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Stormarn Pölitz – ein putzmunteres Dorf
Lokales Stormarn Pölitz – ein putzmunteres Dorf
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23:38 16.07.2018
Auch diese Pölitzer haben sichtlich Spaß an den Vorbereitungen für das Vogelschießen. FOTOS(2): VON DAHLEN
Pölitz

Mit einer Leichtigkeit, die Münder offen stehen lässt, balanciert Katja Westphal einen prall gefüllten Bettbezug ins Dorfgemeinschaftshaus. Doch dann lässt sie „die Katze aus dem Sack“: statt der zunächst angenommenen schweren Fracht quillen zig Luftballons heraus. Sie dienen zur Dekoration fürs alljährliche Kindervogelschießen. „Die wurden schon beim Fernsehen vorgepustet. Man hat ja seinen eigenen Kompressor zu Hause“, spielt sie lachend auf Ehemann Thorsten an. Neben ihr werden gerade Blumen aus Krepppapier gebastelt und die von den Eltern besorgten Gewinne für die Königskinder und ihr Gefolge auf Tischen drapiert.

Überall im Dorf wird gewuselt, gebosselt und gehämmert, wenn das Traditionsfest ansteht. In der Treckerhalle bei den Westphals ist das nicht anders. Frauen, Männer, ja sogar die ganz Lütten helfen mit, einen Anhänger für den Umzug mit Blumen und Eichenlaub zu schmücken. Allen voran Bettina Buls –„Wie Chicago Bulls, nur mit einem M“. Sie ist gewissermaßen die Zeremonienmeisterin des alljährlichen Königsschießens im Ort. „Wir versuchen auch immer, etwas Neues zu bieten: Tanz, Karaoke mit DJ. Das kommt alles gut an“, sagt die Pölitzerin.

Ein halbes Jahr vor dem großen Ereignis trommelt Bettina Buls das Vorbereitungsteam zusammen, denn alles will minutiös geplant sein. Ab Frühjahr kommen die Einschläge immer dichter. Etwa zwei Monate zuvor müssen Spenden gesammelt werden. „Da sind die Pölitzer sehr spendabel. Fünf bis 20 Euro gehen immer“, weiß Bettina Buls zu berichten. Zuletzt laufen die Drähte heiß, wenn Christa Spanehl ihre Rundrufe startet. Sie versteht es, „die Muttis“ im Dorf so zu motivieren, dass die Festbesucher möglichst viele Kuchen und Torten zur Auswahl haben.

Der gute Zusammenhalt unter den Pölitzern ist nicht zuletzt den vielen Vereinen im Dorf zuzuschreiben. Die schicken Loungemöbel nebst Bartresen aus alten Paletten im Garten, die jeden Heimwerker vor Neid erblassen lassen, etwa sind Produkt der Pölitzer Kicker. „Sie verleihen unserem Gemeinschaftszentrum einen ganz neuen Charme. Wir haben sie ganz spontan gezimmert “, erzählt Jan Sommerfeldt, linker Außenverteidiger der Alten Herren. Schließlich sind auch die Fußballer stark involviert, wenn es darum geht, ein schönes Erlebnis für die Dorfgemeinschaft zu inszenieren.

Knapp 300 Mitglieder zählt die Fußballsparte des SVV Pölitz, die in Kürze selbst ein größeres Event veranstaltet. Vom 26. bis 29. Juli steigt die 34. Sportwoche in Pölitz. Beim City-Sport-Cup SV Preußen am Donnerstag misst sich der Gastgeber und Titelverteidiger mit dem SV Preußen Reinfeld, SV Eichede II und dem Büchen-Siebeneichener SV. Am Sonnabend treffen dann VfR Todendorf, SSV Pölitz, SC Phönix Kisdorf II und VfB Lübeck III aufeinander.

„Wir haben das Glück, ein Verein zu sein, der alle Mannschaften selbst stellt. Das ist längst nicht mehr überall so“, sagt Sven Reddig, zweiter Vize des Fußballobmanns, sichtlich erfreut. Dass sich so viele Kinder und Jugendliche fürs Kicken begeisterten, sei nicht zuletzt der Audi-Schanzer-Fußballschule zu verdanken, die seit acht Jahren regelmäßig ein einwöchiges Ausbildungscamp im Dorf anbiete. „Wir waren die ersten außerhalb Bayerns, die mitgemacht haben“, fügt Reddig hinzu.

Nicht ganz so mitgliederstark wie die Fußballgemeinde ist die Tennissparte im Pölitzer SSV vertreten. Doch dass diese Sportart überhaupt in einem so kleinen Ort angeboten wird, ist nicht zuletzt den Vorsitzenden Renate Bruhns und Ulrich Strahlendorf zu verdanken. Im Netz beschreiben sie ihre aus zwei Sandplätzen bestehende Anlage als „klein, aber fein“ und „in hervorragendem Zustand.

Sehr bemüht um eine aktive Jugendarbeit ist auch Manfred Schnauer, Vorsitzender der 60 Mitglieder zählenden Pölitzer Sportschützen. Unter seiner Ägide haben sich schon einige Nachwuchstalente herausgebildet. Philip Bukowski etwa wurde als Landesmeister beim Schnellfeuern gefeiert. Der 20-Jährige hatte sich zudem schon dreimal für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. „Und jetzt haben wir auch drei Mädels mit guten Chancen“, verkündet Schnauer stolz. Mit Lara Meinßen, Merlyn Bukowski und Christin Brandt sei sehr ambitionierter Nachwuchs am Start.

Nach dem Fest ist vor dem Fest: Ein großes Ereignis steht den Pölitzern 2019 bevor, weshalb Björn Felder und seine Mannen von der Feuerwehr schon in den Startblöcken stehen. Denn die Gemeinde Pölitz wird Austragungsort des Amtsfeuerwehrfestes. Und da gibt es mit Sicherheit wieder einiges zu organisieren . . .

Von Dorothea von Dahlen