Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Hospiz wächst schon in den Himmel
Lokales Stormarn Hospiz wächst schon in den Himmel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 27.01.2019
Sabine Tiedtke, Geschäftsführerin der Hospiz Lebensweg gGmbH (r.) mit Architektin Doris Rickmers auf der Baustelle des Oldesloer Hospizes.
Sabine Tiedtke, Geschäftsführerin der Hospiz Lebensweg gGmbH (r.) mit Architektin Doris Rickmers auf der Baustelle des Oldesloer Hospizes. Quelle: Foto: Dorothea von Dahlen
Anzeige
Bad Oldesloe

Eine Vision wird Wirklichkeit: Vor Kurzem erst wurde der Grundstein gelegt, jetzt sind bereits die Außenmauern des Oldesloer Hospizes in den Himmel gewachsen. Doris Rickmers, Architektin des modernen Bauwerks am Sandkamp, zeigt sich zufrieden, wie weit die Arbeiten gediehen sind und erst recht Sabine Tiedtke vom Verein Lebensweg, die das Projekt überhaupt ins Rollen brachte. Die beiden hoffen, dass sich die gegenwärtige, durch Frost bedingte Pause nicht so lange hinzieht und alles im Plan bleibt.

Sämtliche auf der Baustelle am Oldesloer Sandkamp tätigen Unternehmen sind übrigens in der Region ansässig. „Das war uns wichtig. Sie haben alle einen ideellen Bezug zu unserem Projekt. Friedrich Hoffmann etwa, der Chef der Hochbaufirma, hat sich riesig gefreut, dass er mitwirken kann“, sagt Sabine Tiedtke. Er gehöre zu den treuesten Unterstützern.

Gestaltet nach Prinzipien des Feng Shui

Für die Vorsitzende des Vereins Lebensweg ist das Hospiz weit mehr als nur ein aus Steinen aufgeschichteter Zweckbau. Vielmehr soll es ein Hort der Harmonie sein, der nach innen wie außen hin positiv ausstrahlt. Und diese Philosophie spiegelt sich auch in der gesamten Raumkomposition wider, die Doris Rickmers gemeinsam mit den Innenarchitekten entwickelt hat. Auf den Prinzipien des Feng Shui basierend bilden Farbgebung, aber auch Materialauswahl und die Ausrichtung der Zimmer eine zentrale Rolle, um eine Atmosphäre der Behaglichkeit und Geborgenheit zu schaffen. Und das soll später schon beim Betreten des Gebäudes spürbar werden. Statt durch eine zugige Tür gleich ins Innere zu treten, gelangen Besucher über einen Vorraum, eine Art Windfang, hinein. „Sie haben dort noch die Chance innezuhalten, alles, was sie belastet, draußen zu lassen. Denn bei uns betreten sie einen Ort des Wohlbefindens“, erklärt Sabine Tiedtke. Auch wer das Hospiz verlasse, könne sich in diesem Vorraum noch einmal sammeln und an dem dort aufgestellten Brunnen Kraft für den weiteren Tag schöpfen.

So soll das Oldesloer Hospiz am Sandkamp einmal aussehen. Quelle: Zeichnung: Architektin Doris Rickmers

Jedes Zimmer mit Ausblick ins Grüne

„Das Herzstück sind die Zimmer unserer Gäste, die so ausgerichtet sind, dass sie möglichst viel Sonne bekommen. Jeder von ihnen hat eine barrierefreie Dusche und eine eigene Terrasse mit Blick ins Grüne“, erzählt Doris Rickmers. Für das Wohlbefinden der Gäste sorgt das gut ausgestattete Bad mit Frisierstuhl, an dessen Kopfende ein Waschbecken angebracht ist oder die Massageliege. „Gepflegtes Aussehen ist für viele sehr wichtig. Es ist ein Ausdruck von Würde“, sagt Tiedtke.

