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Stormarn Termine an der Ladentür – Stormarns Einzelhandel startet mit „Click & Meet“
Lokales Stormarn

Oldesloer Einzelhändler starten Montag mit Click & Meet

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20:15 18.03.2021
Melanie Esselborn von Presen-Tee freut sich, dass sie durch das System weiter geöffnet haben und auch Termine an der Tür vereinbaren darf. Um sich und ihre Kunden zu schützen, trägt Melanie Esselborn natürlich einen Mund-Nasenschutz und hat diesen nur für das Foto kurz abgenommen.
Melanie Esselborn von Presen-Tee freut sich, dass sie durch das System weiter geöffnet haben und auch Termine an der Tür vereinbaren darf. Um sich und ihre Kunden zu schützen, trägt Melanie Esselborn natürlich einen Mund-Nasenschutz und hat diesen nur für das Foto kurz abgenommen. Quelle: Sandra Freundt
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Bad Oldesloe

Die Freude bei den Einzelhändlern war groß, als sie nach drei Monaten Lockdown am 8. März dank eines stabilen Inzidenzwertes ihre Geschäfte endlich wieder öffnen durften. Der Dämpfer folgte schon anderthalb Wochen später mit der neuen Landesverordnung. So dürfen aufgrund der steigenden Infektionszahlen ab Montag die Kunden in einzelnen Kreisen, unter anderem auch im Kreis Stormarn, nur noch nach Terminvereinbarung die Geschäfte betreten. Ein herber Schlag? Nicht wirklich, denn die Einzelhändler in Bad Oldesloe hatten mit einem Rückschritt in Sachen Öffnung schon gerechnet. Und das neue System „Click & Meet“ lässt ihnen dabei mehr Freiraum als zuletzt die „Click & Collect“-Variante.

Tchibo will für Kunden da sein

„Wir sind froh, dass wir nicht wieder ganz schließen müssen, und werden das auf jeden Fall mitmachen, denn schließlich wollen wir ja für unsere Kunden da sein“, spricht Tchibo-Konzernsprecher für die Filiale in Bad Oldesloe. Mit 600 Geschäften deutschlandweit hat Tchibo auch schon positive Erfahrungen mit „Click & Meet“ gemacht, betont: „Es funktioniert sehr gut.“

Terminvereinbarung an der Ladentür

Auch Michael und Susanne Albrecht von „Albrecht’s“ und „Frl. Albrecht“ glauben an das neue System. „Es ist schön, dass Schleswig-Holstein das sehr unbürokratisch regelt, so können Termine nicht nur online oder telefonisch vereinbart werden, sondern auch direkt an der Ladentür. Das ist für viele Kunden doch eine große Erleichterung“, betont Michael Albrecht. Etwas verunsichert war der Geschäftsinhaber zunächst in Bezug auf die erlaubte Kundenzahl im Verkaufsbereich. „Jemand sprach von einem erlaubten Kunden auf zehn Quadratmetern, der nächste von, auch von 40 war die Rede.“

Ab Montag starten die Einzelhändler mit einem neuen Verkaufssystem. Das sagen Geschäftsinhaber und Kunden dazu:

Inzwischen ist das geklärt, in einem offiziellen Schreiben heißt es, dass sich eine Person pro 20 Quadratmeter in der Verkaufsstelle aufhalten darf. Das Ehepaar hatte trotz Lockdown und zuletzt mit „Click & Collect“ eine „gute Saison“, ihre Kunden haben ihnen die Treue gehalten.

Manche kaufen lieber spontan ein

Auch Kundin Britta Gräpel hat sich da eingereiht. „Während des Lockdowns habe ich im Schaufenster tolle Sachen gesehen. Mit der Öffnung der Geschäfte habe ich mir dann gleich einige davon gekauft“, verrät die Bankangestellte. Mit dem „Click & Meet“-System indes kann sie sich nicht so recht anfreunden. „Ich bin eher ein Spontaneinkäufer.“ Um den Einzelhandel in der Kreisstadt dennoch zu unterstützen, wirft sie weiterhin Blicke in die Schaufenster, um dann bei Wiedereröffnung erneut zuzuschlagen.

