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Stormarn Oldesloer Professor forscht mit Insekten: Was essen wir in Zukunft?
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15:16 30.10.2019
Prof. Dr. Gerold Rahmann mit seinem Afrika-Buch. Sein Vortrag drehte sich um Möglichkeiten, in Zukunft auch 15 Milliarden Menschen sattzubekommen. Quelle: Susanna Fofana
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Bad Oldesloe

Der Stormarner Wissenschaftler Prof. Dr. Gerold Rahmann sucht nach Zukunfts-Lösungen, um die ganze Welt sattzubekommen, wenn immer mehr Menschen auf ihr leben. Einen Einblick in die laufende Forschungsarbeit gab er jetzt bei einem gut besuchten Vortrag der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft, Sektion Bad Oldesloe.

Der Trenthorster Institutsleiter Prof. Dr. Gerold Rahmann berichtete in Bad Oldesloe von aktuellen Forschungen. Untersucht werden Möglichkeiten, weltweit noch mehr Menschen satt zu bekommen.

Eine Million Euro hat Rahmann bereits für sein seit 2018 laufendes Forschungsprojekt aufgetrieben, dem sich zudem vier Doktorarbeiten widmen. Den rund 60 Besuchern im Bürgerhaus rechnete er vor, wie man mit rund 400 Quadratmetern Ackerfläche eine Person mit gesunder Nahrung versorgen könnte.

In Korea gelten Regenwürmer als Delikatessen

Neben dem Anbau von Mais und Soja könnten die Menschen auch Insekten, Pilze, Regenwürmer und Algen essen, um zu einem Mix aus Protein, Fett, Stärke, Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen zu kommen. Dabei käme dann auch ein Bioreaktor für ein Nährstoff-Recycling zum Zuge. Das seien zwar keine üblichen Nahrungsmittel in Deutschland. In Thailand jedoch würden Heuschrecken und Maden schon jetzt verspeist, in Korea würden Regenwürmer gar als Delikatesse gelten, erklärt Rahmann. Algenpampe sei in Asien ein Grundnahrungsmittel. In Deutschland hingegen würden Algen beispielsweise als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Entwickelt werde eine Lösung für den schlimmstmöglichen Fall: 15 Milliarden Menschen weltweit im Jahr 2100, sagt Rahmann. Meist dauere es zehn bis 20 Jahre, bis die Botschaften aus der Wissenschaft in die Öffentlichkeit vordrängen. Rahmann: „Wir wissen häufig zu viel und handeln zu wenig.“ In Deutschland sei der Lebensstandard viel höher, als es die Fläche unseres Landes hergebe. Der Professor: „Wir leben auf Kosten anderer.“ Auch die Nahrungsverschwendung müsse eingedämmt werden – um langfristig Hunger zu vermeiden. „Die Hälfte der Welterträge verlieren wir durch Verderben“, sagt Rahmann. So zum Beispiel durch Wegwerfen oder auch Schädlinge.

Rahmann widmete Afrika sein viertes Buch

Der Einsatz auf dem afrikanischen Kontinent ist für den Stormarner schon seit Langem eine Herzensangelegenheit. Ihm widmete er auch sein viertes Buch. In Malawi forschte Rahmann 1989 und schrieb eine Diplomarbeit über die Milchkuhhaltung. Als Doktorand untersuchte er 1990 im Sudan, wie Nomaden in Dürrezeiten überleben. Für ein Welthungerhilfe-Projekt in Äthiopien setzte er zweieinhalb Jahre als Leiter des Thünen-Instituts Trenthorst aus. Nun macht er sich seit einem Jahr Gedanken darüber, wie man global und insbesondere in Ländern, in denen heute schon viele Menschen Hunger leiden, in Zukunft noch mehr Menschen sattbekommen könnte.

Weitere Vorträge

Um den Duft der Gene – und was bei der Partnerwahl wirklich entscheidet, dreht sich der letzte Vortrag von VHS und Universitätsgesellschaft in diesem Jahr. Referent am Donnerstag, 28. November, 20 Uhr, im Bürgerhaus ist Prof. Dr. Manfred Milinski. Der Eintritt kostet fünf Euro, für Schüler und Studenten zwei Euro.

Am 30. Januar geht es bei Prof. Dr. Dr. Manfred Hanisch um den Brexit, die Flüchtlingskrise und die Finanzkrise. Reflexionen über die Krise der EU.

Der historische Jesus steht am 27. Februar bei einem Vortrag von Prof. Dr. Enno Edzard Popkes im Mittelpunkt.

Weitere Themen im nächsten Jahr drehen sich um die Entwicklung der Kinder, die Eisschmelze in der Arktis, Leben im Weltall, Tatort-Mediziner, Nahrungs-Ergänzungsmittel und Welt der Kometen.

„LandLessFood – 2100“ heißt das Projekt, das ein Konzept zur nachhaltigen Ernährung der Welt im Jahr 2100 entwickeln will. Es geht um Ernährungssicherheit, neue Konzepte für das globale Nahrungssystem und das Potenzial von Bioreaktoren. Die Weltbevölkerung wachse rasant. Der Referent: „Das Land wird nicht mehr.“ 1962, so Rahmann, lebten weltweit drei Milliarden Menschen. 2100 sollen es elf Milliarden sein – vielleicht auch mehr.

Rahmann selbst geht davon aus, dass es in 80 Jahren sogar bis zu 15 Milliarden Menschen geben wird. In Afrika werden dann in etwa so viele Menschen leben wie jetzt auf der ganzen Erde. Mit herkömmlichem Nahrungsanbau sei eine Versorgung all dieser Menschen dann nicht mehr möglich.

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Von Susanna Fofana

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