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Stormarn Gemeinden wollen kein Pastor-Hopping
Lokales Stormarn Gemeinden wollen kein Pastor-Hopping
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13:17 12.12.2018
Die evangelische Kirchengemeinde von Pastor Erhard Graf besteht aus den Dörfern Reecke, Klein Schenkenberg, Groß und Klein Wesenberg, Groß und Klein Barnitz, Westerau und Trenthorst. Zudem betreut der Seelsorger die Kirchengemeinde Hamberge. Quelle: LN-Archiv
Klein Wesenberg/Wesenberg

Die Nachricht, dass Pastor Erhard Graf Ende 2019 geht und kein Nachfolger in Sicht ist, sorgt im Kirchspiel Klein Wesenberg für reichlich Unruhe. „Das hat eine Lawine losgetreten. Zahlreiche Bürger haben bei mir angerufen und gefragt, wie es ohne Seelsorger weitergehen soll“, sagt Bürgermeisterin Karin Dettke. Da sie auch Kirchengemeinderatsmitglied von Zarpen sei, sei sie kürzlich beim Kirchenkreis in Bad Segeberg gewesen. „Da hörte sich die ganze Sache schon ziemlich fest verankert an. Punkt eins: Dass die Kirche kein Geld hat, Pastorengehälter zu bezahlen. Und Punkt zwei, dass auch nicht genügend Pastoren da seien, um die Stelle nachzubesetzen.“ Zudem solle bis zum Jahr 2024 wohl noch einiges wegfallen, habe sie gehört.

„Dann hagelt es Austritte“

Dettke: „Ich fürchte, dass es hier dann reichlich Austritte hagelt. Nach dem Motto: Wenn ich keinen Pastor habe, der für mich zuständig ist, warum soll ich noch Kirchensteuer bezahlen.“ 

Karin Dettke, Bürgermeisterin von Wesenberg. Quelle: LN-Archiv

Die Kirche stelle sich das so vor, dass man die Pastoren herunterregele auf die sakralen Handlungen. Ehrenamtliche sollten dafür den Besuchsdienst und ähnliche Aufgaben übernehmen. „Ich finde, das geht gar nicht“, macht Karin Dettke deutlich.

Sie besuche im Rahmen ihrer Bürgermeistertätigkeit schon viele ältere Herrschaften zu den Geburtstagen. Für 2019 habe sie 44 Jubilare auf ihrer Liste. „Das ist beinahe jede Woche ein Besuch. Wenn ich für die Kirche auch noch Aufgaben übernehmen sollte, würde das den Rahmen sprengen. Das wäre ja nicht nur für meine Gemeinde, sondern für das ganze Kirchspiel.“

Klein Wesenberg braucht einen eigenen Pastor

Auch beim Bürgermeister aus Klein Wesenberg, Herbert David, kommen die Pläne der Kirche, dass ein Pastor die Seelen von noch mehr Gemeinden betreuen soll, nicht gut an. „Klein Wesenberg braucht einen eigenen Pastor. Wir haben ein reges Gemeinschaftsleben mit vielen Veranstaltungen, bei denen der Pastor eine Persönlichkeit und auch ein Repräsentant des Dorfes darstellt. Dass diese Person von einem Pastor einer Nachbargemeinde ersetzt wird, ist für das Gemeindeleben kaum denkbar.“

Herbert David, Bürgermeister in Klein Wesenberg Quelle: LN-Archiv

Das Gemeinschaftsleben im Dorf sei von kirchlicher Seite stark geprägt. David führt die Veranstaltungen und Freizeiten mit den Konfirmanden an, die Seniorennachmittage, die Musik- und Sonderveranstaltungen. Auch die kirchlichen Feiertage seien in den vergangenen Jahren auf besondere Weise zelebriert worden und hätten sich bei den Einwohnern fest etabliert, zum Beispiel die Kinderaktionen an Ostern im Pastoratsgarten oder das Krippenspiel an Weihnachten. „Dabei ist der Pastor die zentrale Figur der Organisation. Es ist fraglich, wie jemand von außerhalb dies mitleisten soll“, sagt der Klein Wesenberger Bürgermeister.

