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Stormarn Politiker zum Bahnlärm: „Ist Stormarn im Tiefschlaf?“
Lokales Stormarn Politiker zum Bahnlärm: „Ist Stormarn im Tiefschlaf?“
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13:24 08.03.2019
Güterzug auf der Strecke: Was rollt da auf Stormarn zu? Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Bad Oldesloe

Wohnen, Bauen, Digitalisierung, Energiewende, Mobilität: Der Kreis Stormarn geht auf viele Bereiche ein in seiner Stellungnahme zum neuen Landesentwicklungsplan. In der Kategorie Mobilität und Verkehr fehlt Wolfgang Gerstand (CDU) aus Bad Oldesloe jedoch die Bahnstrecke HamburgLübeck und der mit der Festen Fehmarnbelt-Querung verbundene zunehmende Schienenverkehr. Gerstand hatte daher für die Sitzung des Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschusses am Mittwoch einen Ergänzungsantrag eingebracht, der auch angenommen wurde.

Gerstand ist der Vorsitzende des Ausschusses und hat sich zwei große Themen für die nächsten Jahre auf die Fahnen geschrieben: die Verhinderung beziehungsweise Beseitigung des Wohnungsmangels sowie die Auswirkungen des Fehmarnbelt-Tunnels auf den Kreis Stormarn. Schließlich sind vier große Städte an der Strecke direkt davon betroffen: Ahrensburg, Bargteheide, Bad Oldesloe und Reinfeld. „Wir müssen jetzt etwas sagen, sonst ist es zu spät“, so Gerstand.

Hört Hansebelt in Lübeck auf?

„Ich habe nun bereits zwei größere Veranstaltungen mit hochkarätigen Fachleuten und großer Resonanz durchgeführt. Aber bei den Städten und Kommunen ist dieses Thema offenbar noch nicht angekommen“, sagt Gerstand. „Ich finde es absolut unverständlich, dass Hansebelt in Lübeck aufhört. Schließlich fahren die Züge ja weiter Richtung Süden oder kommen von dort.“ Der wirtschaftsstärkste Kreis mit hoher Bevölkerungsdichte finde in den Gremien kaum statt. Gerstand fragt: „Befindet sich Stormarn im Tiefschlaf?“

Ihm geht es vor allem um den Lärmschutz. Denn wenn in Reinfeld in wenigen Jahren die Brücke Richtung Innenstadt gebaut ist, gibt es zumindest in den Städten keine beschrankten Bahnübergänge mehr. Die Thematik Fehmarnbeltquerung solle jedoch auch mit all den anderen Folgen in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Verkehr speziell für den Kreis Stormarn berücksichtigt werden, sagt Wolfgang Gerstand.

Im Hinblick auf den freiwilligen Lärmschutz denkt die CDU auch an den stärker werdenden Autoverkehr. „Entlang der bestehenden Schienenstrecke HamburgLübeck ist zusätzlicher Lärmschutz dringend erforderlich. Um zusätzliche Fördermittel generieren zu können, sollte dieser Bereich als Versuchsregion vorgesehen werden“, heißt es im Antrag. „Und die zu erwartende Mehrbelastung des Autoverkehres auf der A 1 ist ebenfalls durch zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen Rechnung zu tragen.“

Die Chancen sehen!

Klaudia Rahmann von den Grünen reagierte umgehend und sorgte dafür, dass auch eine Passage unter anderem zu Naturschutz, Ausgleichsflächen, Bienensterben und Biotopverbünden in die Stellungnahme Stormarns zum Landesentwicklungsplan aufgenommen wird.

Wulf-Henning Reichardt vom Oldesloer CDU-Stadtverband war als Gast auf der Ausschusssitzung. Er sagt: „Die Beltquerung bietet Stormarn auch viele Chancen in den Bereichen Gewerbe, Wohnen, Arbeiten.“ Ähnlich hatte sich auch bereits Landrat Henning Görtz vor Kurzem im LN-Interview geäußert. Er glaubt, dass der Kreis profitieren wird. Reichardt sieht vor allem für Reinfeld und Bad Oldesloe Potenzial, denn am Hamburger Rand werde es nun wirklich langsam sehr eng. Der Oldesloer betont den Stellenwert des Landesentwicklungsplans: „Hier werden die Rahmenbedingungen für die spätere konkrete Entwicklung geschaffen.“

271 Züge täglich? Die Bahnstrecke in Bargteheide. Quelle: mc

Oldesloe marginal betroffen?

Bad Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke (parteilos) sieht seine Stadt tatsächlich nur „marginal“ vom Bahnverkehr betroffen. Das Thema stehe bei Verwaltung und Politik nicht im Fokus. „Die Strecke ist jetzt schon stark frequentiert. Viel mehr Züge können da gar nicht fahren“, sagt Lembke. Ihm sei wichtiger, dass die Bahn die Unterführung Pölitzer Weg modernisiere. Die S4 wird in Bad Oldesloe auch kritisch gesehen. Sie bringe keinerlei Verbesserung gegenüber den jetzigen Regionalbahnen, so der allgemeine Tenor.

Ähnliches ist auch aus anderen Orten zu hören. In Ahrensburg befürchtet man zudem, dass in zehn Jahren sechs Meter hohe Lärmschutzwände die ganze Stadt zerteilen. Eine schnelle Lösung ist derzeit nicht in Sicht.

Die Bahnunterführung am Pölitzer Weg in Bad Oldesloe. Quelle: mc

„Grundsätzlich wird Lärmschutzmaßnahmen im Rahmen der Bauleitplanung Rechnung getragen. Die Stadt Bargteheide sieht sich daran gebunden, die Lebens- und Wohnverhältnisse in Bargteheide so zu gestalten, dass die Emissionsgrenzwerte insbesondere zum Schutz der direkten Anliegerinnen und Anlieger im Rahmen der Bauleitplanung eingehalten werden“, teilt Bargteheides Stadtsprecher Alexander Wagner mit. „Auch sind wir mit der Deutschen Bahn im Austausch über die weiteren Planungsschritte.“ Der nächste Gesprächstermin ist in diesem Monat vorgesehen. Wagner hat übrigens schon mal genau gerechnet und kommt auf insgesamt 271 Züge täglich, die in nicht einmal zehn Jahren durch Stormarn rollen beziehungsweise zwischen Hamburg und Bargteheide verkehren. Das wären im Schnitt etwas mehr als elf Züge pro Stunde.

Markus Carstens

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