„Gut, dass bei steigender Inzidenz reagiert wird“

Das Einkaufen nach Termin kennt Christin Beitel aus Wesenberg aus ihrem Berufsleben gar nicht anders, denn die 20-Jährige arbeitet in einem Brautstudio. „Da geht es ohne Termin gar nicht“, erklärt sie. Daher findet sie das neue System nicht schlimm. „Es ist gut, dass bei einer steigenden Inzidenz reagiert wird“, betont auch Freundin Henrike Stahmer aus Reinfeld.

Die 19-jährige Rettungssanitäterin hat schon oftmals festgestellt, dass in einigen Geschäften durch zuviel Kundschaft der vorgeschriebene Abstand gar nicht eingehalten werden kann. „Somit ist da eine gute Lösung gefunden.“

Presen-Tee bei „Click & Meet“ auf jeden Fall dabei

Um diesen zu gewährleisten, hat Melanie Esselborn von „Presen-Tee“ schon jetzt die offiziell erlaubte Kundenzahl von sechs von sich aus in ihrem Geschäft auf vier reduziert. Die Kunden haben auch ihr während des Lockdowns die Treue gehalten, über „Click & Collect“ eingekauft und sich auch direkt nach der Wiedereröffnung mit viel Osterdeko eingedeckt. Bei „Click & Meet“ ist sie auf jeden Fall dabei, Termine machen kann man wie zuvor wieder über per E-Mail oder übers Handy, aber natürlich auch an der Ladentür. „Dass Letzteres möglich ist, entspannt die Lage doch sehr“, betont die Geschäftsinhaberin.

„Mal schauen, wie es läuft!“

Ganz überzeugt von „Click & Meet“ ist Frank Bastian von der „Kreativwelt Bastian“ indes noch nicht. „Wir machen aber auf jeden Fall mit. Sollte es nicht funktionieren, kehren wir zu „Click & Collect“ zurück. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Auch bei den Kunden hat er schon eine gewisse Verunsicherung gespürt: „Viele kommen jetzt noch schnell, um sich einzudecken.“ Die neue Luca-App zur Datenrückverfolgung hält er für sehr gut, sieht dabei jedoch ein Problem für die ältere Generation, in der doch viele noch kein Handy haben. Sorgen macht Bastian auch, dass die Geschäfte in Lübeck weiterhin geöffnet haben, da dort die Inzidenz sehr niedrig ist. „Wir hätten als Schleswig-Holstein lieber an einem Strang ziehen sollen“, hätte er sich gewünscht.

Pareibo darf mit Mischsortiment Sonderweg gehen

Einen Sonderweg darf ab Montag „Pareibo“ gehen. So gehören zwar Zeitschriften, Tabak und das Post- und Versandwesen zu „Waren des täglichen Gebrauchs“, mit dem zusätzlichen Verkauf von Büromaterial, Kalendern und Spielzeugen hat das Geschäft aber ein sogenanntes Mischwarensortiment und musste deswegen im Dezember sogar zwei Tage schließen. Damals haben wir dann den Laden komplett umgebaut und nur noch „erlaubte Waren“ verkauft“, erinnern sich die Inhaber Nadine und Patrick Reiher. Jetzt – nach der neuen Verordnung – meldete sich erneut das Ordnungsamt bei dem Ehepaar und schlug vor, diese Variante mit dem reduzierten Sortiment und lediglich vier Kunden zeitgleich im Geschäft erneut durchzuführen. Allerdings wäre kein Umbau mehr nötig, es würde reichen, die „nicht zum Verkauf stehende Ware“ einfach abzudecken. „Dem haben wir nach kurzer Überlegung zugestimmt. Denn schließlich ist es doch sehr aufwendig, sämtliche Kontaktdaten zum Beispiel eines Rentners, der sich nur eine Zeitung kauft, oder jeden Raucher, der sich seinen Tabak abholt, zu erfassen“, sind Reihers mit diesem Vorschlag sehr zufrieden.

Von Sandra Freundt