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Stormarn Polizei: Zu Weihnachten viel häusliche Gewalt
Lokales Stormarn Polizei: Zu Weihnachten viel häusliche Gewalt
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18:46 22.12.2018
In der Polizeileitstelle in Lübeck werden täglich 340 Notrufe angenommen und 430 Einsätze der Polizei abgearbeitet. Die Leitstelle ist zuständig für die Kreise Ostholstein, Lauenburg,. Stormarn und die Stadt Lübeck Quelle: jeb
Lübeck

Weihnachten ist die Zeit der Liebe. Und dennoch wird an den Festtagen immer auch Alkohol konsumiert und es kommt auch immer wieder zu Streitereien, die oftmals mit häuslicher Gewalt einhergehen. Die Polizei muss dann schlichten, wenn Bürger den Notruf gewählt haben. An den Notruftelefonen in der Leitstelle der Polizei sitzen Beamtinnen und Beamte, die man in der Öffentlichkeit kaum sieht.

Infos Leitstelle „Südwind“

Südwind ist die geografische Bezeichnung für einen Wind, der aus südlichen Windrichtungen kommt – im speziellen meridionaler Wind, einen Wind, der ungefähr entlang eines Meridians weht. In Europa und im Speziellen der Mittelmeerregion wird „Südwind“ auch mit trockenem, oft mit Saharastaub angereichertem Wind assoziiert. (Wikipedia)

Im Land Schleswig Holstein gibt es vier große Einsatzleitstellen der Polizei. In Lübeck, Elmshorn, Kiel und Harrislee bei Flensburg. Die Lübecker Leitstelle hatte zu Beginn mit vielen kleinen und teilweise auch größeren Problemen zu kämpfen, die allerdings längst behoben sind. Inzwischen hat es einen so genannten Re-Invest gegeben und der hat einige technische Neuerungen mit sich gebracht.

Wie es in der Zukunft mit der LeitstelleSüdwind“ weiter geht, ist noch nicht abschließend geklärt. Möglich wäre ein Umzug in neue, größere Räume. Möglich ist auch, dass man sich von einer Regionalleitstelle zu einer kooperativen Leitstelle gemeinsam mit Rettungsdienst und Feuerwehr zusammenschließt. Das aber ist noch längst nicht spruchreif. Und es müssten noch viele Probleme gelöst werden, unter anderem geht es dabei um die verschiedenen Systeme, die von Polizei auf der einen Seite (mit Eurofunk Kappacher) und Feuerwehr/Rettungsdienst (mit ISE/Cobra) auf dert anderen Seite genutzt werden.

Wenn die meisten Menschen die Weihnachtstage im Kreise ihrer Familien verbringen und sich den Weihnachtsbraten schmecken lassen, müssen sie, die Polizeibeamtinnen und -beamten der Regionalleitstelle „Südwind“ der Polizei, arbeiten. Wie viele ihrer Kollegen auch. Sie koordinieren alle Einsätze sowie auch alle Notrufe für die Kreise Herzogtum Lauenburg, Stormarn, Ostholstein und die Hansestadt Lübeck.

Seit dem 17. Dezember können die Beamten auch am Arbeitsplatz in der Leitstelle etwas für ihre Gesundheit tun. Zwei dieser Trimmräder, wie hier von Oberkommissar Jan Friedrich (33) benutzt, wurden angeschafft. Quelle: Jens Burmester

An den Weihnachtsfeiertagen sei es eigentlich immer sehr ruhig, weiß Stefan Muhtz, Pressesprecher der Polizei in Lübeck von den vergangenen Jahren zu berichten. Einsatzleiter Mattes Stahl fügt hinzu: „Weihnachten wird meist viel Alkohol getrunken. Das macht die Sache für uns als Polizei, gerade hier in der Leitstelle, wo die Bürgerinnen und Bürger den ersten Kontakt per Telefon suchen, nicht unbedingt einfacher.“

60 Mitarbeiter in der Dienststelle

Hauptkommissar Mattes Stahl ist Einsatzleiter seiner Schicht in der Leitstelle. Etwa 60 Mitarbeiter sind in dieser Dienststelle beschäftigt. Die einzelnen Arbeitsplätze sind nach den Kreisen, für die diese Leitstelle zuständig ist, aufgeteilt. Immer in einer Reihe nebeneinandersitzen drei Beamte, die telefonieren und funken. „Aktuell werden hier täglich etwa 340 Notrufe und 430 Einsätze abgearbeitet beziehungsweise geführt. Dazu kommen aber auch Anfragen von anderen Dienststellen, Presseanfragen und die interne Kommunikation im Hause.

