht Platznot, selbst in der Oldesloer Stadtverwaltung. Bürgermeister Jörg Lembke will die obere Etage des Bürgerhauses in der Mühlenstraße zu Büroräumen umbauen lassen, um dort Personal unterzubringen. Vereine, die im oberen Stockwerk Räume gemietet haben, sollen ausziehen. Das war bereits vor einem Jahr verkündet und kritisch diskutiert worden, zwischenzeitlich aber fast in Vergessenheit geraten. Im Zuge der Haushaltsberatungen flammte die Diskussion wieder auf.

Die SPD-Fraktion war auf der jüngsten Bau- und Planungsausschusssitzung über das „Produktkonto 57302“ gestolpert, in dem der Umbau des Gebäudes mit 50 000 Euro beziffert ist. „Wir sehen es schon als Problem an, das Bürgerhaus für Büroräume umzubauen und sprechen uns dafür aus, die Summe erst einmal nicht in den Haushalt einzustellen“, sagte Annika Dietel (SPD). Dem schloss sich Anita Klahn (FDP) an mit Hinblick darauf, dass momentan schon für Bauprojekte in den Schulen sehr viel Geld investiert werden müsse.

Die Belange der derzeitigen Nutzer wie die SPD-Fraktion im Sinn, meldete auch Wilfried Janson (Grüne) große Bedenken an. „Wir sind der Auffassung, dass die Vereine auf das Bürgerhaus angewiesen sind und können den Umbau nicht befürworten“, sagte er. Tom Winter (Familienpartei) legte der Verwaltung nahe, nach alternativen Möglichkeiten zu suchen. Bürgermeister Jörg Lembke zeigte sich indes entschlossen und betonte, die Verwaltung brauche dringend Büros. „Im Übrigen ist der Bürgermeister für die Vermietung der Räume zuständig und wird den Nutzern zu Ende März kündigen“, sagte er. „Sie können natürlich die Mittel zum Umbau verweigern. Dann müssen wir sehen, wie wir das Ganze mit Bordmittel umsetzen, einen Container oder eine Turnhalle nutzen. Es ist nicht möglich, die Verwaltung anderswo unterzubringen.“

Von den Kündigungen, die noch nicht zugestellt wurden, wären fünf feste Nutzer betroffen. Für Musikschulleiter Marian Henze wäre es sehr wichtig, den Unterrichtsraum im Bürgerhaus zu halten, da es keinen passenden Ersatz in zentraler Lage gebe. Bewährungshelfer Hans-Christoph Heine: „Entschieden ist ja noch nichts. Wenn das passieren sollte, wird uns eine Alternative zur Verfügung gestellt, die die Landesjustiz anmieten wird“, erklärte er.

So entspannt können es nicht alle Mieter sehen. Christina Istók, neue Leiterin der Pro-Familia-Beratungsstelle, macht sich Sorgen, wie die Schwangerschaftskonfliktberatung in der Kreisstadt unter veränderten Bedingungen weitergehen soll. „Wir sind schon informiert worden, dass die Stadt Raumprobleme hat. Aber seit einem Jahr haben wir nichts mehr gehört“, sagte sie. Aus diesem Grunde habe sich Pro Familia auch noch nicht auf die Suche nach einer Alternative gemacht. Finanziell werde es für die Beratungsstelle auch sehr schwierig, in Bad Oldesloe etwas vergleichbares Neues finden. Denn die Miete im Bürgerhaus sei zum Glück relativ gering.

„Uns wurde schon ein Angebot gemacht, doch das kommt kostentechnisch für uns nicht in Frage“, sagte Angelika Reichel vom Vorstand der Oldesloer Hospizbewegung DaSein. Für einen gemeinnützigen Verein sei es kaum möglich, die Miete für einen Gewerberaum aufzubringen. Ein Auszug der Vereine sei zudem sehr bedauerlich. Die Vielfalt der Angebote entspreche der Idee eines Bürgerhauses. Ein kleines Büro nutzt auch der Kreisverband des BUND. „Wir kämpfen wie die Löwen, dass wir drin bleiben können“, sagt der Kreisvorsitzende Jochen Bloch. Er hält das angekündigte Prozedere für fragwürdig. „Wenn die Stadtvertretung sich mehrheitlich dafür ausspricht, ist es ein demokratischer Beschluss. Aber so ist es eine Entscheidung nach Gutsherrenart“, sagt er. Den Konferenzraum nutzen auch gelegentlich Initiativen als Treffpunkt. „Für die kostenlose Nutzung sind wir dankbar. Wenn es dabei bliebe, wären wir sehr froh“, sagt Walter Albrecht vom Aktionsbündnis gegen Rechts.

Was nun definitiv geschehen wird, ist noch unklar. Gegen die Stimmen der CDU und bei einer Enthaltung wurde der SPD-Antrag angenommen, die Kosten für den Umbau in Höhe von 50 000 Euro aus dem Haushaltsplan zu entfernen.

Dorothea von Dahlen

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