Kamin spendet wohlige Wärme

Besonderes Augenmerk legte die Planerin auch auf den Gemeinschaftsraum. Der Clou: Da es in diesem mittig angelegten Teil des Gebäudes keine Fenster gibt, wird nach oben aufgestockt. So kann natürliches Licht den Raum über ein Atrium durchfluten. „Das ist unsere Dorfmitte, ein Treffpunkt für die Besucher unserer Gäste“, erläutert die Architektin. Denn, wie Sabine Tiedtke anmerkt, schließe das letzte Geleit für die Sterbenden auch ihre Familien und engsten Bezugspersonen ein. Damit auch sie sich im Hospiz gut aufgehoben fühlen, erhalte der Gemeinschaftsraum einen freundlichen Anstrich mit Hibiskusbaum und lauschigem Kamin, der im Winter wohlige Wärme spendet. Kinderecke, PC-Platz für Jugendliche und Sitzecken zum Klönen sollen den Bedürfnissen aller Altersgruppen entgegenkommen. Auch die angrenzende Küche steht den Besuchern offen. Dort können sie nicht nur selbst Tee und Kaffee zubereiten, sondern ihren Angehörigen das Lieblingsessen zubereiten oder den Herzenswunsch nach einem Stück Kuchen erfüllen.

Diese Skulptur steht in einer Klinik in Rostock. Eine ähnliche soll im Hospiz in Bad Oldesloe aufgestellt werden. Quelle: Privat/hfr

Peace, Pacem, Paix – Tafeln mit dem in viele Sprachen übersetzten Wort Frieden empfangen den Besucher im Raum der Stille. Er dient nicht nur als Rückzugsort für alle, die in sich gehen wollen, dort sollen später auch Andachten und Trauerfeiern für die Angehörigen der Verstorbenen gehalten werden. Und damit der Abschied von dem geliebten Menschen etwas leichter wird, will Sabine Tiedtke ein besonderes Ritual einführen. Verstirbt ein Bewohner des Hospizes, bekommen die Angehörigen Seelenhäuschen aus Ton mit auf den Weg. „Sie haben dann ein Erinnerungsstück, das sie mitnehmen können“, sagt die Chefin des Vereins Lebensweg. Gebrannt werden die kleinen Objekte in der Werkstatt der Keramikerin Andrea Schürgut. Sie wird zusätzlich für den Empfangsraum ein großes Kunstobjekt mit eingearbeiteten Nischen fertigen, in die Kerzen eingestellt werden können. Sie sollen jeweils die Zimmer des Hospizes symbolisieren. Verstirbt ein Bewohner, wird die ihm zugeordnete Kerze angezündet.

Appartements für Angehörige und Helfer

Hinter dem Empfangstresen schließt sich der für die Öffentlichkeit gesperrte Betriebsteil an mit Räumen für die Mitarbeiter von Hospiz und Travebogen sowie einer Großküche. Im oberen Stockwerk wird es einen Schulungsraum für das Personal geben. Zwei barrierefreie Appartements stehen später Angehörigen zur Verfügung, die von weit her angereist sind, um ihre Angehörigen zu betreuen oder auch Praktikanten, Absolventen eines Freiwilligen sozialen Jahres (FsJ) und Teilnehmern des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi). Leben ins Obergeschoss sollen später auch fleißige Bienen bringen. „Und vielleicht gibt es später dann auch richtigen Hospizhonig“, sagt Sabine Tiedtke lachend.

 Siehe auch dazu:

Der erste Spatenstich

Lebendiger Adventskalender an der Baustelle

Teil 1: Hilfe im Advent: Der Verein Lebensweg und das Hospizprojekt

Teil 2: Ausbildung ehrenamtlicher Helfer

Teil 3: Netzwerk mit DaSein und Travebogen

Teil 4: Öffentlichkeitsarbeit

Teil 5: Grundsteinlegung

Teil 6: Würdevolle Begleitung

Dorothea von Dahlen

29.01.2019
27.01.2019