Wie Schifffahrt ohne Kapitän

Im Rahmen der Gemeindearbeit erfülle der Pastor auch die Funktion des Seelsorgers und Begleiters. David: „Wie soll das von jemandem geleistet werden, der gar nicht vor Ort ist? Probleme, Sorgen und Nöte wie bei Krankheiten oder Trauerfällen ergeben sich nicht zu festen Sprechzeiten.“ Kirche und Gemeindehaus stellten zudem zentrale Orte der Zusammenkunft dar, die mit dem Leben der Klein Wesenberger durch die Taufe, Konfirmation, Heirat oder Beerdigung fest verbunden sein. „Sich das Pastorat ohne Pastor im Ort vorzustellen, käme einer Schifffahrt ohne Kapitän gleich.“ Zudem fragt sich Bürgermeister David, mit welchen die Predigten gefüllt werden, wenn der Pastor von außerhalb die Gemeindemitglieder gar nicht gut kenne.

Ein Pastor, mehrere Kirchengemeinden – schlimm findet Herbert David dieses sogenannte Pastoren-Hopping. Der Bürgermeister fordert deshalb: „Klein Wesenberg braucht auch nach dem Austritt von Pastor Graf wieder einen eigenen Pastor, der hier wohnt und mit in der Gemeinde lebt. Oder alternativ Pastor Graf weiter beschäftigen!“

Gemeindeversammlung am 3. Advent in Zarpen

Auch in Zarpen will man sich mit dem Thema befassen. Der Nachwuchsmangel im Pastorenberuf spitze sich zu. Um den daraus resultierenden Folgen Rechnung zu tragen werde eine stärkere regionale Zusammenarbeit der Pastoren vonnöten sein. Was genau das für die Kirchengemeinde Zarpen bedeute, soll auf der Gemeindeversammlung am 3. Advent erörtert werden. „Zu der jährlichen Gemeindeversammlung sind alle Gemeindeglieder der Kirchengemeinde herzlich eingeladen“, sagt Pastor Nils Wolffson, der als Kirchengemeinderatsvorsitzender diese Sitzung einberufen hat.

Kirchenkreis 2030

Der Kirchenkreis Plön-Segeberg begibt sich in den sogenannten Strukturprozess „Kirchenkreis 2030“. Das wurde im November 2018 von der Kirchenkreissynode mit großer Mehrheit beschlossen. Aktuell sei der Kirchenkreis Plön-Segeberg personell mit Pastoren ausreichend besetzt, es gebe kaum Vakanzen, teilt die Kirche mit. Doch die Situation werde sich künftig durch eine Welle von Pensionierungen und einem prognostizierbaren Nachwuchsmangel im Pfarrberuf spürbar ändern.

Nordkirchenweit werden bis 2030 voraussichtlich ein Drittel weniger Pastoren erwartet. Deshalb gebe die Nordkirche den Kirchenkreisen eine Obergrenze für die Anzahl der zu verteilenden Pastoren vor. „Für den Kirchenkreis Plön-Segeberg bedeutet das konkret: Bis 2030 wird die Anzahl der derzeit 67 Pfarrstellen auf etwa 44 sinken“, so der Kirchenkreis Plön-Segeberg.

Die Diskussion um die Pfarrstelle seines Kollegen Erhard Graf in den Kirchengemeinden Klein Wesenberg und Hamberge habe in letzter Zeit immer wieder für Diskussion gesorgt. „Am 1. Januar 2020 wird er nach acht Jahren pastoraler Arbeit in den Ruhestand versetzt. Wie wird die Zukunft in der Region aussehen? Dieser Frage stellen sich nun die kirchlichen Gremien. Wir möchten allen Sorgenträgern gerne den Prozess 2030 des Kirchenkreises Plön-Segeberg erläutern und darüber sprechen, wie dieser Prozess unsere Kirchspiel-Region verändern kann“, erzählt Wolffson.

Die Gemeindeversammlung findet am Sonntag, 16. Dezember, um 11 Uhr in der Kirche Zarpen, Hauptstraße 59, in Zarpen statt.

Britta Matzen

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