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Stormarn Oldesloer Pelzmodehaus nimmt Pelze aus dem Programm
Lokales Stormarn Oldesloer Pelzmodehaus nimmt Pelze aus dem Programm
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08:00 13.01.2020
In seiner Fellwerkstatt verarbeitet Torsten von Schachtmeyer immer mehr Lammfelle. Edelpelze wie Nerz oder Zobel verwendet er allenfalls nur noch als Einfassung für Kapuzen oder Ärmel. Quelle: Petra Dreu
Bad Oldesloe

Die Tradition des Pelzmodehauses von Schachtmeyer ist lang: Vor 90 Jahren wurde es von Rudolf von Schachtmeyer in Breslau gegründet und nach Krieg und Vertreibung 1947 in Bad Oldesloe neu aufgebaut – und das überaus erfolgreich. Doch die Zeiten, dass sich Frauen mit edlen Pelzen geschmückt haben, und ein Nerzmantel als Statussymbol galt, sind lange vorbei. Kürschnermeister Torsten von Schachtmeyer zieht daraus seine Konsequenzen und nimmt reine Pelzmäntel und -jacken jetzt ganz aus seinem Sortiment.

Solange Torsten von Schachtmeyer, der das Kürschnerhandwerk seiner Familie bereits in vierter Generation aufrecht hält, denken kann, gehörten der Entwurf, die Fertigung und der Verkauf von Mänteln und Jacken aus Nerz, Wiesel oder Persianer zum Kerngeschäft des Familienunternehmens. Die Entscheidung, sich von dem einst so erfolgreichen Sortiment zu verabschieden, fiel ihm nicht leicht.

„Kaum jemand traut sich mit einem echten Pelz auf die Straße“

„Aber der Schritt ist notwendig gewesen. Es traut sich kaum noch jemand, mit einem echten Pelz auf die Straße zu gehen. 99 Prozent der Leute sagen zwar nichts, dennoch bleibt ein ungutes Gefühl“, bedauert der Kürschnermeister, Designer und Betriebswirt, der dennoch auf die Langlebigkeit von Pelzen schwört.

Lammfell statt Nerz, Wiesel und Persianer

„Da muss man sich auch nichts vormachen: Die Läden hängen voll mit Mänteln und Jacken aus Kunstfell, die dann auch noch für billiges Geld zu haben sind. Dagegen haben es die schönsten Modelle aus veredelten Pelzen schwer. Ihre Herstellung ist teuer. Das will kaum noch jemand zahlen. Sie nur noch hier hängen zu haben, macht keinen Sinn“, so von Schachtmeyer, der seine Modelle, darunter sogar preisgekrönte Unikate, derzeit in einem Totalabverkauf mit Rabatten bis zu 70 Prozent anbietet. Selbst dabei bleibt das Interesse überschaubar.

Farbbeutelanschläge in den 90er-Jahren

Der Einbruch beim Verkauf von Pelzmänteln und Jacken begann in den 80er-Jahren, als Tierschützer mit ersten Pelzdemos auf die Straße gegangen sind. In den 90er-Jahren hatte auch das Pelzmodehaus von Schachtmeyer ihren Unmut zu spüren bekommen. Es gab Farbbeutelanschläge und „Tiermörder“ war an die Schaufenster geschmiert worden. „Mehr ist nicht passiert. Gott sei Dank“, sagt der Geschäftsmann.

90-jährige Kürschner-Tradition

Lang ist die Kürschnertradition der Familie von Schachtmeyer, in der bereits Franz von Schachtmeyer, Urgroßvater des heutigen Firmenchefs, seine Fertigkeiten der Pelz-Be- und Verarbeitung an seinen Sohn Rudolf weitergegeben hat. Kürschnermeister Rudolf von Schachtmeyer gründete 1929 im schlesischen Breslau sein eigenes Pelzmodehaus, das stetig auf Wachstumskurs war. 1939 beschäftigte er bereits 40 Angestellte. Durch den Krieg ging die Firma in Breslau verloren, die Familie flüchtete nach Bad Oldesloe. Nachdem Rudolf von Schachtmeyer aus italienischer Kriegsgefangenschaft zurück gekehrt war, baute er sein Unternehmen mit Erfolg 1947 in der Hamburger Straße wieder auf. 1973 löste ihn sein Sohn Martin in der Geschäftsführung ab, seit 2000 ist in vierter Generation dessen Sohn Torsten Chef des Modehauses. Torsten von Schachtmeyer ist nicht nur Kürschnermeister, sondern auch Betriebswirt und Designer. Seine Modelle werden stetig mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

Er kann sich noch gut erinnern, dass andere Kürschner viel mehr unter den Anfeindungen zu leiden hatten. „Zoern war der Karl Lagerfeld unter den Pelzmodehäusern. Vor seinem Laden in Hamburg stand immer eine Mahnwache aus Tierschützern.“ Viele Kürschner hätten ihre Betriebe inzwischen aufgeben müssen. „Die Innung Schleswig-Holstein hatte mal 300 Mitgliedsbetriebe. Jetzt sind es noch vier.“ Mit „We prefur“ und der Verarbeitung von Fuchs-, Bisam-, Nutria-, Marder- und Dachsfellen aus der Hege hiesiger Jäger versuche der Zentralverband des deutschen Kürschnerhandwerks zwar neue Wege, einen Markt sieht von Schachtmeyer dafür aber eher nicht.

Lammfell und Leder werden anders wahrgenommen

Sein inzwischen verstorbener Vater Martin von Schachtmeyer hat zusammen mit ihm auf den geänderten Zeitgeist schon früh reagiert und auf einen Mix aus Stoff mit Fellfutter gesetzt. Auch die Lammfell-Kollektion haben beide ausgeweitet, die heute drei Viertel des gesamten Sortiments umfasst. Die Kombination aus Hightechstoffen mit Fell macht das letzte Viertel aus.

Auch wenn Lammfell wie auch Lederbekleidung und Schuhe tierischen Ursprungs sind, werden sie von der Gesellschaft anders wahrgenommen. „Warum das so ist, kann man manchmal nicht erklären“, bedauert Torsten von Schachtmeyer. In seinem Atelier schneidert er auch weiterhin Maßanfertigungen, gestaltet in die Jahre gekommene Pelze um oder verwandelt sie bevorzugt zu Kuscheldecken oder Kissen. Auch für neue Ideen ist der Kürschnermeister immer zu haben.

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Von Petra Dreu

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