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Stormarn Rettungsschwimmer erkämpfen Landestitel
Lokales Stormarn Rettungsschwimmer erkämpfen Landestitel
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10:00 15.06.2019
Das Erfolgsgeheimnis des Jungen- und Mädchenteams des DLRG? Wir verstehen uns auch außerhalb des Beckens gut, sind eine Familie", erklärt Cinja Gebhardt. Quelle: Sandra Freundt
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Bad Oldesloe

Der Jubel bei den Oldesloern war groß in der Schwimmhalle in Mölln, als feststand, dass nach den Vizetiteln des Mädchenteams 15/16 in der Staffel und der 15-jährigen Janka Krohn im Einzel auch die Jungen 17/18 mit einem Erfolg aufwarten konnten: Sie gewannen nicht nur ihre Staffel, sondern sicherten sich dadurch auch das direkte Ticket zur Deutschen Meisterschaft.

Trainer nass gemacht

Trainer Robert Gebhardt hatte sein Team nur „aus der Ferne“ beobachten können, war er doch als Wettkampfleiter am anderen Ende des Beckens im Einsatz. „Den Jubel habe ich dann doch gehört“, erzählt der Oldesloer Coach, dem zunächst nur Tränen in den Augen standen, bevor ihn „seine“ Jungs dann mit einem Wurf ins Wasser komplett „nass machten“. Gebhardt hatte noch einige Tage zuvor mit seinem Team ob des nötigen Ernstes beim Training geschimpft und dass sie so ja wohl keine Meisterschaft gewinnen könnten. „Aber wir haben gesagt, dass wir uns bei einem Wettkampf konzentrieren und unser Bestes geben werden“, erklärte Jan Krickemeyer (18), der mit Leon Kemcke, Malte Wöbber, Pekka Hasselring (alle 17) und Ole Köberich (16) den Landestitel klar machte.

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Bereits im ersten Lauf, der Gurtstaffel, platzierten sich die Oldesloer deutlich auf Rang 1 und ließen sich die Führung in den folgenden Läufen – der Puppenstaffel, der Rettungsstaffel und der Hindernisstaffel – nicht mehr nehmen. Im letzten Lauf wurde es zwar gegen die Norderstedter noch einmal eng, doch reichte der zuvor erzielte Vorsprung für den Titel. Die Gruppe an sich schwimmt erst seit einem Jahr in dieser Konstellation, versteht sich aber blendend und motiviert sich stets gegenseitig, sodass sie bereits den Ostseepokal und den Hamburger Pokal gewinnen konnten.

So sehen Sieger aus! Das Oldesloer Jungenteam 17/18 sicherte sich den Landesmeistertitel, Mädchen 15/16 wurden zweite. Auch Janka Krohn holte Vizetitel.

Rettungsschwimmen nicht als Sport anerkannt

„Leider wird unser Sport nicht so recht als Sport anerkannt“, bedauern die Rettungsschwimmer, dabei erfordert dieser viel mehr Kraft und Technik als der olympische Schwimmsport. „Und ist auch abwechslungsreicher“, sagt Pekka. Gut finden sie an ihrem Sport auch, dass sie Leben retten könnten. „Zum Glück mussten wir das aber alle noch nicht.“

Wie eine kleine Familie

Genauso sieht es das Mädchenteam, welches sich aus Janka Krohn, Jella Dudszus, Malene Ramm, Svea Tietgen (alle 15) und Cinja Gebhardt (16) zusammensetzt und von Ester Gebhardt betreut wird. Sie holten sich den Vizelandesmeistertitel. Zwei- bis dreimal die Woche ist Training angesagt, seit zwei Jahren sind die Mädels ein Team, das sich auch außerhalb des Beckens gut versteht. „Wir sind wie eine kleine Familie“, betont Cinja. „Und wenn eine mal nicht so gut ist, ist keiner böse, wir motivieren uns vielmehr gegenseitig“, betont die 16-Jährige. So ist auch keiner wirklich traurig, dass sie im letzten Lauf noch von den Norderstedterinnen überholt worden sind. „Die DM-Quali können wir trotzdem noch schaffen“, meinen die Schwimmerinnen.

Disziplinen des Rettungsschwimmens

Im Einzel gibt es die Disziplinen Hindernisschwimmen (Untertauchen der Hindernisse), 50 Meter Retten einer Puppe (die Puppe muss auf Hälfte der Strecke vom Boden geholt werden), 100 Meter Kombinierte Rettungsübung (die am Boden liegende Puppe muss streckenweise unter Wasser transportiert werden), 100 Meter Retten mit Flossen (der Schwimmer trägt Flossen), 100 Meter Retten mit Flossen und Gurtretter (der Schwimmer trägt Flossen und Gurtretter und muss letzteres der Puppe umlegen) sowie 200 Meter Lifesaver (Kombination aus einfacher Rettung, sowie mit Flossen und Rettungsgerät).

Die Teamdisziplinen umfassen die 4 x 25 Meter-Puppenstaffel sowie jeweils 4 x 50 Meter-Hindernisstaffel,, Gurtretterstaffel und Rettungsstaffel. Zusätzlich gibt es den Leinenwurf (Rettungsübung für zwei Personen – ein Retter, ein „Opfer“ – mit Leine), sowie die simulierte Rettungsübung (sieben bis 14 „Opfer“, ein aus vier Personen bestehendes Rettungsteam).

Krohn auch erfolgreich im Einzel

Janka Krohn, die sich auch im Einzel den Vizetitel sicherte, fand über ihre Mutter Bettina Lange zum Schwimmsport, wechselte jedoch erst 2016 zum Rettungsschwimmen. „Da ist einfach mehr Abwechslung drin“, erklärt sie. Am liebsten schwimmt sie dabei im Freiwasser oder die Gurtretterstaffel. Schwierigkeiten hat sie beim Tauchen in der Rettungsstaffel. Aber gerade das bietet auch eine Herausforderung.

Ziel ist die WM

Spaß am Rettungsschwimmen haben alle, nehmen aber den Sport auch ernst. „Wenn wir Wettkämpfe schwimmen, wollen wir leistungstechnisch schon etwas erreichen“, betonen die Oldesloer und hoffen auf ein ordentliches Abschneiden bei der Deutschen Meisterschaft im Oktober. „Dann ist das große Ziel die WM 2020 in Italien“, verrät Cinja. Utopisch ist dieses Vorhaben nicht, schließlich sind Oldesloer Teams bereits 2016 und 2014 dabei gewesen, sicherten sich dabei vor fünf Jahren sogar den Vizetitel.

Sandra Freundt