Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Polizei will vier Stationen schließen
Lokales Stormarn Polizei will vier Stationen schließen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:05 25.09.2015
Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Bad Oldesloe

Jetzt ist es offiziell: Vier Polizeistationen im Kreis Stormarn werden geschlossen. Bereits zum Sommer kommenden Jahres trifft es die Polizeistation in Oststeinbek, es folgen dann im Sommer 2017 die Standorte in Mollhagen und Bargfeld-Stegen sowie im Jahr 2018 die Station in Ammersbek. Diese Marschrichtung stellten Mitglieder der Polizeidirektion Ratzeburg jetzt für den Kreis Stormarn vor. Wichtigster Hinweis: Es werde dabei kein Personal abgebaut.

„Es ist kein singuläres Ereignis für den Kreis Stormarn, es betrifft alle in SchleswigHolstein “, erklärte Michael Wilksen, Leiter der Polizeidirektion, am Mittwoch den Mitgliedern des Stormarner Polizeibeirates. „Was wir hier machen, hat uns der Landesrechnungshof bereits vor zehn Jahren gesagt. Er hatte moniert, dass wir nicht effektiv sind.“

Mit der Schließung der Stationen „wollen wir mehr Verlässlichkeit produzieren. Diese ist bei kleineren Stationen oft nicht gegeben“, so Wilksen weiter. Zudem „wollen wir auch die Reaktionszeiten verbessern“. Innerhalb von zehn Minuten sollen Polizeibeamte am Einsatzort sein, nicht mehr als zehn Kilometer sollen dabei als Weg anfallen. Und im Einsatz sollen sie nicht auf sich gestellt sein.

„Die Zeiten sind vorbei, in denen nur ein Kollege allein im Einsatz sein kann.“ Oder, wie Torge Stelck, Leiter des Stabsbereich I es formuliert: „Keiner unserer Kollegen soll allein einen Einbrecher stellen.“ Die Sicherheit für die Kollegen sei mit der derzeitigen Organisationsstruktur aber nicht mehr gewährleistet. Beispielsweise in Mollhagen: Dort ist nur ein Beamter im Dienst. Nach Schließung seiner Station steht sein Schreibtisch künftig bei den Kollegen in Bargteheide.

Alle Einsätze, so Holger Meincke, Leiter des Stabes in Ratzeburg, würden weiter von der Regionalleitstelle in Lübeck koordiniert. Um die Sicherheit bräuchten sich die Bürger keine Sorgen zu machen.

„Die Polizeifahrzeuge sind alle mit GPS ausgestattet. Die Mitarbeiter in Lübeck sehen, wo die Autos stehen, und können das Fahrzeug, das am nächsten ist, zum Einsatz schicken.“ Im Bereich Stormarn gebe es eine gute Abdeckung.

Aber das helfe nicht bei dem „subjektiven Sicherheitsgefühl der Bürger. Das haben Sie nicht beachtet“, empörte sich Joachim Wagner, Fraktionschef der Kreistags- CDU. Dass in Oststeinbek, einer Gemeinde mit 9000 Einwohnern und einer hauptamtlichen Verwaltung, die Station geschlossen würde, „halte ich für einen Fehler“. Zumal Wagners Heimatgemeinde Oststeinbek vis à vis mit dem Hamburger Problemviertel Mümmelmannsberg liege.

Große Bedenken gibt es auch im Steinburger Ortsteil Mollhagen. „Ich finde es nicht gut, dass sich die Polizei aus der Fläche zurückzieht. Ich befürchte, dass dies Vandalismus nach sich zieht“, sagt Bürgermeisterin Heidi Hack. Die psychologische Wirkung, die von einer Polizeistation ausgehe, sei nicht zu unterschätzen. Der Ortspolizist werde in Mollhagen schon präventiv tätig, bevor es zu Straftaten komme. Was geschehe, wenn die Polizei nicht präsent ist, habe man in Lasbek gesehen, wo es gehäuft zu Einbrüchen gekommen sei, so Heidi Hack. Damit der Übergang nicht so harsch werde, habe sie versucht zu erwirken, dass die Station noch bis zur Rente des Mollhagener Polizisten im Ort bestehen bleibt — doch ohne Erfolg.

„Ich hoffe, dass die subjektive Sicherheit nicht leidet, die Kollegen sollen die Bürger ja auch weiterhin aufsuchen. Wir sind überzeugt davon, dass wir keine Fehler gemacht haben“, so Direktionsleiter Wilksen.

314 Beamte im Dienst
Für den Bereich der Polizeidirektion Ratzeburg, dazu gehört der Kreis Stormarn und der Kreis Herzogtum Lauenburg, sind 314 Beamte im Einsatz.



Die Polizisten im Kreis Stormarn sind noch auf 13 Standorte verteilt. Insgesamt elf Beamte werden allerdings bis 2018 ihren Schreibtisch an einem anderen Ort aufstellen müssen. Die sechs Kollegen aus Ammersbek gehen nach Ahrensburg und Bargteheide, die drei aus Oststeinbek nach Glinde und die beiden aus Bargfeld-Stegen und Mollhagen nach Bargteheide.

K. Kuhlmann-Schultz