Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Pläne fürs Gewerbegebiet: Bekommt Reinfeld ein Bordell?
Lokales Stormarn Pläne fürs Gewerbegebiet: Bekommt Reinfeld ein Bordell?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:38 02.08.2013
Der rote Kreis zeigt etwa die Stelle, wo der Club entstehen soll. Nach Vorstellung des anonymen Investors entsteht ein dreistöckiges Gebäude mit Flachdach und 46 Parkplätzen. Unternehmensziel: „Erbringung von Erotikdienstleistungen“. Quelle: Foto: ja
Anzeige
Reinfeld

Ein Sauna-Club mit bordellartigem Charakter beschäftigt Reinfelds Politik unmittelbar nach der Sommerpause. Vor wenigen Wochen ging im Rathaus die Bauvoranfrage ein für ein dreistöckiges Gebäude auf einem Privatgrundstück in der Barnitzer Straße neben dem Autobahnzubringer.

Umkleideräume, Massageraum, Entspannungs- und Wellnessbereich sollen im Erdgeschoss entstehen — und Hotelzimmer in den oberen Stockwerken. Mit seiner Vorlage für die Sitzung des Bauausschusses am kommenden Dienstag ab 19.30 Uhr im Reinfelder Rathaus schlägt Baubereichsleiter Stephan Kruse nun verschiedene Möglichkeiten vor, wie die Stadt mit dem Ansinnen eines bislang geheimgehaltenen Investors umgehen kann beziehungsweise muss. „Da sind viele baurechtliche Fragen zu beantworten“, weiß die grüne Stadtverordnete Sabine Nauruhn, die mit ihrer Fraktion noch gestern Abend beraten wollte. Sie selber sei strikt gegen solches Gewerbe, schon der Kinder wegen.

Anzeige

Walter Engel von der Wählerinitiative Reinfeld sieht sogar den Ruf des gesamten Gewerbegebietes auf dem Spiel stehen. „Kein Puff in Reinfeld“ sei seine Haltung. Es handele sich zwar tatsächlich um ein Gewerbe, um Lustgewerbe eben. Aber mit einem solchen Club in der Nachbarschaft, fürchtet er, würden andere Betriebe vor einer Ansiedlung zurückschrecken.

„Was für einen Eindruck macht es“, sieht Engel mit Schrecken voraus, „wenn neben der Autobahn eine weithin sichtbare Werbesäule vielleicht mit einer Badewanne obendrauf zu sehen wäre.“ Sein Vorschlag an den Bauausschuss: Antrag ablehnen. Das Dilemma, in dem die Stadt nun steckt, ist Rechtsunsicherheit über den juristisch korrekten Umgang mit der Bauvoranfrage.

Zwar sei ein solcher Club außer in Kerngebieten nur ausnahmsweise in Gewerbezonen zuzulassen. Aber, so Kruse, in ganz Reinfeld sei kein einziges Kerngebiet mehr ausgewiesen. Einer Begründung von Seiten des Interessenten, dass es in Nähe des vorgesehenen Standortes bereits Spielhallen und damit Betriebe ähnlicher Art gebe, könne mit dem Argument begegnet werden, dass es dann zu einer „unliebsamen Häufung von Vergnügungsstätten in einem Gewerbegebiet“ käme. Eine solche Ablehnung könne vor Gericht allerdings problematisch sein.

Eher solle die Politik den Bebauungsplan ändern, so Kruse. Im weiteren Verfahren hätte die Verwaltung dann die Möglichkeit, das Baugesuch um ein Jahr zurückzustellen. Die geplante Hotelnutzung könne untersagt werden mit dem Argument, dass eine apartmentähnliche Nutzung der oberen Stockwerke der rechtlichen Definition von Wohnen zu nahe käme. Und Wohnen sei im Gewerbegebiet nur ausnahmsweise möglich.

Am Montag wollen die Christdemokraten ihre Haltung festlegen. Bauausschussvorsitzender Lorenz Hartwig will auf jeden Fall „sachlich entscheiden“. Moral sei das eine, sagt der CDU-Mann. Es gebe aber auch wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Und selbst Reinfelds Pastor Volker Bagdahn würde einen solchen Club nicht rundheraus ablehnen: „Solange Menschenrechte dort gewahrt würden und es keine Ausbeutung gebe.“ Drogen dürfe es nicht geben und Kinder nicht gefährdet sein.

Uwe Krog