Weihnachten arbeiten hier bei uns vornehmlich die Beamten, die auch arbeiten wollen. Das sind oftmals Kolleginnen und Kollegen, die nicht Partner und kleine Kinder zu Hause haben. Hier sitzt eigentlich niemand, der missmutig ist und ein langes Gesicht zieht“, sagt Stahl. In den vergangenen Jahren habe seine Gruppe immer an Silvester Dienst gehabt. In diesem Jahr sei es nun Weihnachten. Das sei aber nicht schlimm.

Seit 36 Jahren Polizist

„Der Dienst am Weihnachtsfest ist eigentlich schon immer unproblematisch. Als Vater von zwei Kindern konnte ich freinehmen. Das ändert sich, wenn die Kinder groß sind. Aber die Familie kennt das ja nicht anders. Das ist eben Schichtdienst“, sagt Stahl. Gleichwohl stoße man bei seinen Planungen auch mal an seine Grenzen, weil es immer mehr Eltern gebe, die im Polizeidienst tätig sind. Und da könne es durchaus vorkommen, das auch mal jemand von den Eltern Dienst verrichten müsse.

Ein Foto mit Seltenheitswert - alle Mitarbeiter dieser Schicht stellten sich für Sekunden für dieses Foto vor dem Tannenbaum in der Leitstelle auf. Quelle: Jens Burmester

Der 54-jährige Hauptkommissar Mattes Stahl ist seit 36 Jahren Polizist. Seit 15 Jahren macht er in der Leitstelle Dienst – erst in Lübeck, jetzt in der neuen Leitstelle Südwind, die im Februar 2011 an den Start ging. Der Vater von zwei Kindern und inzwischen schon zweifacher Opa hat stets die Übersicht über den Betrieb, greift nur ein, wenn es absolut erforderlich ist. Wie zum Beispiel bei größeren Einsatzlagen. Dann sucht er sich zwei oder drei Mitarbeiter aus seiner Gruppe und arbeitet in einem benachbarten Lageraum autark vom übrigen Dienstbetrieb, während der normale Betrieb unabhängig davon weiter läuft.

Einsamkeit an dunklen Tagen

Weihnachten in der dunklen Jahreszeit, ist das Fest der Besinnung und der Familie. Kommt es da zu mehr Suiziden oder Suizidversuchen? „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es zu Weihnachten schon mehr solcher Einsätze gibt“, so Stahl. „Viele Menschen, die einen Notruf absetzen, haben Alkohol getrunken“, weiß der Hauptkommissar. „Natürlich werde bei Familienfeiern Alkohol getrunken. Wenn die Feiern eskalieren, dann habe man es nicht selten mit häuslicher Gewalt zu tun. Kürzlich habe er der Presse entnehmen können, dass es im Bundesgebiet im Jahr 147 Tote nach häuslicher Gewalt gegeben habe. Das sind schreckliche Zahlen und diese Zahlen steigen kontinuierlich an“, erklärt Stahl.

Wenn man Weihnachten schon mal dem ein oder anderen Wunsch nach „frei“ nachkommen könne, sei das an Silvester eigentlich unmöglich. „Silvester ist das Einsatzaufkommen deutlich höher als an allen anderen Tagen. Dann müssen solche Wünsche nach „freien Tagen“ eben zurückstehen und dafür hat jeder Verständnis“, macht Stahl deutlich.

Einsätze sind noch im Gedächtnis

Nach Ende einer Schicht, wenn er zu Hause bei seiner Frau sei, könne es durchaus sein, dass ihn der eine oder andere Einsatz noch beschäftige. Dann spreche er durchaus mit seiner Frau darüber, ohne nähere Angaben zu persönlichen Daten zu machen. „Hier in der Leitstelle sind wir ja räumlich weit weg von allen Ereignissen. Wir versuchen, stets sachlich und ruhig zu bleiben, so gut es eben geht“, macht der Einsatzleiter mit dem weißen Haar deutlich.

Feuerwehren, Rettungsdienste und Polizisten sorgen auch an den Feiertagen für unsere Sicherheit. Das sollte ein beruhigendes Gefühl sein. Und die Männer und Frauen in der Polizeileitstelle „Südwind“ in Lübeck tragen zu einem großen Teil dazu bei, auch wenn man sie nie sieht.

Jens Burmester

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